Technologie

Großauftrag für deutschen KI-Chip-Spezialisten Spinncloud

Das Dresdner Start-up Spinncloud erhält einen Millionenauftrag für seine KI-Chips, die dem menschlichen Gehirn nachempfunden sind. In Leipzig soll ein Supercomputer mit über zehn Milliarden künstlichen Neuronen die Medikamentenforschung revolutionieren – effizienter, schneller, stromsparender. Was das für die Pharmaindustrie und Europas digitale Souveränität bedeutet.
29.07.2025 13:45
Lesezeit: 1 min

KI-Chips von Spinncloud: Großauftrag für neuromorphe Technologie aus Dresden

Das Dresdner Start-up-Unternehmen Spinncloud erhielt einen Großauftrag für seine KI-Chips, die sich stark an der Funktionsweise des menschlichen Gehirns orientieren und einem Nervenzellnetzwerk nachempfunden sind. Mit dem bislang leistungsstärksten, vom Gehirn inspirierten Supercomputer soll an der Universität Leipzig vor allem KI-gestützte Medikamentenforschung betrieben werden, teilten das Unternehmen und die Hochschule mit.

Das genaue finanzielle Volumen des "millionenschweren Auftrags" wurde nicht beziffert. Die Umsetzung der Vereinbarung ist innerhalb der kommenden zwei Monate geplant.

Ein Fünftel der Leistung eines Gehirns

Spinncloud gilt unter Fachleuten als das ambitionierteste Chip-Start-up Europas. Das System für die Universität Leipzig soll über 10 Milliarden künstliche Nervenzellen (Neuronen) gleichzeitig simulieren können. Das entspreche rund 20 Prozent der Leistung eines menschlichen Gehirns. Dabei verbrauche das "SpiNNaker2"-System deutlich weniger Strom als herkömmliche Hochleistungs-Computer – rund 18-mal weniger. "Diese Technologie ist ein Beispiel, die Entwicklung personalisierter Medikamente massiv zu beschleunigen und gleichzeitig Europas technologische Souveränität im Bereich KI und Supercomputing zu stärken."

Weniger Stromverbrauch: mehr Tempo

In Leipzig soll die Spinncloud-Technologie auch für das sogenannte "In-silico-Screening" von Molekülen zum Einsatz kommen. Das bedeutet, dass Wissenschaftler mit Hilfe von Computern eine Vielzahl verschiedener Moleküle durchtesten – jedoch nicht im Labor mit realen Substanzen, sondern virtuell. Sie verwenden dafür spezielle Programme, die vorhersagen, wie ein Molekül etwa an ein krankes Protein andocken könnte. Dieser bislang äußerst rechenintensive Vorgang werde mit den Spinncloud-Systemen deutlich effizienter und energieärmer durchgeführt.

Erste Modellversuche belegten, dass Spinncloud in der Lage sei, in der Arzneimittelforschung eine Wirkstoffentdeckung mit sogenannten niedermolekularen Verbindungen (Small Molecule Drug Discovery) bis zu 50-mal schneller als mit herkömmlichen KI-Chips umzusetzen. Damit rücke ein Markt für industrielle Anwendungen etwa in der Pharmaindustrie in greifbare Nähe.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kennzeichnung im Produktionstempo: Wie Brady die Industrie neu taktet

Produktionslinien laufen schneller denn je, doch die Rückverfolgbarkeit hinkt oft hinterher. Brady setzt genau hier an und zeigt, wie sich...

DWN
Finanzen
Finanzen Kaufkraft-Ranking in Krisenzeiten: Wo die regionalen Einkommen am meisten wert sind
15.04.2026

Das Verhältnis aus Einkommen und Lebenserhaltungskosten entscheidet über die reale Kaufkraft der Haushalte: Wo viel verdient wird, ist es...

DWN
Technologie
Technologie Novo Nordisk-Aktie: KI von OpenAI soll Pharmaentwicklung beschleunigen
15.04.2026

Novo Nordisk treibt den Einsatz von KI in der Pharmaindustrie voran und setzt dabei auf eine Kooperation mit OpenAI. Kann künstliche...

DWN
Politik
Politik Deutschlands Photovoltaik-Ausbau: Wie Solarstrom Europas Energiemarkt stabilisiert
15.04.2026

Deutschlands Photovoltaik-Ausbau gewinnt in einem angespannten geopolitischen Umfeld strategisch an Bedeutung für den europäischen...

DWN
Politik
Politik YouGov-Umfrage: AfD klar stärkste Kraft - Union stürzt auf schlechtesten Wert seit vier Jahren
15.04.2026

In einer YouGov-Umfrage kann sich die AfD deutlich von den anderen Parteien absetzen. Auch Grüne und Linke legen zu. Die einzigen, die...

DWN
Finanzen
Finanzen Neue Prognose der Deutschen Bank: US-Dollar verliert an Stärke
15.04.2026

Die Deutsche Bank sieht eine veränderte Ausgangslage an den Devisenmärkten und rät Marktteilnehmern zu einer Neuausrichtung ihrer...

DWN
Finanzen
Finanzen Finanzspritze vom Bund: Eine Milliarde Euro für Länder und Kommunen
15.04.2026

Der Bund greift hoch verschuldeten Kommunen unter die Arme. Doch nicht nur sie werden entlastet - sondern auch die reichsten Bundesländer.

DWN
Politik
Politik „Strategische Partnerschaft“ mit Deutschland: Mehr Militärhilfe für die Ukraine beschlossen
15.04.2026

Die Militärhilfe für die Ukraine nimmt Fahrt auf. Nach neuen Rüstungskooperationen Deutschlands legt auch Großbritannien nach. Auch die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Heidelberger-Druck-Aktie: Druckmaschinenhersteller steigt in Drohnenabwehr ein
15.04.2026

Das für Druckmaschinen bekannte Unternehmen Heidelberg steigt ins Rüstungsgeschäft ein. Die Traditionsfirma will ihren Standort in...