Unternehmensporträt

Welzhofer: Wie ein Familienunternehmen mit Wildvogelfutter erfolgreich ist

Die Firma Welzhofer aus Schwaben beliefert ihre Kunden mit Futtermitteln für Wildvögel und hat sich damit erfolgreich in einer Wachstumsnische positioniert.
02.01.2026 16:45
Lesezeit: 6 min
Welzhofer: Wie ein Familienunternehmen mit Wildvogelfutter erfolgreich ist
Welzhofer-Qualitätskontrolle: Das Familienunternehmen Welzhofer ist mit Wildvogelfutter sehr erfolgreich (Foto: iStockphoto.com/Schrempf2)

Erfolgsrezept: Wildvogelfutter kennt kaum Konjunktur

Im Büro der Firma Welzhofer im schwäbischen Schönebach bei Augsburg steht ein Bildschirm, auf dem per Webcam eine Futterstelle in Nordrhein-Westfalen zu sehen ist, an der Meisen ein und aus fliegen. „Viele Menschen schauen sich das gerne an“, weiß Firmeninhaber Anton Welzhofer im Gespräch mit der „Augsburger Allgemeinen“ (AZ). „Ich kenne auch Arztpraxen, in denen solche Bilder im Wartezimmer laufen.“

Welzhofer produziert Vogelfutter für Wildvögel und beliefert damit Kunden in Deutschland, in Österreich und der Schweiz. Der Markt ist saisonal geprägt, aber vergleichsweise stabil. Während viele Konsumgüter stark auf Konjunktur und Einkommen reagieren, bleibt die Nachfrage nach Wildvogelfutter über das Jahr hinweg konstant hoch.

Für Welzhofer bildet diese Berechenbarkeit die Basis seines Erlösmodells, das auf Wiederholung, Kostenkontrolle und Spezialisierung setzt.

Welzhofers Weg zum Wildvogelfutter

Der Firmensitz liegt im Naturpark Augsburg Westliche Wälder. Auf der einen Seite der Zusam, einem Nebenfluss der Donau, steht das Wohnhaus der Familie Welzhofer, auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses befand sich über Jahrzehnte die Mühle mit den damaligen Produktionsanlagen. Dort stand bereits im 15. Jahrhundert eine Mühle, die 1429 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

1815 heiratete der Müller Josef Welzhofer die Witwe Elisabeth Schweigart, deren verstorbener Mann die Mühle führte. Seitdem ist die Mühle unter dem Namen „Welzhofer Mühle“ im Besitz der Familie Welzhofer. In den 1970er-Jahren entstand zunächst ein Agrarhandelsgeschäft als Ergänzung zum Mühlenbetrieb. Über diesen Weg kam die Familie Welzhofer mit Futtermitteln in Kontakt. Eine prägende Rolle spielte dabei Manfred Mayr, der Inhaber der auf Agrar- und Futtermittelhandel spezialisierten Xaver Mayr OHG aus Göggingen bei Augsburg. Mayr hatte bereits in den 1960er-Jahren eigene Vogelfuttermischungen entwickelt und diese systematisch über den Handel vertrieben. Das Vogelfutter wurde in erster Linie an Raiffeisen-Märkte im Allgäu und im Voralpenland verkauft.

„Manfred Mayr war seiner Zeit voraus“, sagt Welzhofer rückblickend. „Er hat Rezepte entwickelt, die wir teilweise heute noch verwenden.“ Diese frühen Rezepturen markierten einen strategischen Wendepunkt: Statt nur Rohstoffe zu handeln, begann das Unternehmen, Wertschöpfung durch Mischung, Verarbeitung und Verpackung aufzubauen. So entwickelte sich schrittweise der Fokus auf Vogelfutter für Wildtiere.

