Politik

EU USA Handel: Wie Washington die EU mit Digitalforderungen unter Druck setzt

Die USA erhöhen den Druck auf Brüssel und verknüpfen den Zollstreit plötzlich mit Europas Digitalregeln. Washington fordert weitreichende Zugeständnisse, um die eigenen Industrieinteressen durchzusetzen. Nun zeigt sich, wie stark die EU in diesem Konflikt wirklich manövrieren kann und welche Folgen das für Europas digitale Souveränität hat.
26.11.2025 09:44
Aktualisiert: 26.11.2025 11:03
Lesezeit: 2 min

Streit um Zölle verschärft sich

Die Europäische Union erhöht den Druck auf die Vereinigten Staaten, die erhöhten Abgaben auf Stahl und Aluminium zu reduzieren. Dadurch öffnet sich jedoch eine Tür für eine alte Forderung aus Washington. Die US-Regierung drängt seit Langem darauf, zentrale digitale Regeln der EU zu lockern. Dies berichtet die Wirtschaftspublikation Verslo žinios mit Bezug auf das Magazin "Politico". Nach Angaben des Blattes äußerten EU-Vertreter bei den Gesprächen am Montag in Brüssel deutliche Kritik an der jüngsten US-Entscheidung, den Katalog zollpflichtiger Waren auszuweiten.

Das US-Handelsministerium setzte im August einen zusätzlichen Zoll von fünfzig Prozent auf mehr als 400 Produkte fest, die Stahl oder Aluminium enthalten. Aus Sicht der Europäischen Union ist die Liste so umfangreich, dass sie dem Geist des Handelsabkommens von Juli widerspricht. Dieses Abkommen sieht einen regulären Satz von 15 Prozent für den Großteil der EU-Exporte in die USA vor. Gleichzeitig verpflichtete sich die EU, viele ihrer eigenen Zölle vollständig abzubauen. Beide Seiten hatten vereinbart, gemeinsam auf eine Absenkung der Stahl- und Aluminiumzölle hinzuarbeiten. Die konkrete Ausgestaltung blieb jedoch offen.

Washington verknüpft Zölle mit Digitalregeln

Bei den Gesprächen am Montag brachte die europäische Seite die neuen Stahlzölle zur Sprache. Darauf reagierte US-Handelsminister Howard Lutnick mit der Aufforderung, die EU solle ihre "digitalen Regeln analysieren, um einen ausgewogenen Ansatz zu finden, der für uns akzeptabel wäre". Wenn die EU zu einem solchen Ansatz gelange, sagte er weiter, könnten beide Seiten die Streitfragen rund um Stahl und Aluminium gemeinsam lösen. Lutnick stellte die Aussicht auf eine Lockerung der EU-Digitalregeln als "Chance" für die Europäische Union dar. Er verband das Angebot mit möglichen US-Investitionen, insbesondere in Datenzentren, die für Anwendungen der künstlichen Intelligenz entscheidend sind. Nach seinen Worten könnte die EU "Investitionen in Höhe von einer Billion Dollar" anziehen.

An den Verhandlungen nahm auch Maroš Šefčovič teil, der Handelskommissar der Europäischen Union. Er bekräftigte, dass die EU an ihrer regulatorischen Eigenständigkeit festhält und dass ihre Regeln entgegen der Darstellung Washingtons nicht diskriminierend seien. Die EU-Delegation habe erläutert, wie die Gesetzgebung funktioniert und dass sie sich nicht gegen US-Unternehmen richte. Laut Šefčovič bestehe vor allem Bedarf, diese Punkte noch deutlicher zu erklären.

EU lockert bereits erste Vorgaben und deutsche Unternehmen beobachten die Lage

Trotz der klaren Haltung gegenüber Washington hat die Europäische Kommission bereits Schritte unternommen, um die Regulierung im Technologiesektor etwas zu entschärfen. Am vergangenen Mittwoch schlug sie vor, zentrale Vorgaben im Bereich künstliche Intelligenz und Datenschutz später umzusetzen. Ziel sei es, Bürokratie abzubauen und europäischen Technologieunternehmen bessere Voraussetzungen zu verschaffen. Brüssel weist die Kritik zurück, man habe dem Druck der USA nachgegeben.

Für Deutschland ist die Entwicklung im Rahmen des EU USA Handel politisch wie wirtschaftlich relevant. Die Stahlindustrie zählt zu den energieintensiven Branchen und ist besonders sensibel gegenüber US-Zöllen. Sollte Washington eine Absenkung der Abgaben an Zugeständnisse bei digitalen Regeln knüpfen, stünde Berlin vor der Aufgabe, industriepolitische Interessen der Stahlproduzenten mit regulatorischen Zielen der Digitalpolitik in Einklang zu bringen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Ist es sicher, auf Top-Up-Websites wie Refilled mit Kreditkarte zu bezahlen?

Jeden Tag gibt es mehr und mehr digitale Shops, die nach deinen Kredit- oder Debitkartendaten fragen. Mit Kreditkarte auf einer...

DWN
Politik
Politik Ungarn vor Kehrtwende: Debatte um EU-Kredit für die Ukraine nimmt Fahrt auf
16.04.2026

Nach dem politischen Umbruch in Ungarn rücken die EU-Finanzhilfen für die Ukraine wieder in den Fokus. Wird Budapest seine Blockade...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industriestrompreis: EU gibt Milliarden frei
16.04.2026

Die EU-Kommission öffnet den Weg für einen subventionierten Industriestrompreis in Deutschland. Milliardenhilfen sollen die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bosch kämpft mit Kostenexplosion: Gewinne brechen dramatisch ein
16.04.2026

Bosch steckt in der Krise – und schreibt erstmals seit Jahren rote Zahlen. Vor allem die enormen Kosten für den Stellenabbau belasten...

DWN
Panorama
Panorama Arag-Analyse: Konflikte bei Arbeit und Wohnen nehmen zu
16.04.2026

Steigende Kosten treiben immer mehr Menschen vor Gericht – selbst bei kleinen Beträgen. Eine neue Analyse zeigt, wie stark Konflikte um...

DWN
Technologie
Technologie AEO: Wie KI-Suchmaschinen Google den Rang ablaufen
16.04.2026

Die klassische Google-Suche verliert an Macht, während KI-Systeme Antworten direkt liefern. Unternehmen kämpfen nicht mehr um Rankings,...

DWN
Finanzen
Finanzen Iran-Krieg verschärft Risiken: Investoren senken Wachstumserwartungen
16.04.2026

Die Erwartungen globaler Investoren an das Wirtschaftswachstum geraten unter Druck, während Inflation und geopolitische Risiken wieder...

DWN
Technologie
Technologie Experte warnt: Mittelstand unterschätzt Datensouveränität
16.04.2026

Für den Mittelstand wirkt Datensouveränität oft wie ein Randthema. Tatsächlich entscheidet sie über Kontrolle und Unabhängigkeit. Wer...

DWN
Panorama
Panorama Lufthansa-Streik: Diese Rechte haben Passagiere bei einem Pilotenstreik
16.04.2026

Der Lufthansa-Streik bringt den Flugverkehr in Deutschland ins Wanken und sorgt bei Tausenden Reisenden für Unsicherheit. Flugausfälle,...