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EU-Energielabel für Smartphones kommt

Ein neues EU-Energielabel soll Verbraucherinnen und Verbrauchern beim Kauf von Smartphones und Tablets künftig zeigen, wie effizient, langlebig und reparaturfreundlich ein Gerät ist. Die Kennzeichnung liefert konkrete Daten zur Akkuleistung, zum Staub- und Feuchtigkeitsschutz und zur Ersatzteilverfügbarkeit – doch nicht jeder Wert ist so aussagekräftig, wie es scheint. Und die Hersteller? Müssen mehr leisten.
20.06.2025 07:26
Lesezeit: 2 min
EU-Energielabel für Smartphones kommt
Ein Techniker arbeitet an einem Smartphone mit defektem Display in seinem kleinen Fachgeschäft für Reparaturen und Zubehör. In der EU sollen Kunden in Zukunft das Recht haben, bestimmte Geräte reparieren zu lassen. Mit der neuen Regelung soll gewährleistet werden, dass Produkte länger genutzt werden und weniger Müll produziert wird. (Foto: dpa) Foto: Christian Charisius

EU-Energielabel: Wie gut lässt sich mein Handy reparieren?

Was bei Waschmaschine oder Fernseher längst Standard ist, kommt nun auch für Handys und Tablets: ein Energielabel. Ab sofort ist es Pflicht.

Ein kaputtes Handy muss nicht sofort ersetzt werden – oft lässt es sich reparieren. Doch wie leicht ist das wirklich? Damit Verbraucherinnen und Verbraucher künftig schon vor dem Kauf einschätzen können, wie langlebig und reparaturfreundlich ein Gerät ist, werden ab heute neue Smartphones und Tablets mit EU-Energielabeln versehen. Auch die Produkte selbst sollen verbessert werden. Was genau ändert sich? Ein Überblick:

Was gibt das Energielabel an?

Smartphones und Tablets, die ab Freitag neu in der EU auf den Markt kommen, müssen ein Energielabel tragen. Es zeigt, wie energieeffizient ein Gerät ist – so wie es bei Waschmaschinen, Glühlampen oder Fernsehern bereits üblich ist. Die europäische Energieeffizienzskala reicht von A (dunkelgrün) für besonders effiziente Produkte bis G (rot) für weniger effiziente.

Auf dem Label steht außerdem, wie viele Stunden und Minuten der Akku nach vollständiger Ladung durchhält und wie viele Ladezyklen er übersteht, bis er nur noch 80 Prozent der ursprünglichen Kapazität besitzt. Wie robust ein Gerät bei Stürzen ist und wie gut es sich reparieren lässt, wird jeweils auf Skalen von A bis E angegeben. Je höher die Klasse, desto robuster und leichter zu reparieren.

Eine weitere Skala auf dem Energielabel zeigt, wie gut das Gerät gegen Staub (0 bis 6) und Feuchtigkeit (0 bis 8) geschützt ist. Ein Handy mit einem Schutzgrad von "68" ist demnach optimal geschützt.

Wo ist das Energielabel zu finden?

Lieferanten und Händler müssen laut Kommission dafür sorgen, dass das Etikett gut sichtbar und in der Nähe des Produkts angebracht ist – sowohl im Onlinehandel als auch im Geschäft. Die Deutsche Umwelthilfe kündigte an, die Einhaltung der Vorschriften stichprobenartig im Handel zu kontrollieren.

Gibt das Label die Reparaturkosten an?

Nein. "Je einfacher es ist, ein Produkt zu zerlegen und Ersatzteile zu finden, desto höher ist die Reparaturklasse", erklärte ein Sprecher der europäischen Verbraucherschutzorganisation Beuc. "Die Verbraucher sollten jedoch wissen, dass der Preis für Ersatzteile und Reparaturdienste nicht in die Endnote einfließt." Ein Smartphone der Reparaturklasse A bedeutet also nicht zwingend, dass es günstiger zu reparieren ist.

Sollen auch die Geräte besser werden?

Ja. Parallel zum Energielabel gelten für Hersteller neue Vorgaben für das sogenannte Ökodesign. Smartphones und Tablets sollen widerstandsfähiger werden, ihre Akkus langlebiger. Hersteller müssen sieben Jahre lang nach dem Kauf wichtige Ersatzteile wie Displays, Akkus und Kameramodule innerhalb von fünf bis zehn Werktagen liefern. Softwareupdates müssen mindestens fünf Jahre lang verfügbar sein.

Was ist das Ziel der Neuerung?

Das Energielabel soll laut Europäischer Kommission Verbraucherinnen und Verbrauchern helfen, fundiertere und nachhaltigere Kaufentscheidungen zu treffen. Smartphones und Tablets lassen sich vor dem Kauf besser vergleichen. Durch die neuen Vorgaben sollen zudem große Mengen CO₂ und Strom eingespart werden.

Die Verbraucherschutzorganisation Beuc zeigte sich erfreut über die hilfreichen Angaben auf dem Label: "Das Energielabel kann den Verbrauchern helfen, die leistungsstärksten Produkte zu finden", sagte ein Sprecher.

Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) begrüßte die Neuerung, forderte jedoch eine Ausweitung der Vorgaben auf alle Elektrogeräte. "Die neuen Regelungen für Smartphones und Co. sind ein wichtiger Schritt zu umweltfreundlicheren Produkten und besserer Verbraucherinformation", sagte DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. "Aber was ist mit all den anderen Elektrogeräten? Die Schrottberge aus kurzlebigen und reparaturfeindlichen Geräten wachsen von Jahr zu Jahr."

Kommt das Energielabel auch für Laptops?

Ja – zumindest ist das der Plan. Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration in Berlin, das an der Entwicklung des Energielabels beteiligt ist, wird derzeit ein vergleichbares Label für Laptops erarbeitet. Es soll voraussichtlich ab 2028 eingeführt werden.

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