Firmenumzug dank Firmenwachstum

Mit dem Wachstum des Unternehmens stießen die räumlichen Gegebenheiten am historischen Mühlenstandort in Schönebach zunehmend an ihre Grenzen. Die Anlage war für den wachsenden Betrieb zu klein geworden und ließ sich nur begrenzt erweitern. „Ich bin seit Generationen der erste Welzhofer, der kein Müller ist“, sagt Anton Welzhofer der AZ. Die Entscheidung seines Vaters, den klassischen Mühlenbetrieb nicht weiterzuführen, sei notwendig gewesen. Der Standort habe langfristig keine wirtschaftliche Perspektive mehr geboten.

Aus dieser Zäsur heraus begann die Neuausrichtung des Unternehmens. Der frühere Agrarhandel wurde aufgegeben und an einen externen Partner verpachtet, Welzhofer konzentrierte sich fortan vollständig auf Wildvogelfutter als neues wirtschaftliches Standbein. 2013 erwarb das Unternehmen schließlich ein geeignetes Gelände im rund 13 Kilometer weiter westlich gelegenen Gessertshausen und verlagerte die Produktion dorthin. Am neuen Standort entstanden größere Produktions- und Lagerkapazitäten sowie effizientere Abläufe, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden und eine ganzjährige Lieferfähigkeit sicherzustellen.

Mit dem anhaltenden Wachstum veränderte sich die Standortstrategie jedoch erneut. Nach dem Auslaufen des Pachtvertrags mit der BayWa AG nahm Welzhofer den historischen Standort in Schönebach wieder in Betrieb und modernisierte ihn umfassend. Im Mai 2021 erfolgte der Umzug zurück nach Schönebach, wo seither wieder zentrale Produktions- und Verwaltungsfunktionen gebündelt sind. Der Standort Gessertshausen blieb parallel bestehen und dient weiterhin als logistischer Knotenpunkt sowie als Basis für den neu gegründeten Onlineshop der Schönebacher Mühle.

Expansion durch Zukäufe

Ergänzend zum Kerngeschäft hat Welzhofer in den vergangenen Jahren gezielt in angrenzende Segmente investiert. Ein erster Schritt war die Beteiligung an EAT SMALL, einem 2018 gegründeten Unternehmen für Hundenahrung auf Insektenbasis. Die Kooperation erschließt dem Unternehmen ein weiteres Marktsegment, ohne die bestehende Produktionslogik zu verlassen, und greift zugleich den wachsenden Trend zu nachhaltiger Tiernahrung auf.

Im Zuge der Weiterentwicklung wurde EAT SMALL 2024 in Fellows GmbH umbenannt. Mit dem Markenrelaunch und dem formalen Firmenwechsel gingen neue Produktentwicklungen einher. Neue Hundefuttermischungen wurden entwickelt und erstmals auf der Interzoo in Nürnberg vorgestellt.

Einen weiteren strategischen Zukauf tätigte Welzhofer 2020 mit der Übernahme der finanziell angeschlagenen Firma Donath Wintervogelfutter aus Weingarten. Unter dem Namen „Donath Vogelfutter“ eröffnete sich der Zugang zu zusätzlichen Vertriebskanälen sowie zu neuen Produktionskapazitäten. Am Standort Weingarten wurde in der Folge eine vollständige Bio-Vogelfutterlinie aufgebaut, die es dem Unternehmen ermöglicht, zertifiziertes Bio-Futter in größerem Umfang herzustellen und das Sortiment gezielt zu erweitern.

Ebenfalls 2020 übernahm Welzhofer den Katzenfutterhersteller NEUTRO Cat, der seither unter dem Markennamen „Kitty Lux“ weitergeführt wird. Die Akquisition blieb bewusst komplementär angelegt und veränderte den strategischen Schwerpunkt des Unternehmens nicht. Wildvogelfutter bleibt weiterhin das zentrale Geschäftsfeld, während die Zukäufe vor allem der Diversifizierung und Risikostreuung dienen.

