Panorama

Olympia in München: Bürgerentscheid beschleunigt Bewerbungspläne

Mit dem eindeutigen Votum für eine Olympiabewerbung setzt München den DOSB unter Zugzwang. Die Stadt drängt auf ein schnelleres Vorgehen – und die nächsten Schritte stehen bereits an.
27.10.2025 14:18
Lesezeit: 3 min
Olympia in München: Bürgerentscheid beschleunigt Bewerbungspläne
Markus Söder (CSU, 4.v.l), Ministerpräsident von Bayern, jubelt zusammen mit Sportlern, Politikern und Funktionären nach der Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen zum Ergebnis des Bürgerentscheids zur Olympia-Bewerbung im Haus des Sports (Foto: dpa). Foto: Karl-Josef Hildenbrand

„Riesenschwung durch einen historischen Bürgerentscheid“

Mit dem klaren Bürgervotum im Rücken machen die Münchner Olympia-Planer Druck für eine schnellere Entscheidung bei der Kür des deutschen Sommerspiele-Kandidaten. „Ich glaube, das wird auch Eindruck hinterlassen beim DOSB“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mit Blick auf das deutliche Ja der Münchner für einen Anlauf auf die Spiele 2036, 2040 oder 2044.

„Jetzt fluten wir den DOSB mit unseren Argumenten“, kündigte der CSU-Vorsitzende intensive Gespräche mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) über die nächsten Schritte an. Der 58-Jährige sieht „Riesenschwung durch einen historischen Bürgerentscheid“. Durch die hohe Zustimmung sei Olympia in München „in höchstem Maße demokratisch legitimiert“.

Video-Schalte mit dem DOSB

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) stellte den Zeitplan des DOSB für die Auswahl des nationalen Bewerbers infrage. Es sei mit dem Verband zu klären, „wie wir jetzt weiter damit umgehen mit der Challenge innerhalb von Deutschland, ob man das wirklich ein Jahr macht oder nicht macht, das werden wir sehen“. Das Thema wolle er in dieser Woche bei einer Video-Schalte mit dem DOSB ansprechen.

Die klare Mehrheit von 66,4 Prozent für ein Olympia-Projekt und die Rekord-Beteiligung beim Münchner Bürgerentscheid werde „anderen Städten, unseren Mitbewerbern, durchaus zu denken geben“, sagte Reiter. Jörg Ammon, Präsident des Bayerischen Landessport-Verbands, mahnte: „Der deutsche Sport ist gut beraten, dieses heiße Eisen jetzt weiter zu schmieden.“

Wie sieht der aktuelle Zeitplan aus?

Eigentlich will der DOSB erst im nächsten Herbst den deutschen Kandidaten bestimmen. Neben München sind Hamburg, Berlin und die Rhein-Ruhr-Region im Rennen. Zunächst will der DOSB Ende November in den sogenannten Continuous Dialogue mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eintreten, das ist die nächste formelle Phase des Bewerbungsverfahrens.

Den weiteren Weg zur Auswahl des nationalen Bewerbers soll die DOSB-Mitgliederversammlung am 6. Dezember in Frankfurt am Main festlegen. „Wir haben einen guten, geordneten Prozess, der den Rahmenbedingungen Rechnung trägt. Damit gehen wir positiv um“, erklärte Jan Pommer, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Schwimm-Verbandes.

Wie bewertet der DOSB das Münchner Votum?

„Ich bin überzeugt, dass dieses Ergebnis auch positive Impulse für die noch anstehenden Abstimmungen in den weiteren Bewerberregionen setzen wird“, sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert. Auch der Vorstandsvorsitzende Otto Fricke machte deutlich, kurzfristig nichts am Auswahlverfahren ändern zu wollen: „Der DOSB wird an dem mit allen Beteiligten abgestimmten Weg der Entscheidungsfindung festhalten.“ Eine Vorentscheidung sieht er nicht. „Ich sehe das ganz sportlich.“ Der erste Kandidat von Vieren habe die Qualifikation geschafft, sagte Fricke im Deutschlandfunk.

