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Fachkräftemangel am Bau: Abwanderung von 45.000 Bauarbeitern

Ein alltägliches Bild in Deutschland: stillstehende Baustellen ohne Bauarbeiter und der Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft verschärft sich weiter. Eine aktuelle Studie zeigt, dass der öffentliche Dienst zur größten Konkurrenz wird, während Betriebe mit Gehaltserhöhungen und besseren Arbeitsbedingungen um jede Fachkraft kämpfen müssen.
18.07.2025 10:03
Lesezeit: 2 min

Fachkräftemangel am Bau: Abwanderung von 45.000 Bauarbeitern

Der Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft verschärft sich weiter. Doch nicht nur der fehlende Nachwuchs belastet die Branche, sondern zunehmend auch die Abwanderung erfahrener Arbeitskräfte. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Sozialkassen der Bauwirtschaft (Soka-Bau) im Rahmen des neuen Ausbildungs- und Fachkräftereports.

In den Jahren 2023 und 2024 haben demnach rund 45.000 gewerbliche Arbeitnehmer zwischen 18 und 50 Jahren die Branche verlassen, vor allem wegen niedriger Einkommen und hoher körperlicher Belastung. Auffällig ist: Während früher viele ins verarbeitende Gewerbe wechselten, zieht es heute mehr Beschäftigte in den öffentlichen Dienst. Doch die Studie liefert auch positive Ansätze: Immerhin drei Viertel der abgewanderten Fachkräfte können sich unter besseren Bedingungen eine Rückkehr vorstellen.

Vergütung bleibt Schlüssel beim Fachkräftemangel

Damit deutet die Untersuchung, die bundesweit Baubetriebe, aktuelle und ehemalige Beschäftigte befragte, auf eine gespaltene Stimmung: Zwar sehen 70 Prozent der Abgewanderten ihren Schritt als dauerhaft an, doch 30 Prozent hatten ihn ohnehin nur temporär geplant. Vergütung bleibt dabei der entscheidende Hebel. „Von den verbleibenden 75 Prozent wird eine verbesserte Vergütung erneut als mit Abstand stärkster Rückkehranreiz genannt, gefolgt von verbesserten Arbeitsbedingungen“, so das zentrale Ergebnis der Analyse.

Gleichzeitig zeigen sich auch unter den aktuell noch aktiven gewerblichen Arbeitnehmern Anzeichen für eine hohe Wechselbereitschaft: 23 Prozent denken über einen Branchenwechsel nach, fast jeder Fünfte sogar über einen endgültigen Ausstieg.

Öffentlicher Dienst als neue Konkurrenz

Besonders bemerkenswert ist die Verschiebung der Zielbranchen. Früher galt das verarbeitende Gewerbe als bevorzugte Alternative. Heute wechseln die meisten in den öffentlichen Dienst – etwa in Bauämter. Als Grund nennt Soka-Bau die konjunkturelle Schwäche der Industrie. Damit steigt der Wettbewerbsdruck für die Bauwirtschaft weiter, da der öffentliche Dienst oft mit attraktiveren Arbeitszeiten und weniger körperlicher Belastung punktet.

Betriebe reagieren sensibler auf Abwanderung

Erfreulich aus Sicht der Branche: Die Problematik ist inzwischen bei den Unternehmen angekommen. 85 Prozent der befragten Betriebe erwarten, dass das Problem der Abwanderung weiter zunimmt. Mehr als 40 Prozent haben bereits Gegenmaßnahmen eingeleitet – ein deutlicher Sprung gegenüber des Jahres 2018, als nur 30 Prozent aktiv geworden waren.

Am häufigsten setzen die Unternehmen auf Gehaltserhöhungen und eine Verbesserung des Betriebsklimas, gefolgt von weiteren finanziellen Anreizen. Nur noch 13 Prozent glauben, dass es „keine wirksamen Maßnahmen gegen die Abwanderung gibt“. Das ist ein erheblicher Rückgang gegenüber den 40 Prozent aus der früheren Erhebung in NRW.

Potenzial zur Rückkehr vorhanden

Doch trotz aller Herausforderungen eröffnet die Studie auch Chancen. Denn viele der abgewanderten Fachkräfte zeigen grundsätzlich Bereitschaft, unter besseren Bedingungen wieder in die Branche zurückzukehren. Entscheidend bleiben neben der Vergütung vor allem ein verbessertes Arbeitsklima und spürbare Entlastungen. Die Erkenntnisse der Befragung unterstreichen damit die Dringlichkeit für die Branche, die Arbeitsbedingungen auf den Baustellen weiter zu verbessern, um dringend benötigte Fachkräfte zu halten oder auch zurückzugewinnen.

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