Finanzen

VW-Aktie: Volkswagens Namenschaos – Rettung oder letzter Trick im Poker um Elektroautos?

Volkswagen verabschiedet sich vom bisherigen Namensschema seiner Modellreihen. Künftig sollen neue Elektroautos klassische Modellbezeichnungen tragen, ergänzt um die Kennung „ID“. Ziel sei es laut Unternehmensführung, „die Verwirrung bei den Kunden zu verringern“.
09.09.2025 05:51
Lesezeit: 3 min

Alte Namen, neue Strategie: Volkswagen setzt auf Identitätsschub für die VW-Aktie

In den vergangenen Monaten ist Volkswagen, vor allem dank einer aggressiven Preispolitik, zum führenden Anbieter von Elektrofahrzeugen auf dem europäischen Markt aufgestiegen. Die Modelle ID.3, ID.4 und ID.7 zählen zu den fünf meistverkauften Elektroautos in Europa, ihre Gesamtverkäufe überstiegen 130.000 Fahrzeuge. Dennoch zeigt sich, dass man in Wolfsburg mit den Ergebnissen noch nicht zufrieden ist – die neue Strategie zur Benennung deutet auf eine weitere Offensive hin. Das berichtet das Wirtschaftsportal Finance.si.

Statt der bisherigen Zahlenreihen setzt Volkswagen nun auf vertraute Namen, die mit dem Kürzel ID versehen werden. Den Auftakt bildet im kommenden Jahr ein Modell auf Basis des Konzepts ID.2all, das in Serie als ID.polo erscheinen wird.

VW-Markenchef Thomas Schäfer: „ID.polo ist erst der Anfang“

„Die Namen unserer Modelle sind fest im Bewusstsein der Menschen verankert. Sie stehen für eine starke Marke und verkörpern Eigenschaften wie Qualität, zeitloses Design und Technologie für jedermann. Deshalb übertragen wir die Namen unserer bekannten Modelle in die Zukunft. ID.polo ist erst der Anfang“, erklärte Markenchef Thomas Schäfer bei der Vorstellung der Strategie. Das Unternehmen betont zugleich, dass die neue Namensgebung nicht das Ende der konventionell angetriebenen Fahrzeuge bedeute. Vielmehr wolle man „den Kunden die Orientierung im künftigen Produktportfolio erleichtern“. Der ID.polo wird in den kommenden Tagen auf der Automesse in München präsentiert, inklusive einer GTI-Variante. Dies deutet darauf hin, dass die bisherige Sportbezeichnung GTX für Elektroautos ausläuft.

Parallel stellt Volkswagen in München auch die Studie eines kompakten Elektro-Crossovers vor – den ID.cross. Dieses Modell, dessen Preise bei etwa 25.000 Euro beginnen sollen, ist als elektrisches Gegenstück zum T-Cross gedacht und dürfte 2027 in Serie gehen. Erwartet wird, dass er unter dem Namen ID.t-cross auf den Markt kommt und mit Modellen wie dem Renault 4, Ford Puma Gen-E oder Fiat Panda konkurrieren wird. Die Strategie von Volkswagen, Modelllinien zu verschlanken und elektrische Varianten mit etablierten Namen zu versehen, ist kein Einzelfall. Auch Mercedes-Benz kündigte kürzlich an, die EQ-Reihe einzustellen. Angesichts schwacher Verkaufszahlen sollen Modelle wie EQE und EQE SUV verschwinden. Künftig tragen die Elektroautos die gleichen Namen wie ihre Verbrenner-Pendants – etwa C-Klasse, E-Klasse oder GLC.

VW-Aktie: Das sagen die Analysten zur Stärkung der Markenidentität

Für Anleger bedeutet diese Neuausrichtung, dass die VW-Aktie stark von der Wahrnehmung der Elektromobilitätsstrategie abhängt. Mit der klareren Namensgebung erhofft sich Volkswagen eine Stärkung der Markenidentität, die sich auch positiv auf die Nachfrage auswirken dürfte. Branchenexperten sehen darin eine gezielte Maßnahme, um die VW-Aktie attraktiver zu machen. Sollte die neue Modellpolitik in Europa und weltweit greifen, könnte dies die Absatzchancen verbessern und den Kurs der VW-Aktie stabilisieren. Die Präsentationen in München gelten daher auch als Stimmungsbarometer für die Zukunft der VW-Aktie.

Aus Kreisen der Aktienexperten reagierte noch niemand auf die neue Namensstrategie von VW. Vermutlich liegt das auch daran, dass eine Namensstrategie noch keine neue Umsatzstrategie ist. Für die Kunden bietet dies sicherlich mehr Orientierung, doch ob die Autoverkäufe dadurch signifikant steigen, bleibt fraglich. Die Analysteneinstufungen für die VW-Aktie bleiben deshalb weiter gemischt. Insgesamt spiegeln die Bewertungen die derzeitige Unsicherheit im Automobilsektor wider, während Chancen durch Effizienzmaßnahmen und strukturelle Fortschritte weiterhin im Fokus stehen.

Am 21. August hob die kanadische Bank RBC ihr Kursziel von 111 auf 117 Euro an und beließ die Einstufung auf „Sector Perform“. Analyst Tom Narayan verwies dabei auf eine durchwachsene Lage europäischer Hersteller, während er US-Zulieferern positiver gegenübersteht. Zuvor, am 08. August, hatte Berenberg das Kursziel von 122 auf 112 Euro gesenkt, jedoch die Kaufempfehlung beibehalten. Romain Gourvil betonte, dass Volkswagen mit Kostensenkungen und effizienterer Produktion auf die Branchenherausforderungen reagiere. Jefferies zeigte sich am 04. August optimistischer und bestätigte ein „Buy“-Rating mit Kursziel 125 Euro. Analyst Philippe Houchois verwies zwar auf anhaltende Geduld der Anleger, hob jedoch die strukturellen Fortschritte in den Kernmärkten hervor. Bereits am 25. Juli hatte die UBS ihr Kursziel von 92 auf 100 Euro angehoben, die Einstufung jedoch neutral belassen. Patrick Hummel verwies dabei auf die Belastung durch US-Zölle sowie auf die Gewinnwarnung der Tochter Traton.

Damit ergibt sich ein differenziertes Gesamtbild: Während Jefferies und Berenberg Kaufargumente sehen, bleiben UBS und RBC verhaltener. Die VW-Aktie steht somit weiterhin zwischen Kostenanpassungen, geopolitischen Risiken und strukturellen Chancen.

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