Unternehmen

US-Start-up will Northvolt mit Lithium-Schwefel-Batterien wiederbeleben

Das US-Start-up Lyten will mit Lithium-Schwefel-Batterien Northvolt neues Leben einhauchen – und Europa eine zweite Chance im globalen Batteriewettrennen geben. Doch Branchenexperten zweifeln, ob die Technologie rechtzeitig marktreif wird.
26.08.2025 13:03
Lesezeit: 2 min

Übernahme der Northvolt-Werke

Das kalifornische Start-up Lyten setzt auf die Technologie der Lithium-Schwefel-Batterien. Doch in der Branche herrscht Skepsis, ob diese bis 2028, wenn die Produktion starten soll, marktreif sein wird.

Lyten hat mit der Übernahme der Vermögenswerte des schwedischen Batterieherstellers Northvolt für Aufsehen gesorgt und neue Hoffnung für die europäische Batteriefertigung geweckt. Der Weg zum Erfolg bleibt jedoch steinig – zumal zahlreiche Autohersteller und Investoren Northvolts Zusammenbruch aus nächster Nähe miterlebt haben, berichtet Reuters.

Northvolt hatte im November vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet. Lyten übernahm Anfang Juli dessen europäische Speicherfabrik im polnischen Danzig, die kalifornische Cuberg-Fabrik sowie Rechte an Northvolts Energiespeicherlösungen, darunter das Voltpack Mobile System, und an in Entwicklung befindlichen Batteriespeichern.

Das US-Unternehmen konnte mehr als 180 Millionen Euro frisches Eigenkapital einwerben und erhöhte die Gesamtsumme seiner Investitionen auf 600 Millionen Euro. Mit diesem Kapital will Lyten seine Expansionsstrategie in den USA und Europa vorantreiben. In Danzig kündigte das Unternehmen den sofortigen Produktionsstart von Batteriespeichersystemen (BESS) an – darunter erstmals Speicherlösungen mit Lithium-Schwefel-Chemie.

Von Pilotprojekten zur Serienfertigung

Bislang produziert Lyten nur auf Pilotbasis im Silicon Valley. Durch die Übernahme von Northvolts Fabriken und Entwicklungsressourcen will das Unternehmen nun in die Serienproduktion einsteigen.

Die Lithium-Schwefel-Batterien sollen leichter, günstiger und weniger abhängig von chinesischen Rohstoffen sein. Noch befindet sich die Technologie in der Entwicklungsphase. Lyten-CEO Dan Cook erklärte, die Übernahme könnte es ermöglichen, bis 2028 die Serienfertigung zu erreichen. Fachleute warnen jedoch, dass die Batterien im Automobilbereich vermutlich erst ab 2030 einsatzbereit sind.

Große Autobauer bleiben zurückhaltend. BMW, Volkswagen und Volvo hatten in der Vergangenheit mit Northvolt zusammengearbeitet. BMW etwa kündigte 2023 einen Vertrag im Wert von zwei Milliarden Euro wegen Qualitätsproblemen. Langfristige Verträge seien erst nach einer nachgewiesenen Stabilität der Lieferungen möglich, so der Konzern. Auch Scania und Volvo Cars planen derzeit keine neuen Zulieferverträge.

Lyten finanziert sich über private Investoren und plant zudem die Nutzung europäischer Fördermittel und Subventionen. Unterstützung erhält das Unternehmen von Stellantis, das 2023 einen Anteil von zwei Prozent erwarb und gemeinsam mit Lyten Lithium-Schwefel-Zellen testet.

Asiatische Konkurrenz setzt auf Festkörper-Technologien

Die asiatischen Wettbewerber schlafen nicht: CATL aus China und LG Energy Solution aus Südkorea investieren massiv in Batterien mit festen und halbfesten Elektrolyten. Europäische Hersteller hingegen kämpfen mit Jahren unprofitabler Produktion, die nur durch hohe staatliche Subventionen gestützt werden kann. China hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als 140 Milliarden Euro investiert, um seine Führungsrolle in der Batterietechnologie zu sichern.

Die deutsche Autoindustrie ist stark von Batteriezellenimporten aus Asien abhängig. Sollte die Technologie der Lithium-Schwefel-Batterien marktreif werden, könnten deutsche Hersteller wie BMW oder Volkswagen unabhängiger von chinesischen Lieferketten werden. Gleichzeitig zeigt die Skepsis der Konzerne, dass Vertrauen nur durch zuverlässige Qualität und stabile Produktion gewonnen werden kann.

Lyten will Northvolts Erbe antreten und mit Lithium-Schwefel-Batterien eine europäische Antwort auf die asiatische Dominanz liefern. Doch die Technologie ist riskant, die Skepsis groß, und die Zeit drängt. Europa steht vor der Frage, ob es im globalen Batterierennen nur Zuschauer bleibt – oder mit riskanten, aber potenziell revolutionären Technologien wie der Lithium-Schwefel-Chemie noch einmal aufschließen kann.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Immobilienmakler für Kitzbühel – Hotel und Gewerbeimmobilien verkaufen mit Experten

Der Verkauf von Hotels und Gewerbeimmobilien in Kitzbühel stellt besondere Anforderungen an Eigentümer und Makler. Ein erfahrener...

 

DWN
Unternehmen
Unternehmen Eli Lilly-Aktie: Neues Supermedikament gegen Adipositas
20.08.2026

Eli Lilly dürfte bald ein neues Supermedikament gegen Adipositas auf den Markt bringen. "Eine solche Gewichtsreduktion hat man noch nie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bankrun in Russland: Warum Bürger ihre Konten leeren
20.08.2026

Ein Bankrun in Russland ist für den Kreml ein Warnsignal. Viele Bürger heben panikartig ihr Bargeld ab. Ökonomen warnen zugleich vor...

DWN
Unternehmen
Unternehmen MG4 Urban im Test: Fast "Das Auto", nur aus China
20.08.2026

Als SAIC Motor das Modell MG4 vorstellte, wurde es sofort zu einem der begehrtesten in China gebauten Elektroautos. Autojournalisten...

DWN
Finanzen
Finanzen Euro-Stablecoins: Wie Europa die Kontrolle über seine Währung verlieren könnte
20.08.2026

Der Euro ist die zweitwichtigste Währung der Welt, doch in der digitalen Finanzwelt spielt er bislang kaum eine Rolle. Während nahezu...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Gewinnmitnahmen nach Zweimonatshoch
20.08.2026

Der Goldpreis hat binnen kurzer Zeit deutlich an Wert gewonnen, doch am Donnerstag legt das gelbe Edelmetall eine Verschnaufpause ein....

DWN
Finanzen
Finanzen JD Sports-Aktie stürzt ab: Gewinnwarnung und Filialabbau belasten – Branche leidet mit
20.08.2026

JD Sports senkt sein Gewinnziel und enttäuscht vor allem in Nordamerika. Gleichzeitig verschwinden immer mehr deutsche Filialen. Der...

DWN
Technologie
Technologie Weltmarkt für E-Lkw wächst rasant – Infrastruktur bleibt Engpass
20.08.2026

Eine halbe Million verkaufte E-Lkw und E-Busse markieren einen neuen Meilenstein für die Verkehrswende. Während China den Weltmarkt...

DWN
Finanzen
Finanzen Criteo-Aktie: Übernahmewette für Mutige oder unkalkulierbares Risiko?
20.08.2026

Die Criteo-Aktie führt vor Augen, welche Chancen Sondersituationen für Anleger bieten können. Doch gerade bei vermeintlich klaren Deals...