Finanzen

Goldman Sachs: Europas Aktienmarkt wird die USA überholen

Nach Jahren der US-Dominanz kommt die Trendwende: Goldman Sachs sieht europäische Aktien vor einem kräftigen Aufschwung. Banken, Rüstungs- und Infrastrukturwerte könnten die Gewinner sein – und auch deutsche Anleger profitieren, wenn sich Kapitalströme von der Wall Street nach Europa verlagern.
07.09.2025 15:55
Lesezeit: 2 min
Goldman Sachs: Europas Aktienmarkt wird die USA überholen
Goldman Sachs ist der Meinung: Europäische Aktien überholen die USA. (Foto: dpa) Foto: Justin Lane

Europas Börsen im Aufwind

Europäische Unternehmen werden vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren, was den Aktienkursen einen kräftigen Impuls geben dürfte – so die Experten der Bank Goldman Sachs.

Der Jahresauftakt gehörte den europäischen Aktien, doch ab Juni setzten sich die amerikanischen stärker durch. Nach acht Monaten im Jahr 2025 liegt der Stoxx Europe mit 9,1 Prozent im Plus, während der S&P 500 um 9,8 Prozent zulegte. Nach Einschätzung des US-Investmenthauses Goldman Sachs wird sich das Blatt jedoch erneut wenden. Europäische Unternehmen dürften vom für 2026–27 erwarteten Konjunkturaufschwung profitieren.

Unter den Gewinnern sehen die Analysten vor allem Banken, Telekomkonzerne sowie Technologie- und Handelsunternehmen. „Bei den Banken ist weiterhin Wachstumspotenzial erkennbar, bei zugleich attraktiver Bewertung, auch wenn der Sektor seit Jahresbeginn bereits eine Rendite von 50 Prozent verzeichnete. Vorteilhaft sind die gezahlten Dividenden sowie laufende Aktienrückkaufprogramme“, betonen die Analysten von Goldman Sachs.

Aktienmärkte: Infrastruktur und Verteidigung als Wachstumstreiber

Die Experten bewerten zudem Unternehmen positiv, deren Zukunft direkt mit steigenden öffentlichen Ausgaben verbunden ist – darunter auch für Verteidigung. „Neben Telekommunikation und Rüstungsindustrie präsentieren sich Bauwirtschaft, Schienenverkehr und erneuerbare Energien attraktiv. Unternehmen, die im weitesten Sinne mit Infrastruktur verbunden sind, haben gute Chancen auf dynamisches Wachstum, da in den kommenden Jahren intensive Modernisierung und Ausbau erforderlich sein werden“, unterstreichen die Analysten.

Zudem verweisen sie darauf, dass nicht nur die größten Konzerne profitieren werden. Auch im Segment der kleinen und mittleren Unternehmen sollte das Wachstum sichtbar werden. Kurzfristig allerdings könnten die von den USA verhängten Zölle die europäische Wirtschaft belasten – etwa bei Autoherstellern oder Chemiekonzernen.

Ein wichtiger Treiber für die europäischen Aktienmärkte dürfte die erwartete Diversifizierung der Portfolios institutioneller Investoren sein, die bislang überwiegend in den USA engagiert waren und in den kommenden Quartalen verstärkt nach Chancen außerhalb der Vereinigten Staaten suchen. „Man darf die anhaltende Schwäche des Dollar und die starke Konzentration der Investitionen auf US-Technologiegiganten nicht übersehen“, ergänzen die Analysten von Goldman Sachs. Sie prognostizieren, dass der Stoxx Europe 600 im kommenden Jahr um acht Prozent steigen könnte (einschließlich Dividenden), was einen Anstieg auf 580 Punkte bedeuten würde. Gleichzeitig erwarten sie für das nächste Jahr ein Gewinnwachstum je Aktie europäischer Unternehmen von vier Prozent – nach einer Nullentwicklung in diesem Jahr.

US-Zölle, schwacher Dollar, starker Aufschwung: Europas Aktien im Vorteil

Für deutsche Investoren ist die Einschätzung von Goldman Sachs von besonderer Relevanz. Deutschland zählt zu den größten Kapitalmärkten Europas, und DAX-notierte Unternehmen sind eng in die europäische Konjunktur eingebunden. Sollte sich die Prognose bewahrheiten, könnten deutsche Banken, Industrie- und Technologiewerte besonders profitieren. Für institutionelle Anleger in Deutschland bedeutet dies: Umschichtungen internationaler Kapitalströme zugunsten Europas könnten den heimischen Markt stützen. Zugleich würde eine Schwächung des US-Dollars die Attraktivität europäischer Aktien zusätzlich erhöhen.

Goldman Sachs sieht europäische Aktien klar im Vorteil. Nach Jahren, in denen die US-Märkte dominierten, könnte sich die Dynamik drehen – mit Banken, Infrastruktur- und Rüstungsfirmen sowie kleinen und mittleren Unternehmen als Gewinnern. Für deutsche Anleger eröffnet sich damit die Chance, von einer breiten Erholung in Europa zu profitieren. Die Wende könnte bereits 2026 sichtbar werden.

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