Finanzen

Kapitalfonds erhöhen Druck im Machtkampf um die Bavarian Nordic-Aktie

Der Machtkampf um die Bavarian Nordic-Aktie eskaliert: Vorstand und Fonds drängen auf Annahme des Übernahmeangebots, während Großinvestoren Widerstand leisten. Wird Bavarian Nordic von der Börse verschwinden – oder bleibt der Plan der Fonds stecken?
01.09.2025 14:00
Lesezeit: 2 min
Kapitalfonds erhöhen Druck im Machtkampf um die Bavarian Nordic-Aktie
Bavarian Nordic-Aktie: Verkaufen Anleger zu billig an Permira und Nordic Capital? (Foto: dpa) Foto: Fernando Gutierrez-Juarez

Fonds brechen ihr Schweigen über Bavarian Nordic-Aktie

Die Bavarian Nordic-Aktie steht im Zentrum eines erbitterten Machtkampfs. Nachdem die Kapitalfonds Permira und Nordic Capital ein offizielles Übernahmeangebot abgegeben haben, spaltet sich die Anlegergemeinschaft: Während Vorstand und Management die Offerte über rund 33 US-Dollar pro Aktie empfehlen, verlangen viele Investoren einen höheren Preis. Bisher stand Bavarian Nordic allein unter Beschuss, während die Fonds öffentlich geschwiegen hatten. Nun durchbrechen sie diese Stille. In einem ersten Interview seit Veröffentlichung des Angebotsdokuments äußerten sich Christian Hedegaard, Managing Director von Nordic Capital in Dänemark, und Florian Kreuzer, Managing Director von Permira. Beide betonen, dass das Angebot „voll und fair“ sei und sich deutlich über dem gewichteten Sechs-Monats-Durchschnittskurs bewege. Anleger erhielten damit eine Kursprämie von 37,4 Prozent.

Doch viele Aktionäre sehen das anders: Sie argumentieren, dass die Aktie an der Börse derzeit bereits über diesem Niveau gehandelt wird und ein Verkauf an die Fonds somit keinen Vorteil biete. „Auch wenn einige enttäuscht sein mögen, sollten sie sich die Zeit nehmen, die Vorteile des Angebots sorgfältig zu prüfen“, so Kreuzer.

Streit um Preis und Einfluss

Das ursprüngliche Angebot im Juli sah eine Annahmequote von mindestens 90 Prozent vor, um die Firma von der Börse zu nehmen. Inzwischen senkten die Fonds diese Schwelle auf 75 Prozent, um mehr Flexibilität zu gewinnen. Damit könnte die Bavarian Nordic-Aktie theoretisch börsennotiert bleiben, selbst wenn die Übernahme gelingt.

Kritiker wie die dänische Aktionärsvereinigung zeigen sich dennoch überrascht, dass Vorstand und Aufsichtsrat den Fonds weiterhin den Rücken stärken. Besonders auffällig: Der größte Einzelaktionär ATP, mit über zehn Prozent Beteiligung, lehnt das Angebot entschieden ab. Beobachter gehen dennoch davon aus, dass die Fonds letztlich eine vollständige Dekotierung anstreben – nur so könnten ihre Expansionspläne ohne störende Minderheitsaktionäre umgesetzt werden.

Wachstum durch Akquisitionen

Was planen Permira und Nordic Capital konkret mit Bavarian Nordic? Beide Fonds kündigen an, die Akquisitionsstrategie des Unternehmens zu beschleunigen und erheblich in organisches Wachstum zu investieren. Schon in den letzten Jahren hatte Bavarian Milliarden in Impfstoff-Übernahmen gesteckt, unter anderem gegen Tollwut, Typhus und Cholera. Nun wollen die Investoren das Unternehmen zu einem international führenden Impfstoffhersteller ausbauen. „Wir sind bereit, Zukäufe in ähnlicher oder größerer Größenordnung wie bisher durchzuführen, um die Firma breiter aufzustellen“, so Kreuzer. Hedegaard ergänzt: „Wir wollen Bavarian Nordic in eine größere und diversifiziertere Gesellschaft transformieren, die von Skaleneffekten profitiert.“

Damit versprechen die Fonds eine neue Wachstumsphase für die Bavarian Nordic-Aktie. Frühere Kapitalerhöhungen und gescheiterte klinische Studien hatten das Vertrauen der Anleger mehrfach belastet. Nun soll frisches Kapital von Permira und Nordic Capital als Motor für den nächsten Expansionsschub dienen.

Die Übernahmeschlacht um die Bavarian Nordic-Aktie verdeutlicht die Fronten zwischen Großaktionären, Fonds und Management. Während die Fonds ihr Angebot als fair darstellen, wittern viele Investoren Unterbewertung. Sollte die Transaktion scheitern, könnte das Papier kurzfristig volatil bleiben. Gelingt der Deal jedoch, dürfte Bavarian Nordic vor einer tiefgreifenden Umgestaltung stehen – mit Permira und Nordic Capital als treibenden Kräften.

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