Eigenproduktion als Qualitätsfaktor

Ein zentrales Element des heutigen Geschäftsmodells ist die vergleichsweise hohe Fertigungstiefe. Während viele Anbieter Futtermischungen zukaufen, setzt Welzhofer auf Eigenproduktion. Seit 2012 stellt das Unternehmen auch Meisenknödel selbst her. Zuvor wurden sie extern bezogen. Die Entscheidung erhöhte zwar den Investitionsbedarf, senkte jedoch langfristig die Abhängigkeit von Zulieferern und verbesserte die Kontrolle über Rezepturen und Rohstoffe.

Rohfette werden im eigenen Betrieb weiterverarbeitet, Saaten und Getreide stammen überwiegend aus europäischen Lieferketten. Nach Angaben des Unternehmens kommen dabei auch Nebenprodukte aus der Lebensmittelindustrie zum Einsatz, etwa Fette, die für den menschlichen Verzehr nicht mehr vorgesehen sind. Aus den auf der Welzhofer-Unternehmenswebsite veröffentlichten Nachhaltigkeitsinformationen geht hervor, dass diese Rohstoffstrategie vor allem auf planbare Verfügbarkeit und kurze Lieferwege zielt. Durch die Nutzung eigener Energiequellen aus Wasserkraft, Photovoltaik, Biogas und Hackschnitzeln deckt Welzhofer zudem einen Großteil seines Energiebedarfs selbst ab.

Familienunternehmen Welzhofer: Fokus auf Marke statt Handelsware

Mit der Neugründung im Jahr 1995 wurde der Grundstein für die spätere Markenstrategie gelegt. Manfred Mayr suchte einen Geschäftspartner und fand ihn in den Brüdern Anton Welzhofer senior und Hermann Welzhofer. Gemeinsam gründeten sie die MAYR Groß- und Außenhandelsgesellschaft mbH mit Firmensitz in Schönebach. Der Import- und Exporthandel von Rohstoffen für die Lebensmittel- und Futtermittelindustrie wurde ausgebaut, zugleich wurden Herstellung und Vertrieb von Vogelfutter fortgeführt, das im Allgäu bereits als Qualitätsprodukt bekannt war. Das Unternehmen beschäftigte zu diesem Zeitpunkt zwei Mitarbeiter.

Parallel zur Ausweitung der Eigenproduktion in den folgenden Jahren veränderte sich auch die strategische Ausrichtung. In den 1980er-Jahren entstand zunächst die Marke Winterstar, unter der Vogelfutter erstmals klar als eigenes Produkt positioniert wurde. Mitte der 2010er-Jahre wurde Winterstar durch die Marke Welzhofer ersetzt. Ziel war es, das Unternehmen deutlicher als Hersteller zu profilieren und sich vom anonymen Handelsprodukt zu lösen.

Mit dem Markenrelaunch 2018 wurden Verpackungen vereinheitlicht und das Sortiment stärker strukturiert. Neben klassischem Streufutter rückten Fettprodukte, Knödel und spezielle Mischungen stärker in den Vordergrund. Die Preispositionierung blieb bewusst stabil. „Weizen wird von vielen Vögeln kaum gefressen“, sagt Anton Welzhofer gegenüber der AZ. Entscheidend sei nicht der Preis, sondern die Zusammensetzung der Futtermischungen.

“Die kritischste Phase für Vögel ist das Frühjahr“

Welzhofer beschäftigt nach eigenen Angaben rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an mehreren Standorten. Die Organisation ist inhabergeprägt, zentrale Entscheidungen werden von der Geschäftsführung getroffen, die Produktion erfolgt überwiegend in eigener Fertigung. Wachstum entsteht dabei weniger über zusätzlichen Personalaufbau als über Prozessoptimierung, Sortimentstiefe und eine hohe Fertigungstiefe.

