Finanzen

Bitcoin-Kurs explodiert: Warum er jetzt Rekordhöhen erreicht

Der Bitcoin-Kurs hat in über Nacht einen neuen Höchststand erreicht. Mit einem Wert von 125.689 US-Dollar übertraf die größte Kryptowährung der Welt den bisherigen Rekord, der am 14. August erzielt worden war. Auch andere bedeutende digitale Währungen wie Ethereum legten deutlich zu und nähern sich ihren eigenen Höchstständen. Damit setzt sich der Trend fort, dass Kryptowährungen zunehmend an Bedeutung gewinnen, während sich traditionelle Finanzmärkte durch politische Unsicherheiten und geldpolitische Veränderungen neu ausrichten.
07.10.2025 13:37
Lesezeit: 3 min

Bitcoin-Kurs und der sogenannte „Debasement Trade“

Nach Einschätzung von Bloomberg liegt der Hauptgrund für den jüngsten Anstieg des Bitcoin-Kurses im allgemeinen Aufschwung risikoreicher Anlagen, der im Zusammenhang mit dem drohenden Shutdown der US-Regierung steht. Die politische Unsicherheit in den Vereinigten Staaten hat den US-Dollar spürbar geschwächt, was viele Anleger dazu veranlasst, Kapital in vermeintlich wertstabilere Alternativen zu verlagern. Diese Strategie wird im Marktjargon als „Debasement Trade“ bezeichnet. Gemeint ist eine Anlageform, die darauf abzielt, sich gegen eine erwartete Abwertung der Leitwährung abzusichern und dadurch Wertverluste zu vermeiden.

Der Dollar befindet sich seit mehreren Monaten im Abwärtstrend und steht kurz davor, den größten Jahresverlust der vergangenen zwei Jahrzehnte zu verzeichnen. Gleichzeitig hat auch der Goldpreis in der vergangenen Woche neue Höchststände erreicht. Nun folgt Bitcoin dieser Entwicklung. „Für viele Anleger ist Bitcoin ein Schutz vor den Risiken des eigenen politischen Systems und vor dem Dollar“, erklärte Markus van de Weyer von der Vermögensverwaltung Alpha Beta Asset Management im Gespräch mit dem Handelsblatt. Neben der Schwäche des Dollars haben auch steigende US-Aktienkurse und ein deutlicher Anstieg der Kapitalzuflüsse in Bitcoin-bezogene ETFs zur Aufwärtsbewegung beigetragen. Joshua Lim von der Kryptohandelsplattform FalconX wies gegenüber Bloomberg darauf hin, dass zahlreiche Anlageklassen, darunter Aktien, Gold und sogar Sammlerstücke wie Pokémon-Karten, derzeit historische Höchststände erreichen. Unter diesen Bedingungen sei es nicht überraschend, dass auch Bitcoin von der Abwertung des Dollars profitiere und eine wachsende Zahl von Investoren anziehe, die nach alternativen Wertanlagen suchen.

Neue Rolle der Kryptowährungen an den Finanzmärkten

Geoff Kendrick, Leiter der globalen Digital-Asset-Forschung bei Standard Chartered, betonte, dass das aktuelle Regierungs-Shutdown diesmal eine größere Bedeutung für Bitcoin habe als frühere politische Krisen in den USA. Seine Bank rechnet mit einer weiteren Aufwärtsbewegung des Kurses, solange die Unsicherheit anhält. Während des letzten Shutdowns in den Jahren 2018 und 2019 habe sich Bitcoin noch in einer anderen Phase befunden. Damals sei die Kryptowährung nicht in dem Maße parallel zu traditionellen Risikoanlagen gehandelt worden wie heute. Ein wichtiger Faktor ist nach Ansicht von Analysten die Einführung der Bitcoin-ETFs, die institutionellen Anlegern erstmals in größerem Umfang den Zugang zum Kryptomarkt ermöglicht haben. Damit hat sich die Struktur des Marktes spürbar verändert. Auch geldpolitische Entscheidungen spielen eine zentrale Rolle. Das Handelsblatt verweist darauf, dass die US-Notenbank (Fed) auf ihrer jüngsten Sitzung die Leitzinsen gesenkt hat. Eine solche Entscheidung gilt traditionell als vorteilhaft für risikoreiche Anlagen, zu denen Aktien und Kryptowährungen gleichermaßen zählen.

