Politik

Rutte warnt in Berlin: Russland sieht Europa als nächstes Ziel

Bundeskanzler Merz und Nato-Generalsekretär Rutte haben in Berlin Alarm geschlagen. Russland ziele nicht nur auf die Ukraine, sondern plane potenziell auch Angriffe auf Europa. Merz betonte die Notwendigkeit eines starken, geeinten Kontinents, während Rutte konkret mehr Verteidigungsausgaben und Unterstützung für die Ukraine forderte. Gleichzeitig gibt die neue US-Sicherheitsstrategie der Europäer die Hauptverantwortung für ihre eigene Verteidigung auf. Die Kontroverse über die Stationierung von Tomahawk-Raketen in Deutschland zeigt, wie brisant die Sicherheitslage ist.
11.12.2025 17:35
Lesezeit: 2 min
Rutte warnt in Berlin: Russland sieht Europa als nächstes Ziel
Bundeskanzler Friedrich Merz (r, CDU) und Mark Rutte, Nato-Generalsekretär, geben eine Presskonferenz nach einem bilateralen Gespräch im Bundeskanzleramt. (Foto: dpa) Foto: Michael Kappeler

Rutte bei Merz in Berlin: "Wir sind Russlands nächstes Ziel"

Der Kanzler und der Nato-Generalsekretär stimmen die Deutschen auf härtere Zeiten ein. Sie betonen die Einigkeit der Nato, machen aber zugleich deutlich, dass für die Verteidigung mehr getan werden müsse.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat nach der Veröffentlichung der neuen US-Sicherheitsstrategie "absolute Priorität" für die Stärkung der europäischen Säule der Nato zugesichert. "Dieses Europa auch unter Druck zusammenzuhalten und von nichts und niemandem spalten zu lassen, das ist wichtiger denn je. Das einige, starke Europa brauchen wir wie nie zuvor", sagte Merz bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Berlin.

Der Niederländer warnte in einer Rede in Berlin ungewöhnlich deutlich vor der Bedrohung durch Russland. Russlands Präsident Wladimir Putin wolle es nicht beim Krieg gegen die Ukraine belassen. "Wir sind Russlands nächstes Ziel", sagte Rutte. Für die Nato gehe es nun darum, einen Krieg zu stoppen, bevor dieser beginne. Konkret forderte Rutte erneut mehr Engagement bei der Erhöhung der Verteidigungsausgaben und bei der Unterstützung der Ukraine.

Die Äußerungen kommen in einer Zeit zunehmender Verunsicherung darüber, wie beständig das transatlantische Verhältnis unter US-Präsident Donald Trump künftig ist. Die US-Regierung beklagte in einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Sicherheitsstrategie einen angeblichen Verlust der Demokratie und der Meinungsfreiheit in Europa. Der Kontinent stehe vor großen Problemen, hieß es in dem Dokument.

Dazu zählen nach Ansicht der US-Regierung unter anderem die "Zensur der freien Meinungsäußerung und die Unterdrückung der politischen Opposition, abstürzende Geburtenraten sowie der Verlust nationaler Identitäten und des Selbstvertrauens". Wirbel verursachten auch unbestätigte Berichte, wonach die US-Regierung einzelne EU-Staaten aus der Union herauslösen wolle.

Merz: Europa auch unter Druck zusammenhalten

Der Kanzler betonte, er wolle ein einiges und starkes Europa mit aller Kraft behaupten. "Das heißt, wo wir jenseits der Rhetorik im eigenen Interesse mit den USA zusammenarbeiten können, werden wir das selbstverständlich weiterführen", sagte Merz. Dies gelte insbesondere für die intensive Arbeit an einem möglichen Frieden in der Ukraine und die Zukunft der Nato.

"Wir werden das als einiges und starkes Europa tun. Dieses Europa auch unter Druck zusammenzuhalten und von nichts und niemandem spalten zu lassen, das ist wichtiger denn je. Das einige, starke Europa brauchen wir wie nie zuvor", sagte Merz.

Merz ergänzte: "Die neue nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten, die wir in der letzten Woche gesehen haben, bestätigt uns, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind."

Kanzler erwartet Tomahawks in Deutschland

Merz rechnet damit, dass die USA im nächsten Jahr wie geplant mit der Stationierung weitreichender Waffen in Deutschland beginnen. "Ich habe im Augenblick keine Veranlassung, an den Verabredungen zu zweifeln, die wir mit den Vereinigten Staaten von Amerika im Nato-Bündnis getroffen haben", sagte er. "Es gibt keine Ankündigung und auch keine Schritte hin zur Auflösung des gegenseitigen Sicherheitsversprechens, das wir uns gegeben haben."

