Finanzen

Wölfe der Wall Street: US-Börsen zwischen Rekorden und Unsicherheiten – steigt der Goldpreis auf 5.000 Dollar?

Die US-Börsen schwanken zwischen Euphorie und Risiko: Rekorde bei S&P 500 und Nasdaq treffen auf Sorgen um Fed-Unabhängigkeit und US-Schulden. Der Goldpreis könnte auf 5.000 Dollar steigen, während KI-Aktien die Kurse treiben. Was bedeutet das für Anleger in Europa?
08.09.2025 14:57
Lesezeit: 3 min
Wölfe der Wall Street: US-Börsen zwischen Rekorden und Unsicherheiten – steigt der Goldpreis auf 5.000 Dollar?
Die hohe Volatilität an den US-Börsen hat Auswirkungen auf den Goldpreis. (Foto: dpa) Foto: Sven Hoppe

Arbeitsmarktdaten bremsen Rekordjagd an den US-Börsen

Ende letzter Woche erreichte der S&P 500 einen neuen Rekord, und manch einer dachte bereits, dass der September seinem Ruf als schwächster Monat des Jahres nicht gerecht werden würde. Doch am Freitag folgte der Rückschlag: Der Bericht zur US-Arbeitslosigkeit ließ die Aktienmärkte ins Minus drehen. Die Daten zeigten, dass die Beschäftigung stagniert – die Zahl neuer Stellen wächst kaum, während die Arbeitslosenquote auf den höchsten Stand seit 2021 stieg.

Es zeigt sich eine Kluft zwischen der Realität der Haushalte und der Erwartungshaltung der Investoren. Trotz unsicherer makroökonomischer und politischer Lage setzen Anleger weiter auf steigende Kurse an den US-Börsen. Eine Zinssenkung der US-Notenbank könnte zwar verschuldeten Haushalten helfen, den größten Effekt hätten aber die Finanzmärkte und Investoren. „Investoren werden dafür bezahlt, geopolitische Risiken zu ignorieren, sie werden dafür bezahlt, alle wirtschaftlichen Risiken zu ignorieren“, erklärte Peter Atwater, Professor am College of William & Mary, berichtet das slowenische Wirtschaftsportal Casnik Finance. „Diejenigen an der Spitze haben kein Gespür für die zunehmende Verzweiflung an der Basis.“

Der S&P 500 legte seit Jahresbeginn um 10 Prozent zu. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (P/E) liegt laut LSEG-Daten bei 22,4 – deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 15,9.

Fed-Unabhängigkeit, Trump und Goldpreis

Zugleich rückt die Frage der Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed ins Zentrum. Präsident Donald Trump übt Druck aus und nannte als mögliche Nachfolger von Jerome Powell Kevin Hasset (ehemaliger Wirtschaftsberater des Weißen Hauses), Christopher Waller (Fed-Gouverneur) und Kevin Warsh (ehemaliger Fed-Gouverneur).

Am 16. und 17. September tagt die Fed. Märkte warten gespannt auf die Zinsentscheidung, nachdem Powell im August Zinssenkungen in Aussicht stellte.

Die wöchentliche Entwicklung der Indizes:

  • SBI TOP: +2,75 %
  • S&P 500: +0,32 %
  • Nasdaq: +1,12 %
  • Dow Jones: -0,33 %
  • MSCI World: -2,1 %
  • Eurostoxx 600: -0,23 %
  • Gold (Unze): +4,0 % (3.586 USD)
  • Bitcoin: +0,86 % (110.194 USD)

Starinvestor Ray Dalio warnte in der Financial Times, dass sich die USA unter Trump politisch in Richtung der 1930er-Jahre bewegten. Investoren seien zu eingeschüchtert, um offen Kritik zu äußern. Dalio bezeichnete Trumps Eingriffe in die Privatwirtschaft – etwa den Erwerb eines Zehn-Prozent-Anteils an Intel – als „autoritäre Machtausübung“. Die Kombination aus hohen Haushaltsdefiziten und wachsender Verschuldung bringe die US-Wirtschaft an den Rand einer Schuldenkrise. „Die massive Ausgabenpolitik dürfte in naher Zukunft zu einem Schuldeninfarkt führen – in drei Jahren, vielleicht schon in ein bis zwei Jahren“, so Dalio.

Auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing warnte: Die Verkaufswelle bei US-Staatsanleihen sei kein Strohfeuer, sondern Ausdruck von Unsicherheit und wachsender Verschuldung. Diskussionen über die Fed-Unabhängigkeit verunsicherten die Kapitalmärkte zusätzlich. Goldman Sachs sieht in Gold einen sicheren Hafen: Sollte Trump die Fed-Unabhängigkeit untergraben, könnte der Goldpreis laut Analysten auf bis zu 5.000 US-Dollar steigen. Dies würde den Dollar als Weltreservewährung schwächen. Schon der Verkauf von nur einem Prozent der von Privatinvestoren gehaltenen US-Staatsanleihen könnte Kapital in Gold umlenken. Seit Jahresbeginn legte der Goldpreis um ein Drittel zu – auch wegen Trumps Forderung, Fed-Gouverneurin Lisa Cook zu entlassen.

Optimistische Stimmen für die US-Börsen

Morgan-Stanley-Stratege Mike Wilson sieht weiter Potenzial für US-Aktien. Die erwarteten Zinssenkungen der Fed und solide Unternehmensgewinne bildeten die Basis. Besonders kleinere Unternehmen, die 2024 schwächer abschnitten, hätten Nachholpotenzial. „Wir kaufen Rücksetzer, auch wenn die kommende Berichtssaison schwach ausfallen könnte“, so Wilson.

Noch optimistischer zeigt sich Evercore ISI: Die Strategen erwarten, dass die US-Börsen durch den KI-Boom bis Ende 2026 um fast 20 Prozent steigen könnten. Für den S&P 500 setzen sie ein Kursziel von 7.750 Punkten. KI sei „größer als das Internet“ und werde in drei Jahren alle Branchen durchdringen. Zwar liegt das Evercore-Ziel für Ende 2025 bei 6.250 Punkten – knapp unter dem aktuellen Niveau –, doch langfristig rechnen die Analysten mit einer massiven Neubewertung der Märkte durch künstliche Intelligenz.

KI-Aktien vs. Schuldenkrise

Für deutsche Investoren bleibt die Entwicklung an den US-Börsen entscheidend. Einerseits treiben Zinspolitik und KI-Boom die Kurse in den USA. Andererseits drohen politische Eingriffe unter Trump, die Unabhängigkeit der Fed und die Rolle des US-Dollar zu schwächen. Für deutsche Anleger bedeutet das: Höhere Volatilität an den US-Börsen kann unmittelbare Auswirkungen auf DAX-Werte, Anleihen und den Goldpreis haben. Strategien zur Diversifizierung werden dadurch noch wichtiger.

Die US-Börsen bewegen sich zwischen Rekorden und Risiken. Zinssenkungen und die KI-Euphorie sprechen für steigende Kurse, während Unsicherheit über die Fed-Unabhängigkeit und die US-Schuldenkrise schwer wiegen. Gold wird zunehmend zur Absicherung. Für Anleger in Deutschland und Europa gilt: Die US-Börsen bleiben Taktgeber der globalen Finanzmärkte – mit Chancen, aber auch erheblichen Gefahren.

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