Das deutsche IOC-Mitglied Michael Mronz sagte wohl auch zur Kritik an einem überlangen nationalen Auswahlprozess: „Wie im Sport gilt auch hier: Wettbewerb beflügelt und Wettbewerb führt zu den besten Ergebnissen.“

Wie planen die anderen Kandidaten?

In Berlin soll es kein Referendum geben. Hamburg und die Region Rhein-Ruhr sowie Kiel als potenzieller Austragungsort für Segelwettbewerbe planen dagegen ebenfalls Bürgerentscheide, voraussichtlich im Frühjahr 2026. „Ganz im olympischen Sinne freue ich mich auf den fairen Wettbewerb um die beste Bewerbung“, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst. Der CDU-Politiker beglückwünschte München zu „einem klaren Bekenntnis“, wies aber auch auf hohe Zustimmungswerte für Olympia in NRW hin. Der DOSB habe „Klarheit für den weiteren Prozess geschaffen“, sagte Wüst und betonte: „Im nächsten Jahr kann entschieden werden.“

Wie positionieren sich Bundesregierung und Verbände?

Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) lobte das „starke Signal“ aus München und versicherte: „Wir nehmen den Schwung jetzt mit in die anderen Bewerberregionen.“ Auch Handball-Verbandschef Andreas Michelmann, Sprecher der Spitzenverbände im DOSB, lobte die Strahlkraft des Münchner Votums, betonte aber: „Das mehrheitliche Ja in München war ein wichtiger erster Schritt, ist aber noch keine Entscheidung in Bezug auf den letztlichen deutschen Bewerber für Olympische Spiele.“ Für DSV-Vorstandsvorsitzenden Pommer ist das Resultat „ein eindrucksvoller und schöner Beweis für die Zugkraft der olympischen Idee“.

Mit welchen Argumenten will München jetzt punkten?

Ministerpräsident Söder sieht wenig überraschend das Münchner Konzept als das beste und aussichtsreichste. „Wir liegen bei den Sportstätten mit weitem Abstand vorne unter allen anderen deutschen Bewerbern. Wir können es. Wir wollen es. Wir sind auch das stärkste wirtschaftliche Land und das sicherste Land“, sagte Söder. Zudem verweisen die Bayern immer wieder darauf, dass dank des Erbes von Olympia 1972 kaum neue Sportstätten gebaut werden müssten.

Nach der erfolgreichen Münchner Bürgerbefragung hat auch Augsburg, das mit zwei Sportstätten an dem Bewerbungskonzept beteiligt ist, eine Online-Befragung der Bürger gestartet. Die Anregungen aus der Bürgerbefragung würden dann bei der weiteren Planung berücksichtigt.

Söder sieht München im internationalen Vergleich weit vor den Mitbewerbern und als Sportstadt „unter den ersten Zehn“ in der Welt. „Man stelle sich nur vor: Olympische Spiele, Paralympics und Oktoberfest – da kann man zwei Monate in Bayern komplett verbringen“, sagte Söder dem Bayerischen Rundfunk. BLSV-Chef Ammon kündigte an, nun verstärkt auch auf internationaler Ebene für Olympia in München zu werben. „Wir dürfen nicht vergessen: Der Köder, der schmecken muss, ist für die Delegierten beim IOC. Es sind nicht die deutschen Verbandsvertreter“, sagte Ammon.

Welche Chancen hat eine deutsche Bewerbung überhaupt?

Bei der Vergabe-Entscheidung im IOC muss Deutschland mit starker Konkurrenz rechnen. Indien und Katar haben sich für 2036 in Position gebracht, auch Saudi-Arabien dürfte nach der Fußball-WM 2034 Interesse an Olympia haben. In Europa könnte Madrid der stärkste Rivale einer deutschen Bewerbung sein. Noch aber ist offen, wann und nach welchem Modus künftige Spiele vergeben werden. Die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hat eine Kommission einberufen, die den aktuellen Auswahlprozess überprüfen soll.

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