Der Markt für Vogelfutter wächst nicht sprunghaft, verändert sich jedoch strukturell. Die Fütterung findet zunehmend ganzjährig statt, nicht mehr nur in den Wintermonaten. Die kritischste Phase für die Vögel ist nicht der Winter, sondern das Frühjahr, sagt Anton Welzhofer. Inzwischen entfällt fast die Hälfte des Umsatzes mit Wildvogelfutter auf die Sommermonate, was die klassische Saisonalität zunehmend aufweicht.

7.000 Tonnen Vogelfutter als Kernprodukt

Mit einer Jahresmenge von 6.000 bis 7.000 Tonnen bleibt Wildvogelfutter das mit Abstand wichtigste Standbein. Dafür arbeitet das Unternehmen mit mehreren Grundmischungen, die sich an den unterschiedlichen Ernährungsweisen heimischer Vogelarten orientieren, darunter Fettfutter, Mischfutter, Spezialfutter und Aufbaufutter.

Die Rezepturen unterscheiden zwischen Körner-, Weich- und Beerenfressern und sind auf verschiedene Phasen im Jahresverlauf ausgelegt, insbesondere auf Zeiten erhöhten Energiebedarfs wie Brut und Aufzucht. Rohfette werden im eigenen Betrieb weiterverarbeitet, Saaten und Getreide stammen überwiegend aus europäischen Lieferketten.

Wissensvermittlung über Magazin und Vogellexikon

Parallel zum Produktangebot investiert Welzhofer systematisch in Wissensvermittlung. Mit dem firmeneigenen Magazin “Zwitscher” sowie einem umfangreichen Online-Vogellexikon ergänzt das Unternehmen sein Sortiment um erklärende Inhalte rund um Vogelfütterung und Artenkunde. Beiträge befassen sich unter anderem mit verbreiteten Irrtümern der Winterfütterung, der Bedeutung von Insektenrückgängen oder der Frage, warum die Ganzjahresfütterung aus Sicht des Unternehmens sinnvoll ist.

Die Inhalte des Magazins sind eng an das Produktportfolio gekoppelt, zielen aber zugleich darauf ab, Kunden in ihrer Anwendung zu begleiten und die Fütterung stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Tiere auszurichten. Die Wissensangebote stützen damit auch die strategische Ausrichtung auf eine Entsaisonalierung des eigenen Geschäfts.

Erweiterung auf Igel- und Eichhörnchenfutter

Über das klassische Vogelfutter hinaus hat Welzhofer das Sortiment in den vergangenen Jahren gezielt erweitert. Produkte für Igel und Eichhörnchen richten sich an dieselbe Kundengruppe, folgen jedoch einer eigenen Logik. Auch hier stehen artgerechte Zusammensetzungen im Vordergrund, ergänzt um Hinweise zur richtigen Fütterung und Platzierung. Die Produktlinien knüpfen an den Garten als gemeinsamen Lebensraum an und erweitern das Angebot entlang eines klar umrissenen Naturkontexts. Die Sortimentsbreite wächst damit strategisch und bleibt thematisch fokussiert auf Wildtiere im unmittelbaren Umfeld der Kunden.

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Carsten Schmidt

Carsten Schmidt ist seit Januar 2024 freier Autor für die Deutschen Wirtschafts­nachrichten. Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist ist seit über zehn Jahren für verschiedene Wirtschafts- und Finanzmedien aktiv, unter anderem für CAPinside, DASINVESTMENT.com, multiasset.com, das private-banking-magazin.de sowie den Norddeutschen Rundfunk und die Lübecker Nachrichten. Darüber hinaus war er unter anderem für die HypoVereinsbank und verschiedene Kommunikationsagenturen tätig. Seine Schwerpunkte liegen auf Finanzmärkten und Fondsanalysen sowie Mittelstand und Wirtschaftspolitik. Carsten Schmidt ist Diplom-Germanist und Mitgründer des Surf- und Outdoormagazins Waves & Woods (2017).
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