Politik

Trump zieht die Zügel an: Steht Serbien vor einer Ölkrise?

Die USA setzen Serbiens Ölindustrie unter Druck: Zahlungen mit Karten werden gestoppt, Lieferungen blockiert. Präsident Vučić warnt vor einer drohenden Ölkrise, während Kroatien als geopolitischer Gewinner das Nadelöhr zum Westen kontrolliert.
14.10.2025 11:01
Lesezeit: 3 min

Ölkrise US-Sanktionen treffen Serbiens Ölindustrie

Die USA haben Sanktionen gegen die Naftna Industrija Srbije (NIS) verhängt, die sich mehrheitlich in russischem Besitz befindet. Auffällig ist, dass an den Tankstellen keine Zahlungen mit Bankkarten mehr möglich sind.

Serbiens Präsident Aleksandar Vučić trat vor einigen Tagen mit einer außerordentlichen Ansprache an die Öffentlichkeit. Er bestätigte, dass die US-Sanktionen gegen den serbischen Ölkonzern NIS nun offiziell in Kraft getreten sind. Das Unternehmen erklärte, über ausreichende Vorräte zu verfügen, allerdings ohne anzugeben, wie lange diese reichen. Vučić zufolge sollen die Reserven nur bis zum Jahresende ausreichen. Zugleich habe Kroatien die Ölzufuhr über die Pipeline zur Raffinerie Pančevo gestoppt. Sollte keine zusätzliche Lieferung erfolgen, könne die Produktion nur bis zum 1. November fortgesetzt werden. Das sind noch zwei Wochen.

Zahlungsausfälle an den Tankstellen

Bereits am Freitag wurden an den Tankstellen der NIS sämtliche Zahlungen mit Mastercard-, Visa- und American-Express-Karten, die über US-Zahlungssysteme laufen, eingestellt. Es ist möglich, dass bald auch andere Karten nicht mehr funktionieren. Derzeit akzeptieren die Tankstellen noch Bargeldzahlungen. Nach Angaben serbischer Journalisten kam es bislang zu keinen Panikkäufen oder Warteschlangen, der Betrieb verlief weitgehend normal. Die NIS betreibt rund 300 Tankstellen in Serbien.

Die Sanktionen gehen auf eine Entscheidung der US-Regierung vom 10. Januar zurück. Sie sind Teil eines umfassenderen Sanktionspakets gegen die russische Energieindustrie, wurden jedoch erst jetzt vollständig umgesetzt. Hauptaktionär der NIS ist Gazprom Neft, eine Tochtergesellschaft des russischen Staatskonzerns Gazprom, der 50 Prozent plus eine Aktie hält. Die Republik Serbien besitzt knapp 30 Prozent. Washington fordert seit Monaten, dass die russischen Eigentumsanteile an der NIS vollständig entfernt werden. Bislang ist das nicht geschehen.

Kroatien als geopolitischer Akteur

Am selben Tag meldete sich Kroatiens Wirtschaftsminister Ante Šušnjar zu Wort und bot an, den russischen Anteil an der NIS zu übernehmen, wie der Sender N1 berichtet. Vučić antwortete sarkastisch: „Vielen Dank für das Angebot. Wir sind aber daran interessiert, das kroatische Energieunternehmen HEP zu kaufen. Und zwar zu einem deutlich höheren Preis, als jeder andere bieten würde.“

Kroatien spielt in dieser Auseinandersetzung eine zentrale Rolle. Die Firma Janaf (Jadranski Naftovodi) kontrolliert die einzige real nutzbare Transportverbindung, über die Serbien Rohöl importiert, den Weg zwischen der Adria und der Raffinerie Pančevo. Janaf bildet damit ein strategisches Nadelöhr zwischen Serbien, Russland und dem Westen. Ein Lieferstopp würde Serbien vom internationalen Rohölmarkt praktisch abschneiden.

Kroatiens Premier Andrej Plenković teilte der Europäischen Kommission vor wenigen Tagen mit, dass Janaf auch die Ölversorgung Ungarns und der Slowakei übernehmen könne. Beide Länder gelten aufgrund ihrer Energieabhängigkeit von Russland als Bremser der europäischen Sanktionspolitik gegen Moskau.

Aktuell schaltet sich nun auch Ungarn ein. Updates finden Sie bei der Live-Berichterstattung des slowenischen Wirtschaftsportals Casnik Finance.

Deutschlands energiepolitische Perspektive

Die Entwicklung in Serbien ist für Deutschland und die EU von erheblicher Bedeutung. Zum einen zeigt der Fall, wie gezielte US-Sanktionen auch europäische Nachbarn treffen, die in einem engen Energieverbund stehen. Zum anderen offenbart sich die strategische Bedeutung der kroatischen Infrastruktur, die als Korridor für Mittel- und Südosteuropa fungiert. Deutschland ist indirekt betroffen, da Engpässe in der regionalen Ölversorgung die Preise und Transportkosten in der gesamten EU beeinflussen können. Zudem verdeutlicht der Konflikt, wie stark Washington über Energiepolitik Einfluss auf den Balkan nimmt. Das ist ein geopolitisches Instrument, das Europas Autonomie weiter schwächt.

Die Ölkrise in Serbien verdeutlicht, wie eng wirtschaftliche und geopolitische Interessen verflochten sind. Während die USA mit Sanktionen Druck auf Moskau und dessen Partner ausüben, steht Serbien vor einer existenziellen Energiefrage. Riad, Moskau und Washington nutzen Ölpolitik längst als Hebel globaler Machtprojektion. Sollte der Konflikt anhalten, droht Serbien nicht nur ein wirtschaftlicher Stillstand, sondern auch eine strategische Neuorientierung: weg von Russland und hin zu westlicher Kontrolle. Für Europa bedeutet dies eine weitere Destabilisierung seiner Energieflanke auf dem Balkan.

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