Wirtschaft

Inflation steigt auf Höchststand in diesem Jahr: 2,4 Prozent

Die Teuerungsrate in Deutschland steigt weiter: Lebensmittel und Dienstleistungen sind teils deutlich teurer als vor einem Jahr. Ganz verschwinden werden die höheren Preise wohl nicht mehr.
30.09.2025 14:29
Lesezeit: 2 min

Inflationsrate erreicht neuen Jahreshöchststand

Die Teuerungsrate in Deutschland ist mit 2,4 Prozent im September auf den höchsten Stand im laufenden Jahr geklettert. Das teilte das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Zahlen mit. Im August hatte die Inflationsrate zum ersten Mal in diesem Jahr angezogen: Die Verbraucherpreise lagen um 2,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.

Höhere Preise schmälern Kaufkraft

Höhere Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft der Menschen: Sie können sich für einen Euro dann weniger leisten. Lebensmittel sind seit Monaten teils deutlich teurer als vor einem Jahr, auch für viele Dienstleistungen wie Reisen und Restaurantbesuche müssen Verbraucherinnen und Verbraucher tiefer in die Tasche greifen. Denn Anbieter schlagen höhere Lohnkosten auf ihre Preise auf.

Von August auf September des laufenden Jahres stiegen die Verbraucherpreise nach Berechnungen der Wiesbadener Statistiker insgesamt um 0,2 Prozent.

Bei der gesamten Inflationsrate erwarten führende Wirtschaftsforschungsinstitute für dieses Jahr jedoch einen vergleichsweise moderaten Wert von 2,1 Prozent.

Steigende Lebensmittelpreise

Vor allem beim täglichen Einkauf bemerken Verbraucher Preissprünge. Nach Daten aus den Bundesländern verteuerten sich im September Obst sowie Molkereiprodukte wie Butter und Milch.

Bundesweit mussten die Menschen im September für Nahrungsmittel 2,1 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Im August hatten die Lebensmittelpreise um 2,5 Prozent zugelegt.

Müssen wir uns an teurere Nahrungsmittel gewöhnen?

Einer aktuellen Analyse von EZB-Ökonomen zufolge sind die Lebensmittelpreise in Deutschland seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 um 37 Prozent gestiegen. Über den Euroraum insgesamt heißt es darin: "Die Lebensmittelpreise bleiben hartnäckig hoch – ein Drittel höher als vor der Pandemie."

Demnach liegen im Währungsraum die Preise für Rind-, Geflügel- und Schweinefleisch um mehr als 30 Prozent über dem Niveau von Ende 2019. Die Milchpreise sind seither um rund 40 Prozent gestiegen, die Butterpreise um rund 50 Prozent. Kaffee, Olivenöl, Kakao und Schokolade haben sich noch stärker verteuert.

Um beim Lebensmittelkauf zu sparen, gehen Umfragen zufolge viele Verbraucher öfter zum Discounter und achten verstärkt auf Sonderangebote. Etliche Menschen finanzieren sogar tägliche Ausgaben wie Lebensmitteleinkäufe auf Pump.

Dienstleistungen ebenfalls teurer

Das Leben in Deutschland hat sich im September auch in anderen Bereichen verteuert: Die Preise für Dienstleistungen lagen um 3,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Im Juli und August hatten die Dienstleistungspreise jeweils um 3,1 Prozent zugelegt. Deutlich teurer haben sich den Daten der Statistischen Landesämter zufolge etwa Kfz-Versicherungen sowie Tickets für Busse und Bahnen.

Preisrückgang bei Energie flacht ab

Energie war den Statistikern zufolge im September 0,7 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Im August hatten die Preise noch um 2,4 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats gelegen.

Strom und Gas deutlich teurer als vor Ukraine-Krieg

Eine gute Nachricht: Im ersten Halbjahr 2025 wurden Gas und Strom für Verbraucher in Deutschland günstiger. Die Preise sind aber deutlich höher als vor Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 und der folgenden Energiekrise.

Konkret zahlten Privathaushalte laut der Statistiker im Schnitt 12,13 Cent je Kilowattstunde Erdgas und damit 1,2 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2024. Verglichen mit dem zweiten Halbjahr 2021 waren die Preise jedoch um gut drei Viertel (77,6 Prozent) höher.

Die Kilowattstunde Strom war im ersten Halbjahr 2025 mit durchschnittlich 39,92 Cent zwar 3,1 Prozent günstiger als in der zweiten Jahreshälfte 2024. Das Preisniveau ist aber gut ein Fünftel (21,4 Prozent) höher als vor Beginn des Ukraine-Kriegs.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Median-Entgelt: Einkommen steigen, doch die Lohnlücke besteht weiter
20.07.2026

Mehr Geld auf dem Gehaltszettel, sinkende Unterschiede zwischen Frauen und Männern und deutliche regionale Abweichungen: Die aktuellen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Yuan in Afrika: Wie Peking den Kontinent an sein Finanzsystem bindet
20.07.2026

Der Dollar dominiert die Weltwirtschaft, doch in Afrika baut China längst eine alternative Zahlungsroute für den Yuan auf. Was Handel und...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie stabilisiert sich nach Rückschlag: Aufträge stützen, Analysten bleiben vorsichtiger
20.07.2026

Die Rheinmetall-Aktie ist nach einem turbulenten Juni mit leichten Gewinnen in die neue Börsenwoche gestartet. Neue Aufträge und volle...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kodano: Polnischer Optikriese nimmt Deutschland ins Visier
20.07.2026

Mehr Filialen, künstliche Intelligenz und Gespräche über gleich drei mögliche Übernahmen: Der polnische Optikkonzern Kodano wächst...

DWN
Politik
Politik Analyse: Wenn Putin verzweifelt, müssen wir seine Reaktion wirklich fürchten
20.07.2026

Der Druck auf Russland wächst militärisch und wirtschaftlich. Die Verluste an der Front sind enorm, die Wirtschaft ächzt unter dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen AliExpress: EU verhängt Rekordstrafe gegen chinesischen Online-Marktplatz
20.07.2026

Gefälschte Markenartikel, unsicheres Spielzeug und fragwürdige Kosmetik beschäftigen Europas Behörden seit Jahren. Nun setzt die EU mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Industrie trotzt der Krise: Jetzt entscheidet der Reformkurs
20.07.2026

Deutschlands Wirtschaft sendet überraschend deutliche Lebenszeichen: Industrie und Bau produzieren mehr, während die Inflation...

DWN
Finanzen
Finanzen Europa-Aktien locken mit Dividenden und günstiger Bewertung
20.07.2026

Für Investitionen in europäische Unternehmen sprechen mehrere Argumente: Die Wirtschaft kann sich angesichts der derzeit niedrigen...