Unternehmen

Google: KI-Suche erschwert Sichtbarkeit für Firmen

Google treibt den Einsatz Künstlicher Intelligenz in seiner Suche voran – mit drastischen Folgen für das digitale Marketing. Während der Konzern Milliarden an Werbeeinnahmen verbucht, geraten klassische Anzeigenmodelle unter Druck. Die Klickpreise steigen, Sichtbarkeit wird teurer, und viele Unternehmen müssen ihre Strategien grundlegend überdenken.
24.07.2025 10:16
Lesezeit: 2 min

Googles Werbegeschäft wächst auch mit KI-Suche

Google integrierte in den vergangenen Monaten verstärkt Künstliche Intelligenz in seine Suchmaschine. Dem Geschäft schadete das nicht: Googles Geschäft mit Online-Werbung wächst rasant weiter, während der Internet-Konzern seine Suchmaschine mithilfe Künstlicher Intelligenz neu gestaltet. Im vergangenen Quartal kletterten die Anzeigenerlöse im Jahresvergleich um 10,4 Prozent auf 71,34 Milliarden Dollar (60,6 Mrd Euro). KI beeinflusse alle Bereiche des Geschäfts positiv, betonte Google-Chef Sundar Pichai.

Werbung bleibt Hauptumsatzträger

Werbung bei Google erwirtschaftet weiterhin den Großteil der Erlöse des Mutterkonzerns Alphabet. Die Entwicklung des Anzeigengeschäfts wird seit Monaten aufmerksam verfolgt.

Denn Google integriert zunehmend durch KI erzeugte Zusammenfassungen in seine Suchmaschine, die Nutzeranfragen direkt beantworten können. Dadurch sinkt häufig der Anreiz, auf Links neben den Suchergebnissen zu klicken. Doch genau damit erzielt Google seine Einnahmen – und Unternehmen, die bei dem Internet-Konzern Anzeigen schalten, gewinnen auf diese Weise Nutzer für ihre Websites.

Konkurrenz durch ChatGPT und andere

Zudem wollen neue KI-Rivalen wie der ChatGPT-Entwickler OpenAI die klassische Internet-Suche mit Chatbots ersetzen. So fragt in Deutschland gut die Hälfte der KI-Nutzer zumindest gelegentlich zuerst ChatGPT und Co. um Rat – und nicht mehr eine Suchmaschine, wie eine Studie des Marktforschungsinstituts Norstat ergab.

Google hält mit eigenen KI-Zusammenfassungen dagegen – und nach Angaben des Konzerns funktioniert das. Sie animierten Nutzer dazu, mehr Suchanfragen bei Google zu stellen, sagte Pichai. Er sprach von einem Anstieg um zehn Prozent. Besonders bei jungen Nutzern seien Suchanfragen über Kamera-Aufnahmen beliebt, ebenso wie eine neue Funktion, bei der man Objekte auf dem Smartphone-Display einkreisen kann.

Youtube steigert Werbeeinnahmen

Bei der Videoplattform Youtube wuchsen die Werbeeinnahmen unterdessen im Jahresvergleich um 13 Prozent auf rund 9,8 Milliarden Dollar.

Alphabet investiert in Rechenzentren

Der umfassende Einsatz von KI-Software erfordert mehr Rechenleistung – und Alphabet erhöht die Investitionen vor allem für den Ausbau von Rechenzentren von 75 auf 85 Milliarden Dollar allein in diesem Jahr.

Der Konzernumsatz von Alphabet lag mit einem Plus von 14 Prozent bei 96,43 Milliarden Dollar über den Markterwartungen. Der Gewinn stieg unterdessen um 19,4 Prozent auf knapp 28,2 Milliarden Dollar.

Die Aktie legte im nachbörslichen Handel zeitweise um gut zwei Prozent zu.

KI-getriebene Umbrüche: Auswirkungen auf Werbebudgets und Sichtbarkeit

Für Unternehmen ergeben sich durch Googles KI-Offensive erhebliche Veränderungen im digitalen Marketing. Besonders die neuen "AI Overviews", also automatisch generierte Zusammenfassungen über den Suchergebnissen, verschieben das Nutzerverhalten: Klassische organische Treffer und Anzeigen geraten zunehmend aus dem Sichtfeld. Eine Analyse von AdExpert zeigt, dass dadurch die durchschnittlichen Klickraten vieler Werbeanzeigen im ersten Halbjahr 2025 gesunken sind – bei generischen Suchbegriffen teilweise um bis zu 18 Prozent. Gleichzeitig steigen die Kosten pro Klick in wettbewerbsintensiven Branchen wie Recht, Finanzdienstleistungen oder E-Commerce deutlich an. Auch Reuters berichtet, dass Unternehmen mehr investieren müssen, um vergleichbare Sichtbarkeit zu erzielen. Für kleinere Firmen mit begrenztem Budget stellt das eine strategische Herausforderung dar. Sie stehen vor der Frage, ob sie in KI-optimierte Kampagnen investieren oder alternative Kanäle wie Plattformen mit stabileren Reichweiten erschließen. Klar ist: Werbetechnisch entsteht ein Umbruch, der nicht nur operative Anpassungen erfordert, sondern auch strukturelle Entscheidungen über digitale Präsenz und Prioritäten im Marketingmix.

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