Milliardenverlust drückt Porsche tief in die roten Zahlen
Porsche steckt in der schwersten Krise seit Jahren. Im dritten Quartal 2025 hat der Stuttgarter Sportwagenhersteller einen operativen Verlust von fast einer Milliarde Euro verbucht. Hauptgründe sind hohe Kosten für die strategische Neuausrichtung, schwache Verkäufe in China und neue US-Zölle. Wie das Handelsblatt berichtet, summieren sich die Belastungen auf rund 1,8 Milliarden Euro an Restrukturierungskosten. In den ersten neun Monaten des Jahres fiel der operative Gewinn des Konzerns auf nur 40 Millionen Euro – nach mehr als vier Milliarden Euro im Vorjahr.
Der Nettogewinn brach um 95,9 Prozent auf 114 Millionen Euro ein. Analysten hatten zwar mit schwachen Zahlen gerechnet, die tatsächliche Quartalsbilanz fiel jedoch deutlich schlechter aus. Trotz der dramatischen Entwicklung blieb die Porsche-Aktie weitgehend stabil. Sie notierte rund drei Prozent im Plus bei 47 Euro. Anleger hoffen offenbar, dass der Konzern den Tiefpunkt bald hinter sich lässt.
Kurzfristiger Schmerz für langfristigen Gewinn?
Finanzvorstand Jochen Breckner erklärte, die Verluste seien eine Folge der tiefgreifenden Transformation. Porsche nehme "bewusst schwächere Zahlen in Kauf, um langfristig profitabler zu werden". Das Unternehmen wolle noch 2025 die Talsohle erreichen und ab 2026 wieder wachsen. Dann wird der ehemalige McLaren-Chef Michael Leiters den Vorstand übernehmen, während der aktuelle CEO Oliver Blume sich auf die Leitung des Volkswagen-Konzerns konzentriert. Vor allem der schwache Absatz in China belastet das Ergebnis. Der Luxusmarkt dort schrumpft infolge der konjunkturellen Abkühlung. Hinzu kommen die US-Zölle, die sämtliche Exporte aus Deutschland verteuern – Porsche betreibt in den Vereinigten Staaten keine eigene Produktion.
Im Zuge der Neuausrichtung hat das Management die Entwicklung einer neuen Elektroplattform verschoben, die geplante Batteriefertigung aufgegeben und ein Kostensenkungsprogramm über 3,1 Milliarden Euro für das Jahr 2025 beschlossen. Dazu gehört auch der Abbau von Personal.
Porsche-Aktie unter Druck: Stellenabbau und sinkende Rendite
Von Januar bis September verkaufte Porsche 212.069 Fahrzeuge und erzielte einen Umsatz von knapp 27 Milliarden Euro – sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Das Unternehmen beschäftigt rund 40.000 Mitarbeiter, von denen bis 2029 rund 1.900 Stellen wegfallen sollen. Mit dem Betriebsrat werden derzeit weitere Einschnitte diskutiert.
Für 2025 rechnet Porsche mit Umsätzen zwischen 37 und 38 Milliarden Euro und einer minimalen bis maximal zweiprozentigen Umsatzrendite. Das liegt weit unter den früheren 15 Prozent, als der Konzern als profitabelster deutscher Autohersteller galt. Analysten erwarten, dass Porsche mindestens drei Jahre benötigen wird, um wieder zweistellige Renditen zu erreichen. Auch andere deutsche Automobilhersteller stehen unter Druck. Volkswagen will bis 2030 rund 35.000 Arbeitsplätze abbauen, Bosch 18.500, ZF Friedrichshafen 14.000 und Continental 10.150. Audi plant den Abbau von 7.500 Stellen, Schaeffler von 4.700, Ford von 1.000. Porsche selbst streicht 1.900 Arbeitsplätze bis 2029. Laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) arbeiten derzeit etwa 770.000 Menschen in der Branche – bis 2030 könnten rund zwölf Prozent dieser Jobs wegfallen.
Auch wenn die Porsche-Aktie zur Wochenmitte zeitweise mehr als 1,3 Prozent zulegte, steht sie doch in den vergangenen Jahren mächtig unter Druck. Die Porsche-Aktionäre mussten teils herbe Kursverluste hinnehmen: In den vergangenen drei Jahren, also zwischen Oktober 2022 und Oktober 2025, verloren die Papiere des Autobauers annähernd 40 Prozent an Wert. Zuletzt stabilisierte sich die Porsche-Aktie wieder etwas, dennoch steht unter dem Strich im vergangenen halben Jahr ein Minus von mehr als 3,5 Prozent.
Porsche-Aktie: Analystenmeinungen und Kursziele
Die Porsche-Aktie bleibt im Fokus der Analysten, nachdem mehrere Häuser ihre Einschätzungen im Oktober 2025 angepasst haben. Nach einer Phase schwacher Quartalsergebnisse deuten die jüngsten Studien auf vorsichtigen Optimismus hin. Die Experten verweisen auf mögliche Erholungstendenzen, aber auch auf weiterhin bestehende Herausforderungen im Luxusautomarkt.
Am 29. Oktober hob RBC Capital Markets das Kursziel für die Porsche AG von 42 auf 45 Euro an. Die Analysten erwarten eine bessere EBITDA-Performance im Jahr 2026 und sehen das Unternehmen in einer frühen Phase des Turnarounds. Zwar bleibt das Rating bei „Sector Perform“, doch das Management signalisiere eine „spürbare Erholung“. Die US-Zölle könnten zwar belastend bleiben, doch Preisanpassungen und neue Modelle sollen ab Ende 2025 kompensierend wirken. Besonders der chinesische Markt bleibe ein Unsicherheitsfaktor, auch wenn dort eine leichte Besserung zu erkennen sei. Bereits am 28. Oktober hatte Bernstein Research sein Kursziel von 39 auf 42 Euro angehoben, die Einstufung aber auf „Market Perform“ belassen. Analyst Stephen Reitman sieht in der Ernennung von Michael Leiters zum neuen CEO einen wichtigen Impuls. Dennoch müsse der neue Chef erst beweisen, dass die Erholung der Porsche-Aktie nachhaltig ist. Einen Tag zuvor bestätigte RBC-Analyst Tom Narayan sein „Sector Perform“-Rating, betonte jedoch die Aussicht auf eine deutliche Erholung im neuen Jahr. Dagegen senkte Warburg Research am 22.10.2025 das Ziel für die Porsche SE auf 36 Euro und blieb bei „Hold“.
Insgesamt zeigen die jüngsten Einschätzungen, dass sich die Porsche-Aktie in einer Übergangsphase befindet. Die Erwartungen an 2026 sind gestiegen, doch das Marktumfeld bleibt anspruchsvoll. Anleger blicken gespannt darauf, ob die geplante Erholung tatsächlich gelingt und die Porsche-Aktie ihren Turnaround bestätigt. Für Deutschland ist die Krise von Porsche mehr als ein Unternehmensproblem. Sie steht sinnbildlich für die Umbrüche in der gesamten Automobilindustrie: Elektrifizierung, sinkende Margen und globale Wettbewerbsrisiken zwingen selbst Traditionsmarken zum radikalen Umbau.