Saisonaler Rückenwind durch „Uptober“

Zusätzlichen Optimismus bezieht der Markt aus der saisonalen Kursentwicklung im Oktober. In der Kryptobranche hat sich für diesen Zeitraum der Begriff „Uptober“ etabliert, da der Bitcoin-Kurs in neun der vergangenen zehn Jahre im Oktober gestiegen ist. Nach Daten von Coindesk lag die durchschnittliche Rendite in diesem Monat bei rund 22 Prozent. Diese historische Tendenz trägt zur positiven Stimmung unter Anlegern bei, die den Markt derzeit prägt und den Kurs weiter stützt. Seit Jahresbeginn hat sich der Bitcoin-Kurs um mehr als 30 Prozent erhöht. In der vergangenen Woche allein verzeichnete die Kryptowährung ein Plus von fast 12 Prozent. Marktbeobachter sehen darin ein Zeichen, dass Bitcoin zunehmend als langfristige Anlagealternative wahrgenommen wird und nicht mehr nur als spekulatives Instrument für kurzfristige Gewinne.

Der neue Rekord verdeutlicht, dass Kryptowährungen zu einem festen Bestandteil der globalen Finanzlandschaft geworden sind. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und geldpolitischer Lockerungen rückt Bitcoin auch für europäische und insbesondere für deutsche Anleger stärker in den Fokus. Viele Investoren betrachten den Bitcoin-Kurs inzwischen als Indikator für das Vertrauen in alternative Wertsicherungsstrategien jenseits staatlicher Währungen. Gleichwohl bleibt die hohe Volatilität ein zentrales Risiko, das eine sorgfältige Beobachtung und klare Anlagestrategien erfordert. Für Deutschland bedeutet dies, dass sich die Diskussion um digitale Vermögenswerte zunehmend von der Nische hin zu einem relevanten Bestandteil der Finanzpolitik und Kapitalmarktanalyse entwickelt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Politik
Politik USA verschärfen Ton gegenüber Teheran: Diplomatie unter maximalem Druck
26.03.2026

Washington droht dem Iran mit einer massiven Ausweitung der Militärschläge, falls die Führung in Teheran nicht einlenkt....

DWN
Politik
Politik EU und Ungarn: Spionageverdacht erschüttert Vertrauen in Europa
26.03.2026

Misstrauen breitet sich in der Europäischen Union aus und trifft einen ihrer eigenen Mitgliedstaaten. Der Verdacht, dass Ungarn...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienmarkt in Gefahr: Investoren warnen vor Eskalation im Iran-Konflikt
25.03.2026

Die Märkte geraten ins Wanken, während geopolitische Spannungen eskalieren. Investoren befürchten nach den Drohungen eines eskalierenden...

DWN
Politik
Politik Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
25.03.2026

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Durchbruch in der Chemie: Mehr Geld und Jobgarantie für 585.000 Beschäftigte
25.03.2026

Lohnplus trotz Krise: Die rund 585.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche erhalten künftig deutlich mehr Geld. Nach...

DWN
Politik
Politik Turbo für die Verteidigung: EU plant Millionen-Spritze für Militär-Innovationen
25.03.2026

Die EU-Kommission will die militärische Schlagkraft Europas durch schnellere Innovationszyklen sichern. Ein neues Förderinstrument namens...

DWN
Politik
Politik Digitale Gewalt: Was die Regierung jetzt plant
25.03.2026

Deepfakes, Überwachung, intime Bilder – digitale Gewalt nimmt zu, und der politische Druck wächst. Die Bundesregierung arbeitet an...

DWN
Politik
Politik Recht auf Reparatur: So sparen Sie künftig Geld bei Handy, Waschmaschine & Co.
25.03.2026

Schluss mit der Wegwerf-Kultur: Das neue „Recht auf Reparatur“ soll die Lebensdauer von Haushaltsgeräten und Smartphones deutlich...