Unternehmen

Russlands Kriegswirtschaft: Unternehmer übergibt Frachtfluggesellschaft an den Staat

Noch bevor die Luftfrachtgesellschaft Volga-Dnepr offiziell verstaatlicht wird, übergibt Firmengründer Alexej Isajkin das Unternehmen eigenhändig an den Staat. Besonders die Transportflugzeuge An-124 „Ruslan“ wecken das Interesse des russischen Verteidigungsministeriums. Seit Beginn des Krieges steht Volga-Dnepr unter westlichen Sanktionen.
04.09.2025 06:03
Lesezeit: 2 min

Kriegswirtschaft dominiert Russlands Wirtschaft: Luftfahrt im Zwangsumbau

Isajkin erklärte pathetisch: „Wenn das Vaterland sagt, dass das Unternehmen ihm dienen soll, dann wird es so sein.“ Hinter den Kulissen heißt es jedoch, der Unternehmer wolle einer Klage der Generalstaatsanwaltschaft auf Zwangskonfiszierung zuvorkommen – in der Hoffnung, über einen kommerziellen Deal noch Einfluss zu behalten.

Mit der Übernahme gehen sämtliche Vermögenswerte an den Staat über: drei Schwerlasttransporter vom Typ An-124 „Ruslan“, fünf Il-76 sowie dringend benötigte Ersatzteile. Zudem gehören zur Volga-Dnepr-Gruppe auch 14 Boeing-Flugzeuge der Tochtergesellschaft AirBridgeCargo. Experten zufolge ist 2025 bereits ein Rekordjahr der Nationalisierung in Russland seit Beginn des Ukraine-Krieges: Der Staat hat fast 550 Privatunternehmen übernommen, berichtet svoboda.org.

Sanktionen und Konkurrenz aus China verschärfen die Krise

Volga-Dnepr ist nicht das erste Unternehmen der Luftfahrtbranche, das ins Visier des Kremls gerät, so das Wirtschaftsportal Verslo Zinios. Mitte Juni wurden der russischen Regierung 100 Prozent der Anteile an DME Holding, Eigentümerin der Infrastruktur des Flughafens Domodedowo, zugesprochen. Den früheren Eigentümern wurde vorgeworfen, strategische Interessen verletzt und Verbindungen ins Ausland unterhalten zu haben.

Seit Beginn des Krieges steht Volga-Dnepr unter westlichen Sanktionen und hat die Möglichkeit verloren, Fracht außerhalb Russlands zu transportieren. Im Winter 2025 durchsuchten Ermittler die Firmenbüros, und der ehemalige Miteigentümer Sergej Schklianik wurde vom Ermittlungskomitee vorgeladen – offiziell wegen einer „Überprüfung der wirtschaftlichen Lage“.

Isajkin räumt offen ein, dass Durchsuchungen, die Vorladung seines Ex-Partners, der Einbruch im Luftfrachtgeschäft sowie die angespannte Finanzlage den Ausschlag für die freiwillige Übergabe gaben. Der Wettbewerb mit chinesischen Fluggesellschaften hat die russischen Frachtraten unter Druck gesetzt: Im ersten Halbjahr 2025 sank das Transportvolumen um sieben Prozent auf 202.000 Tonnen.

Die USA, Kanada, Großbritannien und die EU belegen Volga-Dnepr mit Sanktionen, weshalb sich das Unternehmen in einer „systemischen Krise“ befinde, schreibt kommersant.ru. Fachleute gehen davon aus, dass vor allem die An-124 „Ruslan“ für das Verteidigungsministerium interessant sind, da sie sich hervorragend für den Transport militärischer Ausrüstung eignen.

Die Il-76 könnten hingegen für zivile Frachtgesellschaften interessant sein, die Transporte nach China, in die Vereinigten Arabischen Emirate oder in andere „freundliche“ Staaten Russlands durchführen. Auch regionale Regierungen könnten Interesse zeigen.

Aeroflot schielt auf Boeing für Ersatzteile

Die staatliche Fluggesellschaft Aeroflot wiederum dürfte ein Auge auf die Boeing 737-800 von AirBridgeCargo werfen, um ihre Billigtochter Pobeda mit dringend benötigten Ersatzteilen zu versorgen. „Es gibt einiges zu holen“, resümiert Isajkin. Beobachter gehen davon aus, dass Russland das Unternehmen bis Ende des Jahres vollständig übernehmen wird.

Die erzwungene Übergabe von Volga-Dnepr zeigt, wie stark Russlands Wirtschaft von politischem Druck, Sanktionen und militärischen Interessen geprägt ist. Während der Kreml die Kontrolle über strategische Unternehmen ausweitet, leidet der zivile Luftfrachtsektor unter schrumpfender Nachfrage, internationaler Isolation und wachsendem Wettbewerb aus China. Die Nationalisierungswelle verdeutlicht, dass Russlands Wirtschaft zunehmend in Richtung Kriegswirtschaft gedrängt wird – ein Prozess, der die Abhängigkeit von staatlichen Strukturen weiter verstärkt.

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