Er antwortete mit diesen Worten auf die Frage, ob er vor dem Hintergrund der Veröffentlichung der neuen US-Sicherheitsstrategie die Sorge habe, dass die US-Regierung ihre Zusage zurückziehen könnte, wieder Marschflugkörper vom Typ Tomahawk in Deutschland zu stationieren. Dabei geht es um eine Absprache, die im Juli 2024 noch mit der Regierung des damaligen US-Präsidenten Joe Biden getroffen worden war.

Rutte: USA stehen zu ihrer Verpflichtung

Die Vereinbarung sieht vor, dass die USA von 2026 an in Deutschland wieder Mittelstreckenwaffen mit konventionellen Sprengköpfen stationieren wollen, die weit bis nach Russland reichen. Darunter sollen Marschflugkörper vom Typ Tomahawk mit einer Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern, Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen sein.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat sich bislang öffentlich nicht eindeutig dazu geäußert, ob sie die Absprachen wie geplant umsetzen will. In der in der vergangenen Woche veröffentlichten Sicherheitsstrategie wird als US-Ziel angegeben, dass die Europäer künftig die Hauptverantwortung für ihre Verteidigung übernehmen sollen.

Merz sagte zu diesem Thema: "Wir wissen, dass wir für unsere Sicherheit in Europa sehr viel mehr tun müssen als in der Vergangenheit." Darauf weise die amerikanische Regierung zu Recht hin. Rutte betonte zur neuen Sicherheitsstrategie, dass dort eindeutig stehe, die USA fühlten sich Europa und Europas Sicherheit weiterhin verpflichtet. "Die USA stehen zu ihrer Verpflichtung gegenüber der Nato", sagte er.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Lageroptimierung als Wettbewerbsfaktor im Mittelstand

In Zeiten steigenden Wettbewerbsdrucks, globaler Lieferketten und wachsender Kundenerwartungen wird die Effizienz interner Prozesse zu...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Straße von Hormus im Krisenmodus: Irans Drohungen setzen Ölpreis-Entwicklung unter Druck
04.03.2026

Die Drohungen der iranischen Revolutionsgarde erhöhen den Druck auf eine der wichtigsten Energierouten der Welt und treiben die Spannungen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lithium-Boom inmitten von Deutschland: Warum Mitteldeutschland zum Lithium-Produzenten werden könnte
04.03.2026

Lithium ist einer der wichtigsten und wertvollsten Rohstoffe für Zukunftstechnologien. Noch bezieht die EU das „weiße Gold“ teuer...

DWN
Politik
Politik Macron stößt EU-Debatte an: Frankreich drängt auf stärkere nukleare Abschreckung
04.03.2026

Frankreich stößt eine Debatte über eine europäische nukleare Abschreckung an und wirbt bei NATO-Staaten für ein erweitertes...

DWN
Politik
Politik Nachfolge und Machtkämpfe: Wer führt künftig den Iran?
04.03.2026

Nach dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei muss das iranische Machtgefüge klären, wer ihm nachfolgt. Doch in Kriegszeiten wird auch die Wahl...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Noch mehr Bürokratie? EU-Kommission will „Made in Europe“ - Vorgabe für öffentliche Aufträge
04.03.2026

Die Europäische Union muss ihre CO2-Emissionen senken und will ihre Industrie erhalten. Ist die Lösung, europäisch zu kaufen? Kritik...

DWN
Finanzen
Finanzen Ernährungsindustrie warnt: Iran-Krieg könnte Lebensmittelpreise erhöhen
04.03.2026

Die Folgen des Iran-Kriegs sind für Verbraucher in Deutschland zu spüren - etwa beim Tanken. Ist mit weiteren Auswirkungen zu rechnen?

DWN
Politik
Politik Wirtschaftsministerin Reiche: keine Spritpreisbremse - Öl und Gas nicht knapp
04.03.2026

Der Iran-Krieg lässt Öl-, Benzin- und Gaspreise steigen - doch Energiemangel droht in Deutschland nach Angaben der Wirtschaftsministerin...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsenturbulenzen: Wie Anleger klug reagieren – 5 konkrete Tipps für einen Börsencrash
04.03.2026

Sinkende Kurse, rote Zahlen im Depot und ständig neue Marktmeldungen: In unsicheren Börsenzeiten verlieren viele Anleger schnell die...