Technologie

Reduzierung von CO2: Deutsche Bahn setzt erstmals Schienen aus „grünem“ Stahl ein

Die Deutsche Bahn schließt einen Liefervertrag mit dem saarländischen Hersteller Saarstahl für klimafreundlich produzierte Schienen. Doch für „grünen“ Stahl fallen höhere Kosten als bei herkömmlichem Stahl an. Trotzdem soll das Pilotprojekt Schule machen.
05.11.2025 13:03
Lesezeit: 2 min
Reduzierung von CO2: Deutsche Bahn setzt erstmals Schienen aus „grünem“ Stahl ein
Die Deutsche Bahn will erstmals „grünen“ Stahl in Schienen verbauen. Im Vergleich zu Schienen, die über traditionelle Hochöfen hergestellt werden, fielen damit bis zu 70 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen an. (Foto: dpa) Foto: Marcus Brandt

Deutsche Bahn setzt erstmals Schienen aus „grünem“ Stahl ein

Die Deutsche Bahn will erstmals in ihrem Schienennetz klimafreundlich erzeugten Stahl verbauen. Der Konzern hat in einem Pilotprojekt einen Liefervertrag für rund 1.000 Tonnen Schienen aus »grünem« Stahl mit dem Hersteller Saarstahl abgeschlossen. Die erste Lieferung umfasse Schienen, die in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland verbaut werden, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Das Geschäft zwischen der Infrastrukturgesellschaft DB InfraGO und Saarstahl wird damit kurz vor dem „Stahlgipfel“ am Donnerstag im Kanzleramt verkündet. Bei dem Treffen will die Bundesregierung mit Vertretern der Stahlindustrie und Ministerpräsidenten der Länder Lösungen für die kriselnde Branche erarbeiten.

Bis zu 70 Prozent weniger Emissionen

Der „grüne“ Stahl von Saarstahl Rail, einer Tochtergesellschaft des saarländischen Konzerns, wird im französischen Werk Saarstahl Ascoval hergestellt. Das Werk produziert Stahl nicht herkömmlich in Hochöfen unter dem Einsatz von Eisenerz und Kohle, sondern verwendet den Angaben zufolge eine spezielle Technologie, um aus Altschienen und Schrott neuen Stahl zu produzieren (Elektrolichtbogenofen).

Im Vergleich zu Schienen, die über traditionelle Hochöfen hergestellt werden, fielen damit bis zu 70 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen an. Wie viel Geld die Deutsche Bahn bei dem Liefervertrag bezahlt, wurde nicht bekannt.

Mit der Kooperation setzten die beiden Unternehmen ein wichtiges Zeichen für nachhaltige Lieferketten in der Bahnindustrie, hieß es. Dabei handelt es sich allerdings nur um einen ersten Schritt. Die 1.000 Tonnen Stahl entsprechen rund 22 Schienenkilometern. Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2024 rund 37,2 Millionen Tonnen Rohstahl produziert.

„Gemeinsam mit Saarstahl Rail zeigen wir in diesem Pilotprojekt, dass klimafreundliches Bauen und heimische Wertschöpfung Hand in Hand gehen können“, sagte Philipp Nagl, Vorstandschef der DB InfraGO AG. Jonathan Weber, Vorstand für Saarstahl Rail, sprach von einem starken Signal für nachhaltiges Bauen. Erst im Januar hatte das Unternehmen mit der französischen Bahngesellschaft SNCF einen Milliarden-Vertrag über die Lieferung von Schienen aus CO₂-reduzierter Produktion unterzeichnet.

„Grüner“ Stahl teurer

Die Reduzierung von CO2 in der energieintensiven Stahlindustrie gilt als wichtiger Baustein für das Erreichen der Klimaziele. Für „grünen“ Stahl fallen aber höhere Kosten als bei herkömmlichem Stahl an. Erst im Juni hatte der Konzern ArcelorMittal mangels Wirtschaftlichkeit Pläne zurückgezogen, seine Flachstahlwerke in Bremen und Eisenhüttenstadt auf klimaneutrale Produktion umzustellen. Der Schritt hatte eine Debatte über die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der Stahlindustrie in Deutschland ausgelöst.

Die Branche leidet unter der Krise in Abnehmerbranchen, vor allem der Autoindustrie. Hinzu kommen gestiegene Energiepreise, Billigimporte gerade aus China und hohe Zölle auf Stahlimporte in die USA.

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