Politik

Kritische Rohstoffe: Warum die EU im Wettlauf um seltene Erden gegen China und die USA verliert

Seltene Erden und kritische Rohstoffe prägen die globale Wirtschaftspolitik. Während China und die USA ihre Interessen durchsetzen, bleibt die EU außen vor. Unternehmen in Europa spüren bereits die Folgen. Doch wie kann die EU ihre strategische Position stärken und die Industrie vor Lieferengpässen schützen?
29.10.2025 16:20
Lesezeit: 3 min
Kritische Rohstoffe: Warum die EU im Wettlauf um seltene Erden gegen China und die USA verliert
Die EU arbeitet an Strategien, um ihre Versorgung mit seltenen Erden und Rohstoffen langfristig abzusichern (Foto: iStockphoto.com/William Luque) Foto: William Luque

Die EU als Verlierer im Streit um strategische Rohstoffe

Während China und die USA bei seltenen Erden ihre Interessen auf globaler Ebene abstimmen, bleibt die EU außen vor. Trotz Engpässen bei chinesischen Lieferungen, die in diesem Jahr zur Produktionsunterbrechung mehrerer Automobilhersteller führten, sitzt Europa nicht am Verhandlungstisch. Das Hauptstreitobjekt im internationalen Handel sind seltene Erden und Magnete.

Weltweit warten Industrie und Politik darauf, welche Ergebnisse das Treffen zwischen Präsident Xi und Präsident Trump bringen wird. In diesen Verhandlungen werden Macht und strategische Interessen klar sichtbar. Die EU hingegen bleibt bisher außen vor und muss zusehen, wie die beiden Supermächte ihre Positionen festigen.

Warum seltene Erden problematisch sind

Seltene Erden gelten als strategische Rohstoffe und sind ein zentraler Verhandlungsvorteil Chinas, das rund 90 Prozent der weltweiten Lieferungen kontrolliert. Auch die USA beziehen etwa 70 Prozent ihres Bedarfs aus China. Beide Länder verfolgen protektionistische Strategien, um in der Konkurrenz um Schlüsselressourcen die Oberhand zu gewinnen.

Dabei geht es nicht nur um Halbleiter, sondern auch um seltene Erden und Magnete. Die EU ist in diesen Auseinandersetzungen bislang nicht aktiv vertreten, was die Abhängigkeit der europäischen Industrie von chinesischen Lieferungen deutlich macht.

China reagierte auf den amerikanischen Exportstopp für Hochtechnologie bereits unter Präsident Biden und führte im April ein System verpflichtender Exportlizenzen für sieben seltene Erden sowie Magnete ein. Im Oktober kündigte Peking weitere Verschärfungen an. Präsident Trump reagierte darauf mit zusätzlichen Strafzöllen auf kritische US-Importe ab dem 1. November und Exportbeschränkungen für relevante Software.

Die EU zwischen Handlungsdruck und Diplomatie

Die EU versucht, ihre Interessen zu wahren, doch die Praxis zeigt Schwächen. Ein Beispiel: Der deutsche Außenminister plante ein Treffen mit seinem chinesischen Kollegen, erhielt aber nur eine Bestätigung für einen von mehreren beantragten Terminen und sagte das Treffen ab.

Gleichzeitig äußerte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, Kritik an China wegen Technologieklau, feindlicher Investitionen, Exportkontrollen und Subventionen. Sie betonte, dass die EU kurzfristig Lösungen anstrebe, gleichzeitig aber bereit sei, alle verfügbaren Instrumente zu nutzen.

Von der Leyen stellte zudem den „RESourceEU“-Plan vor, angelehnt an die Initiative REPowerEU, die bei der Überwindung der Energiekrise half. Ziel sei es, den Zugang zu alternativen Quellen kritischer Rohstoffe für die europäische Industrie zu sichern, sowohl kurz-, mittel- als auch langfristig.

Dabei sollen Kreislaufwirtschaft, Investitionen in strategische Projekte, gemeinsame Beschaffungen, Lagerbildung und Diversifizierung über Partnerländer wie Australien, Kanada, Kasachstan, Usbekistan, Chile oder Grönland zum Einsatz kommen.

Zwischen Strategie und Industrieproblemen

Die EU betont ihre Führungsrolle bei strategischen Rohstoffen, insbesondere bei Halbleitern und seltenen Erden. In der Praxis dominieren jedoch neue Strategien, Gesetze und Listen, während konkrete Resultate oft auf sich warten lassen.

Bereits 2011 erstellte die Kommission die erste Liste kritischer Rohstoffe. Der aktuelle „Critical Raw Materials Act“, der im Mai 2024 in Kraft trat, soll die Versorgung Europas diversifizieren und absichern. Geplante Projekte sollen bis 2030 etwa 10 Prozent der europäischen Rohstoffgewinnung, 40 Prozent der Verarbeitung und 25 Prozent des Recyclings abdecken.

Trotz dieser Maßnahmen geriet die europäische Industrie in Schwierigkeiten. Wegen chinesischer Lieferengpässe mussten im Juni zahlreiche Produktionslinien in der europäischen Automobilindustrie vorübergehend stillgelegt werden.

Ford warnte bereits im Mai, dass unterbrochene Lieferungen zu Produktionsstopps führen könnten. Die Situation zeigt, dass die EU im Vergleich zu den USA und China anfällig bleibt und strategische Maßnahmen dringend umgesetzt werden müssen.

Handlungsbedarf für Deutschland

Der Artikel verdeutlicht, dass Europa im Wettbewerb um strategische Rohstoffe derzeit zurückfällt. Für Deutschland, dessen Industrie stark auf Importe kritischer Materialien angewiesen ist, bedeutet dies ein erhöhtes Risiko für Produktionsunterbrechungen.

Um die Abhängigkeit von Lieferungen aus China zu reduzieren, sind gezielte Investitionen in Recycling, alternative Lieferquellen und strategische Lagerhaltung notwendig. Deutschland muss in europäischen Initiativen wie RESourceEU aktiv mitgestalten, um Versorgungssicherheit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.

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