Finanzen

Blackrock rät zu neuer Portfolio-Strategie: Private Märkte als Schlüssel zur Diversifikation

Märkte und Kapitalflüsse verändern sich nachhaltig, sodass vertraute Allokationsregeln zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Wie sollten Anleger ihr Portfolio neu strukturieren, um Risiken zu begrenzen und Chancen zu nutzen?
03.11.2025 11:00
Lesezeit: 3 min
Blackrock rät zu neuer Portfolio-Strategie: Private Märkte als Schlüssel zur Diversifikation
Blackrock rät, das klassische 60/40-Portfolio angesichts veränderter Marktbedingungen durch private Anlagen zu ergänzen (Foto: dpa) Foto: Justin Lane

Blackrock-Chef rät, klassischen Investitionsansatz zu überdenken

Laut Blackrock ist die Zeit gekommen, die klassische 60/40-Portfolioaufteilung zwischen Aktien und Anleihen neu zu denken. Eine dritte Anlageklasse könnte zu einer neuen Ertragsquelle werden. Viele Anleger fürchten die derzeit hohe Unsicherheit an den Finanzmärkten, doch der weltweit größte Vermögensverwalter betrachtet diese Unsicherheit als potenzielle Quelle für Renditen.

„Unsicherheit ist weder positiv noch negativ. Sie schafft Möglichkeiten“, sagt Rich Kushel, globaler Leiter des Portfoliomanagements bei Blackrock, wo er seit fast 35 Jahren tätig ist. „Gute Anleger versuchen nicht, Unsicherheit zu vermeiden, wir umarmen sie. Ich glaube, dies ist eine der spannendsten Zeiten an den Märkten in Bezug auf die Chancen, für unsere Kunden Renditen zu erzielen“, erklärt er. Er verweist auf geopolitische Spannungen und Veränderungen in der US-Politik, die zur Unsicherheit beitragen und die Dynamiken auf den Finanzmärkten verändern.

Gewinner und Verlierer in sich wandelnden Märkten

Wenn sich die Welt so schnell verändert, werden einige Unternehmen und Anlageklassen davon profitieren, während andere Verluste erleiden. Das eröffnet aktiven Verwaltern Möglichkeiten, Geld zu verdienen, sagt Kushel.

Ein deutliches Marktsignal sei, dass immer mehr Unternehmen länger privat bleiben. Daten von Blackrock zeigten Anfang des Jahres, dass nur jede fünfte Firma mit mehr als 100 Mio. Dollar Umsatz in den USA börsennotiert ist. In Europa ist der Anteil noch geringer.

Gründe für weniger Börsengänge

Kushel führt das darauf zurück, dass Unternehmen leichter Zugang zu Kapital außerhalb der Börse auf dem privaten Markt erhalten haben und dass Firmen insgesamt weniger kapitalintensiv sind als früher.

Das verändert die Dynamik der Finanzwelt, weil sich das Universum börsennotierter Aktien dadurch auf weniger Unternehmen konzentriert. Anleger sollten dies beachten, denn wenn das Angebot an börsennotierten Namen schrumpft, verändern sich Diversifikationsmöglichkeiten und Risikostrukturen.

Ende der 60/40-Strategie: Korrelation von Aktien und Anleihen steigt

Gleichzeitig gewinnt der private Markt an Bedeutung, wenn Investoren ihre Portfolios diversifizieren und Risiken streuen wollen. Das stellt den klassischen Ansatz der Portfoliozusammenstellung infrage. Lange Zeit war es üblich, Portfolios mit 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen zu gewichten. Die Idee dahinter war, dass schlechter laufende Aktien durch steigende Anleihekurse ausgeglichen werden könnten und umgekehrt.

In den letzten Jahren war jedoch zu beobachten, dass Aktien und Anleihen gleichzeitig fallen können. Das zeigte sich 2022, als die Inflation stark anstieg und Anleger sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen Verluste hinnehmen mussten. Eine 60/40-Allokation, investiert in den amerikanischen S&P 500 und zehnjährige US-Staatsanleihen, verlor damals knapp 17 Prozent. Nach Kushels Einschätzung gerät das klassische 60/40-Modell unter Druck, da es Risiken nicht mehr ausreichend streut.

Neue Allokationsvorschläge

„Wenn Aktien und Anleihen stärker in Einklang steigen und fallen wie jetzt, muss man neue Quellen für Rendite und Diversifikation finden. Investoren verschieben Portfoliostrukturen von der 60/40-Formel zu etwas, das eher 50/30/20 entspricht“, sagt Kushel.

