Wirtschaft

Biontech Curevac Übernahme: Milliarden-Deal für mRNA-Krebstherapien

Biontech greift nach Curevac – und verfolgt damit ehrgeizige Pläne in der Krebsmedizin. Der milliardenschwere Deal soll Know-how sichern, Synergien schaffen und Biontechs Pipeline in der Onkologie entscheidend voranbringen. Doch auch politische Akteure, Altinvestoren und alte Rivalitäten spielen eine Rolle bei dieser Transaktion, die weit über einen bloßen Aktientausch hinausgeht.
12.06.2025 13:00
Aktualisiert: 12.06.2025 13:00
Lesezeit: 3 min
Biontech Curevac Übernahme: Milliarden-Deal für mRNA-Krebstherapien
Milliardendeal: Biontech will Curevac schlucken. (Foto: dpa) Foto: Andreas Arnold

Deutscher Pharmadeal – Biontech will Curevac übernehmen

Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech plant, den Rivalen Curevac aus Tübingen zu übernehmen. Geplant sei der Erwerb sämtlicher Curevac-Aktien, teilte Biontech am Donnerstag mit. Mit dem Kauf wollen sich die Mainzer weiteres Know-how auf dem Weg zu mRNA-basierten Krebstherapien sichern. Die Transaktion wird ein Milliardenvolumen erreichen. Es ist bereits der zweite milliardenschwere Deal, den Biontech binnen kurzer Zeit bekannt gibt. Am Rennen um einen Corona-Impfstoff im Jahr 2020 nahmen sowohl Biontech als auch Curevac teil. Biontech war erfolgreich, Curevac nicht.

Die Mainzer wollen nach eigenen Angaben jede Curevac-Aktie in Biontech-Aktienhinterlegungsscheine ("American Depositary Shares", kurz: ADS) tauschen. Beide Unternehmen sind an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert.

Abschluss bis Ende 2025 angestrebt

Es werden demnach rund 5,46 US-Dollar je Curevac-Aktie veranschlagt, was einer Bewertung des Tübinger Unternehmens von etwa 1,25 Milliarden US-Dollar (1,08 Mrd. Euro) entspräche. Nach Abschluss der Übernahme, die vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen bis Ende 2025 vorgesehen ist, sollen Curevac-Aktionäre voraussichtlich zwischen vier und sechs Prozent an Biontech halten, wie es hieß.

Auf dem Weg zur vollständigen Übernahme sieht sich Biontech gut vorangekommen. Aktionäre, die zusammen 36,76 Prozent der Curevac-Anteile halten, haben sich vertraglich verpflichtet, ihre Aktien unter bestimmten Bedingungen anzudienen, darunter die Biotech-Holding Dievini von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp. Die Bundesregierung habe bestätigt, der Transaktion grundsätzlich positiv gegenüberzustehen. Biontech geht deshalb davon aus, dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland 13,32 Prozent an Curevac hält, das Vorhaben unterstützen werde.

Mehrheit bereits gesichert

So käme Biontech bereits auf 50,08 Prozent der Curevac-Aktien. Voraussetzung für das Übernahmeangebot ist eine Mindestannahmeschwelle von 80 Prozent. Laut Biontech soll bei einer später geplanten Umstrukturierung Curevac-Aktionären, die ihre Anteile zunächst nicht angedient haben, je Aktie die gleiche Gegenleistung angeboten werden.

"Diese Transaktion ist für uns ein weiterer Baustein in Biontechs Onkologie-Strategie und eine Investition in die Zukunft der Krebsmedizin", sagte Biontech-Chef und -Mitbegründer Ugur Sahin.

Biontech, einst durch seinen mRNA-basierten Covid-Impfstoff bekannt und vermögend geworden, arbeitet an Krebs-Immuntherapien und strebt einen ersten Zulassungsantrag in den USA bis Ende dieses Jahres an – für eine neuartige Chemotherapie gegen Gebärmutterkrebs.

Neue Therapieansätze bei Biontech

Bei dieser Therapieform kommen Antikörper-Wirkstoff-Konjugate zum Einsatz. Wirkstoffe der Chemotherapie sollen mithilfe von Antikörpern gezielter an Krebszellen gelangen. Ein weiteres Standbein, auf das Biontech bei Krebstherapien setzt, ist die mRNA-Technologie. Sie nutzt die Baupläne körpereigener Eiweiße – bekannt wurde sie durch Corona-Impfstoffe wie das von Biontech und dem US-Konzern Pfizer entwickelte Vakzin.

Curevac bleibt in Tübingen

Auch Curevac forscht seit Jahren an der mRNA-Technologie. Die Tübinger galten einst neben Biontech und anderen als einer der Hoffnungsträger bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Virus. Dann zog das Unternehmen seinen ersten Impfstoffkandidaten wegen vergleichsweise geringer Wirksamkeit aus dem Zulassungsverfahren zurück. In der Folge kam es zu Patentstreitigkeiten zwischen Curevac und Biontech. Zuletzt hatten die Tübinger Stellen gestrichen und wollten sich wieder stärker auf die Forschung konzentrieren.

"Für mich ist diese Transaktion weit mehr als nur ein geschäftlicher Schritt", sagte Curevac-Chef Alexander Zehnder. "Seit über zwei Jahrzehnten verfolgen beide Unternehmen ähnliche Ziele und sind dabei oft Herausforderungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln angegangen." Das solle nun unter einem Dach vereint werden. Der Tübinger Forschungs- und Entwicklungsstandort von Curevac soll erhalten bleiben.

Kooperation mit Bristol Myers bringt Milliarden

Für Biontech kommt die Transaktion kurz nach der angekündigten Kooperation mit dem US-Konzern Bristol Myers Squibb. Diese bezieht sich auf die Entwicklung eines der vielversprechendsten Krebs-Wirkstoffkandidaten namens BNT327. Der soll Mechanismen von Tumoren entgegenwirken, die das körpereigene Immunsystem unterdrücken.

Mit dieser Vereinbarung sind Milliardenzahlungen des US-Konzerns an Biontech verbunden – insgesamt 3,5 Milliarden US-Dollar (rund 3,06 Mrd. Euro) werden ohne Bedingungen fließen, teils im zweiten Quartal, teils bis 2028 mit Folgezahlungen. Wenn bestimmte Entwicklungsschritte erreicht werden, kann Biontech weitere bis zu 7,6 Milliarden US-Dollar erhalten.

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