Wachsende Spannungen und Auswirkungen auf den Ölpreis
Serbiens Präsident Aleksandar Vučić steht zunehmend unter Druck. Die Vereinigten Staaten verlangen, dass Russland aus der Naftna Industrija Srbija, kurz NIS, gedrängt wird. Gleichzeitig möchte Vučić seinen politischen Verbündeten Wladimir Putin nicht durch eine erzwungene Nationalisierung verärgern.
Parallel dazu sinken die Ölreserven im Land und die Versorgungslage wirkt sich zunehmend auf den Ölpreis in der Region aus. Ein neuer amerikanischer Vorstoß richtet sich direkt an die Nationalbank Serbiens.
Diese wurde gewarnt, dass im Falle einer ungelösten Eigentumsfrage rund um NIS, also ohne Ausschluss der russischen Anteilseigner, sogenannte sekundäre Sanktionen verhängt würden. Die Gouverneurin Jorgovanka Tabaković erklärte, man befürchte im schlimmsten Fall einen Stillstand im Zahlungsverkehr, der sich mittelbar ebenfalls auf den Ölpreis auswirken könnte.
Zahlungsprobleme und Zeitdruck
Seit Inkrafttreten der ersten Sanktionen Anfang Oktober funktionieren an den Tankstellen von NIS und Lukoil in Serbien keine Zahlungen mehr mit Mastercard, Visa oder American Express, sofern deren Verarbeitung über die USA erfolgt. Die landesweiten Einschränkungen treffen Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen.
Der Februar droht zum kritischen Monat zu werden. Die Möglichkeit einer Nationalisierung ist in Serbien kein Tabu mehr. Gleichzeitig bleibt unklar, wie es weitergeht. Gazprom Neft hält fünfzig Prozent plus eine Aktie an NIS, die Republik Serbien knapp dreißig Prozent. Beobachter verweisen darauf, dass Vučić zu spät reagiert habe, obwohl die USA ihre Sanktionen bereits Anfang Januar angekündigt hatten.
Politische Risiken für Vučić
Vučić möchte seinen Verbündeten Putin nicht verärgern. Dennoch wird in Serbien zunehmend offen über eine mögliche Nationalisierung gesprochen. Eine solche Entscheidung würde politisch heikel sein, denn die Bevölkerung reagiert empfindlich auf Versorgungsengpässe, steigende Preise und mögliche Auswirkungen auf den Ölpreis im Alltag.
Im Oktober hatte Vučić erklärt, dass Serbien die verfügbaren Mengen zur Weiterverarbeitung in der Raffinerie Pančevo, die NIS gehört, bereits im November ausgeschöpft habe. Vor wenigen Tagen warnte er, dass das Land ab dem dreizehnten Februar im Chaos versinken werde, falls bis dahin keine Entscheidung über die Zukunft von NIS falle. Die USA hatten diese Frist verlängert, um Serbien mehr Zeit zu geben, die russischen Eigentümer aus dem Unternehmen zu entfernen.
Mögliche Optionen für die Zukunft von NIS
Diskutiert werden mehrere Varianten, die unterschiedlich realistisch erscheinen. Dazu zählen der Rückkauf des Gazprom-Neft-Anteils, ein mögliches Insolvenzverfahren, die Übernahme der Unternehmensführung ohne Änderung der Eigentumsverhältnisse oder eine Nationalisierung.
Am Nachmittag meldete die serbische Energieministerin Dubravka Đedović Handanović, dass Russland nun bereit sei, seinen Anteil zu verkaufen. Der Käufer sei noch nicht bekannt. Es solle sich um einen Akteur aus einem Drittland handeln und nicht um die Republik Serbien.
Internationale Dimensionen des Verkaufs
Ein reibungsloser Verkauf ist jedoch nicht garantiert. Auch die Vereinigten Staaten müssen zustimmen. Das Beispiel des russischen Ölkonzerns Lukoil zeigt, wie restriktiv die amerikanische Kontrolle sein kann. Dessen geplanter Verkauf ausländischer Tochtergesellschaften an den schwedischen Rohstoffhändler Gunvor Group scheiterte an der fehlenden Genehmigung der USA.
Als mögliche Käufer von NIS wurden laut Reuters informell ExxonMobil, Chevron und der Private-Equity-Fonds Carlyle genannt. Gleichzeitig berichten Medien, dass sich die finnische Lukoil-Tochter Teboil darauf vorbereite, rund vierhundertdreißig Tankstellen zu schließen.
Energiepolitik Europas und Bedeutung für Deutschland
Der Konflikt um NIS zeigt, wie stark europäische Energiemärkte von geopolitischen Entscheidungen geprägt werden. Für Deutschland ist dies relevant, da sich jede Verschiebung regionaler Produktions- und Liefermengen über kurz oder lang auf den Ölpreis im europäischen Markt auswirkt.
Eine Eskalation durch Sanktionen oder Produktionsausfälle in Serbien könnte Raffinerien und Logistiknetzwerke in der EU zusätzlich belasten. Die Frage, wie Serbien den Eigentumskonflikt um NIS löst, beeinflusst damit unmittelbar die Energiepolitik und Preisstabilität in Mitteleuropa.

