Unternehmen

EU-Kommission ermittelt gegen deutschen Softwarekonzern SAP

Die EU-Kommission hat SAP ins Visier genommen: Brüssel prüft, ob der deutsche Softwarekonzern seine Kunden und Konkurrenten benachteiligt. Besonders bei Wartungs- und Supportleistungen könnte SAP den Wettbewerb verzerren und ungewollte Kosten für Kunden erzeugen. Der Konzern betont, alle Regeln einzuhalten, doch die Brüsseler Behörde startet nun eine tiefgehende Untersuchung, die Strafen nach sich ziehen könnte. Für Deutschlands wertvollstes Unternehmen geht es um viel, denn die Software ist in unzähligen Büros unverzichtbar – vom Urlaubstag bis zur Reisekostenabrechnung.
25.09.2025 13:27
Lesezeit: 2 min

SAP: Brüssel prüft wettbewerbswidrige Praktiken

Das wertvollste Unternehmen Deutschlands im Visier der EU-Kommission: Die Brüsseler Behörde eröffnet ein Verfahren gegen SAP. Dem Konzern könnten Strafen drohen.

Die EU-Kommission hat Ermittlungen gegen den deutschen Softwarekonzern SAP wegen möglicher wettbewerbswidriger Praktiken gestartet. Der Konzern steht im Verdacht, den Wettbewerb bei Wartungs- und Supportdienstleistungen verzerrt zu haben, wie die Brüsseler Behörde mitteilte.

Konkret geht es demnach um die Frage, ob konkurrierende Unternehmen, die ebenfalls Wartungen für die Software des deutschen Konzerns anbieten, unzulässig benachteiligt werden.

«SAP ist der Ansicht, dass die eigenen Richtlinien und Maßnahmen vollständig mit den Wettbewerbsregeln übereinstimmen», teilte das Unternehmen mit. «Wir nehmen die Bedenken der Kommission jedoch ernst und arbeiten eng mit ihr zusammen, um eine Lösung zu erreichen. Materielle Auswirkungen auf unsere Finanzergebnisse werden nicht erwartet.»

Was die EU-Kommission prüft

In einer vorläufigen Bewertung des Falls legt die Kommission ihre wettbewerbsrechtlichen Bedenken dar. Demnach verlangt der deutsche Konzern von seinen Kunden, die Software ausschließlich von SAP warten zu lassen. Zudem müssten Kunden dieselbe Art von Wartungs- und Supportleistungen zu identischen Preisbedingungen wählen. Dies könne Kunden daran hindern, Wartungs- und Supportleistungen verschiedener Anbieter zu unterschiedlichen Preis- und Supportniveaus zu kombinieren, obwohl dies für sie günstiger wäre.

Auch wirft die EU-Kommission SAP vor, dass Kunden Wartungs- und Supportleistungen für ungenutzte Softwarelizenzen nicht kündigen können – sie müssten also für unerwünschte Leistungen weiter zahlen. Kunden, die nach einer Auszeit wieder Dienstleistungen von SAP abonnieren, müssten zudem eine Wiederaufnahmegebühr und Nachzahlungen leisten, heißt es weiter. Die Brüsseler Behörde verdächtigt das Unternehmen daher, seine Kunden auszubeuten und Drittanbieter im Wettbewerb unlauter einzuschränken.

SAP könnten Strafen drohen

Die Kommission leitet nun eine tiefgreifende Untersuchung ein, hieß es. Um die Bedenken der Kommission auszuräumen, könnte SAP verpflichtende Zusagen für Anpassungen vorlegen. Dem deutschen Unternehmen könnten ansonsten Strafen drohen.

SAP ist Deutschlands wertvollstes Unternehmen und lag in diesem Jahr zwischenzeitlich auch auf Platz eins in Europa. Der Konzern ist vor allem für seine Software zur Unternehmenssteuerung (ERP) bekannt. Diese fungiert laut Unternehmensangaben «als zentrales Nervensystem eines Unternehmens», wobei Geschäftsprozesse wie Finanzen, Personal, Fertigung, Vertrieb oder Beschaffung abgebildet werden können. Viele Menschen, die in deutschen Büros arbeiten, dürften in irgendeiner Form mit Produkten von SAP in Berührung kommen. Und sei es nur, um Urlaub zu beantragen oder Reisekosten abzurechnen.

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