Das heißt 50 Prozent Aktien, 30 Prozent Anleihen und 20 Prozent alternative Investments wie private Unternehmenskredite und Infrastruktur. Blackrock beobachtet ein deutliches Wachstum bei Unternehmenskrediten, Hedgefonds und Infrastrukturinvestitionen.

Private Credit und Infrastruktur im Fokus

„Wir haben vor allem im Bereich der Kredite an Privatunternehmen und in Infrastruktur ausgebaut. Das spiegelt die grundlegende Veränderung in der Art und Weise wider, wie Kapital in der Wirtschaft verteilt wird: Was früher von Banken finanziert wurde, wird zunehmend über Kredite auf privaten Märkten finanziert“, erläutert Kushel. Der Zugang zu diesen privaten Märkten kann für kleinere Anleger, insbesondere Privatanleger, aber auch für kleinere institutionelle Anleger schwierig sein. Das verschafft großen Vermögensverwaltern einen Vorteil.

Früher galt Größe als Hemmnis bei der Generierung von Überrenditen. Heute hat sich das umgekehrt, weil Skaleneffekte Zugang zu Liquidität, Technologie und Daten verschaffen. Diese Faktoren helfen großen Managern, Chancen auf privaten Märkten besser zu nutzen. Auch andere Marktteilnehmer beschäftigen sich mit alternativen Diversifikationsansätzen. Die Financial Times berichtet, dass die Großbank Morgan Stanley eine 60/20/20-Aufteilung vorgeschlagen hat, in der Gold das gleiche Gewicht wie Anleihen erhält.

Schlussfolgerung für Deutschland

Die von Blackrock skizzierte Abkehr vom reinen 60/40-Modell hin zu einer Allokation, die private Kredite und Infrastruktur stärker gewichtet, unterstreicht die wachsende Bedeutung nicht börsennotierter Anlagen für die Risikostreuung.

Für deutsche Anleger bedeutet das, dass traditionell genutzte Diversifikationsstrategien überprüft werden sollten, vor allem da auch in Deutschland das Angebot börsennotierter Titel begrenzt bleibt und institutionelle Investoren vermehrt in private Märkte ausweichen. Eine verantwortungsbewusste Umsetzung erfordert Zugang zu geeigneten Produkten sowie eine sorgfältige Beurteilung von Liquiditäts- und Bewertungsrisiken.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Politik
Politik Frühstartrente: Bundestag entscheidet über zehn Euro für Kinder
16.10.2026

Mit der Frühstartrente will der Staat Kindern monatlich zehn Euro für ein langfristiges Aktiendepot geben. Wer zuerst von der...

DWN
Politik
Politik Wer ist wer in den Kriegen im Nahen Osten
16.10.2026

Zehn Punkte zu Staaten, Rebellen und politischen Gruppen, die für Kriege, Lieferwege und Energiepreise entscheidend sind.

DWN
Politik
Politik Energiewende: CO2-Preis soll stabil bleiben im nächsten Jahr
16.10.2026

Der CO2-Preis, der Heizen und Tanken teuer macht, soll mit dem Jahreswechsel nicht steigen. Das soll Verbraucher vor Preissprüngen...

DWN
Finanzen
Finanzen Unicredit: EZB genehmigt Übernahme von Commerzbank-Anteilen
16.10.2026

Seit zwei Jahren pirscht sich die Unicredit an die Commerzbank heran. Mit einem Übernahmeangebot im Sommer verfehlte sie eine Mehrheit nur...

DWN
Finanzen
Finanzen Reform Erbschaftsteuer: Firmenerben bevorzugt? Karlsruhe prüft Steuervorteile
16.10.2026

Die Erbschaftsteuer soll reformiert werden, zumindestens in dem Punkt ist sich die schwarz-rote Koalition einig. Das...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Dow schließt deutlich höher, während sich die Wall Street erholttitle
15.10.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Faktoren und Einzelwerte die jüngste Erholung an den US-Börsen angetrieben haben.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gewerbesteuer auf Rekordhoch: Warum Kommunen trotzdem Milliarden fehlen
15.10.2026

Deutschlands Gemeinden haben 2025 so viel Gewerbesteuer eingenommen wie nie zuvor. Allerdings stiegen die Einnahmen nur geringfügig, die...

DWN
Finanzen
Finanzen Bank-Aktien: US-Banken überraschen mit Zahlen, Dimon warnt vor wachsenden Risiken
15.10.2026

Während Goldman Sachs und Citigroup mit ihren jüngsten Quartalszahlen die Gewinnerwartungen der Analysten übertroffen haben, blieb...