Wirtschaft

Deutschland: Zahl neuer Insolvenzen rückläufig

Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland zeigt erstmals seit langem eine leichte Entspannung. Wird dieser Trend anhalten oder drohen neue Firmenpleiten? Ein Blick auf aktuelle Entwicklungen.
13.06.2025 12:38
Lesezeit: 1 min

Insolvenzen in Deutschland: Erstmals seit 2023 Rückgang verzeichnet

Bei den Insolvenzen in Deutschland zeichnet sich eine leichte Entspannung ab. Zum ersten Mal seit März 2023 wurden in einem Monat weniger neue Insolvenzverfahren registriert als im entsprechenden Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Angaben für Mai erklärte.

Im Mai 2025 verzeichneten die Statistiker aus Wiesbaden 0,7 Prozent weniger beantragte Regelinsolvenzen als im Vergleichsmonat 2024. Bereits in den beiden Monaten davor hatte sich die Steigerungsrate auf ein einstelliges Niveau abgeschwächt. Ob sämtliche Verfahren von den Insolvenzgerichten auch tatsächlich bis in die offizielle Statistik gelangen, bleibt unklar. Nach Angaben des Bundesamts wird der eigentliche Antrag auf Insolvenzen oft rund drei Monate vor Veröffentlichung gestellt.

Firmenpleiten weiter über Vorjahresniveau

Auch das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) stellte in seiner aktuellen Monatsanalyse einen rückläufigen Trend bei den Firmenpleiten fest: Nachdem im April ein 20-Jahres-Höchstwert erreicht worden war, sank die Zahl der Insolvenzen in Deutschland bei Personen- und Kapitalgesellschaften im Mai deutlich. Mit 1.478 Firmenpleiten lagen die Werte laut IWH 9 Prozent unter dem April, aber 17 Prozent über dem Stand von Mai 2024.

"Frühindikatoren sprechen auch für Juni für leicht sinkende Insolvenzen", so IWH-Experte Steffen Müller. "Trotzdem rechnen wir mit mehr Firmenpleiten in Deutschland als im Vorjahr."

Mehr Insolvenzen im Gesamtjahr wahrscheinlich

Branchenexperten und Auskunfteien prognostizieren für das Jahr 2025 insgesamt mehr Insolvenzen als 2024. Im vergangenen Jahr wurden laut amtlicher Statistik 21.812 Insolvenzen gemeldet – der höchste Wert seit 2015. Nach dem Ende staatlicher Corona-Hilfen hatte man mit dem Anstieg gerechnet. Zudem wirken hohe Energiekosten, übermäßige Bürokratie und politische Unsicherheit belastend.

Im ersten Quartal 2025 registrierten Amtsgerichte laut endgültiger Zahlen 5.891 Unternehmensinsolvenzen – ein Anstieg um 13,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Forderungen der Gläubiger beliefen sich auf rund 19,9 Milliarden Euro, nach 11,3 Milliarden Euro im ersten Quartal 2024.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lohnabgaben in Deutschland: Warum nur wenig vom Bruttolohn bleibt
29.04.2026

Deutschland zählt im OECD-Vergleich zu den Ländern mit besonders hohen Abgaben auf Löhne, während steigende Sozialbeiträge den Abstand...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street schließt tiefer, da Schwäche im Tech-Sektor das Anlegervertrauen erschüttert
28.04.2026

Wachsende Unsicherheiten und unerwartete Wendungen halten die Finanzwelt in Atem – was Anleger jetzt über die aktuellen Marktbewegungen...

DWN
Technologie
Technologie USB-C wird Pflicht: EU zwingt Laptop-Hersteller zum neuen Standard
28.04.2026

Die EU schreibt USB-C ab heute als Pflichtanschluss für alle neuen Laptops vor und beendet damit eine jahrelange Übergangsphase. Für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Atomaktien im Aufwind: Energiekrise setzt US-Börsen unter Druck
28.04.2026

Die US-Börsen stehen trotz geopolitischer Spannungen auf hohem Bewertungsniveau, während Atomaktien durch neue Sorgen um die...

DWN
Politik
Politik Richard Moore sieht globale Risiken: Spannungen setzen Europa unter Druck
28.04.2026

Die Aussagen von Ex-MI6-Chef Richard Moore zeichnen ein ungewöhnlich offenes Bild der aktuellen Weltlage zwischen Ukrainekrieg,...

DWN
Politik
Politik Vereinigte Arabische Emirate verlassen Opec
28.04.2026

Die massiven Einnahmen aus dem Ölexport haben den Emiraten über Jahrzehnte Macht und Wohlstand verschafft. Nun kündigen sie den Austritt...

DWN
Panorama
Panorama Weniger Zuckerbrot, mehr Peitsche: Regierung plant Zuckerabgabe und höhere Steuern
28.04.2026

Die Bundesregierung greift zu neuen Einnahmequellen und plant eine Zuckerabgabe – während Ausgaben und Schulden steigen. Gleichzeitig...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aldi Süd baut mehr als 1.200 Stellen ab
28.04.2026

Aldi Süd treibt den Umbau voran und streicht 1.250 Stellen – vor allem in der IT. Der Einschnitt zeigt, wie hart selbst Discounter...