Unternehmen

Northvolt-Risiken: Wirtschaftsministerium erkennt keine neuen Probleme durch die Krise des Batterieherstellers

Die Krise bei Northvolt wirft Fragen zur Sicherheit staatlicher Investitionen auf. Während das Wirtschaftsministerium Entwarnung gibt, sorgen Zahlen und Garantien für Diskussionen. Was bedeutet das für den Standort Heide – und könnte das Risiko für den Steuerzahler doch größer sein?
15.08.2025 07:01
Lesezeit: 2 min
Northvolt-Risiken: Wirtschaftsministerium erkennt keine neuen Probleme durch die Krise des Batterieherstellers
Der Schriftzug Northvolt ist an einem Zaun am Eingang zur Baustelle der Batteriezellenfabrik zu sehen. Der Batteriehersteller hat in seiner schwedischen Heimat Insolvenz angemeldet (Foto: dpa). Foto: Christian Charisius

Wirtschaftsministerium erkennt keine neuen Northvolt-Risiken

Das Bundeswirtschaftsministerium sieht keine frischen, zusätzlichen Risiken für den Steuerzahler in der Krise des Batterieherstellers Northvolt. Zuvor hatte das "Handelsblatt" gemeldet, möglicherweise könnten weitere 300 Millionen Euro verloren gehen, berichtete das "Handelsblatt". Das Ministerium stellte jedoch klar, dass es sich um bereits bekannte Informationen handelt.

Wegen anhaltender Finanzierungsprobleme hatte Northvolt Mitte März in Schweden Insolvenzantrag gestellt. Lange blieb offen, wie es mit der geplanten Fabrik bei Heide in Schleswig-Holstein weitergehen soll. Für diese Ansiedlung gab es staatliche Förderung, bei der ein Millionenverlust für den Steuerzahler droht. Northvolt erhielt von der staatlichen Förderbank KfW über eine Wandelanleihe rund 600 Millionen Euro.

Die Mittel dieser Wandelanleihe sind laut Wirtschaftsministerium "zum Teil verwendet und damit im Sinne des Projekts in Heide bereits "verbaut"". Der nicht genutzte Anteil liege in der freien Kapitalrücklage der deutschen Projektgesellschaft in Heide. Die Zweckbindung für eine Batteriezellfertigung in Heide bleibe bestehen, die Gelder seien nicht Teil der Insolvenzmasse in Schweden, hieß es. KfW und Wirtschaftsministerium wollen dazu in Gespräche mit dem neuen Investor Lyten eintreten.

Northvolt-Risiken: Bund übernahm Garantie

2020 hatte der Bund laut Wirtschaftsministerium eine Finanzierungstranche kommerzieller Banken über 525 Millionen US-Dollar mit einer Garantie abgesichert – um sicherzustellen, dass die deutsche Autoindustrie ausreichend Batterien bekommt. Der Bund habe dies mit einer Deckungsquote von 80 Prozent des Risikos abgesichert. Diese Garantie galt für einen sogenannten ungebundenen Finanzkredit – dieser sei Teil der Northvolt-Insolvenzmasse. Die Informationen seien bereits veröffentlicht und bekannt.

Die Risikoposition des Bundes betrage "gegenwärtig 376 Millionen US-Dollar" zuzüglich Finanzierungskosten – so habe es laut Zeitung ein Fachreferent des Wirtschaftsministeriums am 4. Dezember 2024 im Wirtschaftsausschuss des Bundestags berichtet. In der Sitzung sei auch der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) befragt worden. Habeck soll damals bestätigt haben, dass der Schaden bei Northvolt um etwa 300 Millionen Euro höher ausfallen könnte. Im Zweifel sei "dieses Geld im Feuer", habe Habeck dem Protokoll zufolge erklärt.

US-Konzern plant Übernahme von Northvolt

Kürzlich wurde bekannt, dass der US-Konzern Lyten alle verbliebenen Standorte des insolventen Batterieherstellers Northvolt übernehmen will. Dazu gehört auch die im Bau befindliche Fabrik bei Heide.

Der Abschluss des Erwerbs (Closing) stehe unter dem Vorbehalt bestimmter Bedingungen, deren Erfüllung noch Monate dauern könne, erklärte das Wirtschaftsministerium. Man verfolge die Entwicklung mit Blick auf den Standort Heide und mögliche Folgen für die Wandelanleihe aufmerksam und prüfe dies.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Lageroptimierung als Wettbewerbsfaktor im Mittelstand

In Zeiten steigenden Wettbewerbsdrucks, globaler Lieferketten und wachsender Kundenerwartungen wird die Effizienz interner Prozesse zu...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Straße von Hormus im Krisenmodus: Irans Drohungen setzen Ölpreis-Entwicklung unter Druck
04.03.2026

Die Drohungen der iranischen Revolutionsgarde erhöhen den Druck auf eine der wichtigsten Energierouten der Welt und treiben die Spannungen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lithium-Boom inmitten von Deutschland: Warum Mitteldeutschland zum Lithium-Produzenten werden könnte
04.03.2026

Lithium ist einer der wichtigsten und wertvollsten Rohstoffe für Zukunftstechnologien. Noch bezieht die EU das „weiße Gold“ teuer...

DWN
Politik
Politik Macron stößt EU-Debatte an: Frankreich drängt auf stärkere nukleare Abschreckung
04.03.2026

Frankreich stößt eine Debatte über eine europäische nukleare Abschreckung an und wirbt bei NATO-Staaten für ein erweitertes...

DWN
Politik
Politik Nachfolge und Machtkämpfe: Wer führt künftig den Iran?
04.03.2026

Nach dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei muss das iranische Machtgefüge klären, wer ihm nachfolgt. Doch in Kriegszeiten wird auch die Wahl...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Noch mehr Bürokratie? EU-Kommission will „Made in Europe“ - Vorgabe für öffentliche Aufträge
04.03.2026

Die Europäische Union muss ihre CO2-Emissionen senken und will ihre Industrie erhalten. Ist die Lösung, europäisch zu kaufen? Kritik...

DWN
Finanzen
Finanzen Ernährungsindustrie warnt: Iran-Krieg könnte Lebensmittelpreise erhöhen
04.03.2026

Die Folgen des Iran-Kriegs sind für Verbraucher in Deutschland zu spüren - etwa beim Tanken. Ist mit weiteren Auswirkungen zu rechnen?

DWN
Politik
Politik Wirtschaftsministerin Reiche: keine Spritpreisbremse - Öl und Gas nicht knapp
04.03.2026

Der Iran-Krieg lässt Öl-, Benzin- und Gaspreise steigen - doch Energiemangel droht in Deutschland nach Angaben der Wirtschaftsministerin...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsenturbulenzen: Wie Anleger klug reagieren – 5 konkrete Tipps für einen Börsencrash
04.03.2026

Sinkende Kurse, rote Zahlen im Depot und ständig neue Marktmeldungen: In unsicheren Börsenzeiten verlieren viele Anleger schnell die...