Immobilien

Immobilienmarkt: Bau-Reform mit einem erweitertem Vorkaufsrecht der Kommunen für Grundstücke geplant

Die Bundesregierung plant eine Reform des Baurechts, das den Kommunen deutlich mehr Eingriffsmöglichkeiten als bisher auf dem Immobilienmarkt verschaffen soll - unter Umständen, wenn Käufer extremistische Tendenzen zeigen. Welche neue Regelung verfassungswidrige Bedenken hervorruft und warum das Bauministerium die Pläne jetzt verteidigt.
14.04.2026 20:11
Lesezeit: 2 min
Immobilienmarkt: Bau-Reform mit einem erweitertem Vorkaufsrecht der Kommunen für Grundstücke geplant
Bauministerin Verena Hubertz (SPD): Ein neuer Gesetzentwurf aus ihrem Haus sieht einen weiteren „Vorkaufsrechtstatbestand“ für Kommunen vor. (Foto: dpa) Foto: Sebastian Gollnow

Immobilienmarkt: Bau-Reform mit Vorkaufsrecht der Kommunen für Grundstücke geplant

Auslöser der aktuellen Debatte sind Überlegungen im Bundesbauministerium, wonach Kommunen künftig gezielt in Immobilienkäufe eingreifen könnten – unter Umständen auch dann, wenn Käufer "verfassungsfeindliche Bestrebungen" verfolgen.

Nun hat das Bundesbauministerium die Pläne für ein neues Vorkaufsrecht für Grundstücke durch Kommunen verteidigt, um den Immobilienerwerb durch Mitglieder krimineller Banden oder extremistischer Organisationen verhindern zu können. "Es geht darum, dem Abdriften von Stadtvierteln oder Straßenzügen in Städten und Gemeinden durch starke und handlungsfähige Kommunen mit den Mitteln des Bauplanungsrechts entgegenzuwirken", teilte eine Sprecherin auf Nachfrage mit.

Bauministerium verteidigt geplantes Vorkaufsrecht für Kommunen

Das Vorkaufsrecht sei so ausgestaltet, dass die Kommunen davon «in engen Grenzen und mit Bedacht und behutsam Gebrauch machen können, wenn es die reale Situation tatsächlich erfordert». Die Regelung werde an strenge und vollständig gerichtlich überprüfbare Voraussetzungen geknüpft, fügte sie hinzu. Bei Ausübung des Vorkaufsrechts gegenüber Extremisten, seien diese aus dem rechten, linken oder einem religiösen Spektrum, müssten deren verfassungsfeindliche Bestrebungen jeweils ganz konkret und belastbar nachgewiesen werden.

Kritik an mehr Macht für Kommunen

«Nius», «Bild» und andere Medien hatten über Kritik an den Plänen berichtet. Die AfD hatte den Vorwurf erhoben, beim Immobilienkauf sollten künftig demjenigen Steine in den Weg gelegt werden können, der andere politische Meinungen als die Regierung habe.

AfD-Bundestagsfraktionsvize Jörn König schrieb dazu auf Facebook: „Wer andere politische Meinungen als die Regierung hat, dem sollen zukünftig große Steine beim Immobilienkauf in den Weg gelegt werden können.“ Auch der baupolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Marc Bernhard, hatte das Vorkaufsrecht als verfassungswidrig bezeichnet. „Bild“ zitierte den Verfassungsrechtler Volker Boehme-Neßler mit den Worten: „Hochproblematisch! Das verletzt das Grundrecht der Meinungsfreiheit.“

Pläne seit Anfang des Monats öffentlich

Bauministerin Verena Hubertz (SPD) hatte Anfang des Monats ihre Reformpläne vorgestellt. Das Ministerium versandte den dazugehörigen Gesetzentwurf im Stadium eines Referentenentwurfs (früher Entwurf) an Verbände und Bundesländer zur Stellungnahme und stellte diesen online. «Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Gesetzentwurf innerhalb der Bundesregierung noch nicht abgestimmt ist», hieß es dazu.

Ein Kabinettsbeschluss wird noch vor der Sommerpause angestrebt. Bis dahin und auch im anschließenden parlamentarischen Verfahren bis zum Bundestagsbeschluss kann sich noch einiges an den Plänen ändern.

Neues Vorkaufsrecht bei extremistischen Verdacht

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie in den Kommunen zusätzlicher Wohnraum entstehen kann. Kommunen sollen dafür in angespannten Märkten ein «überragendes öffentliches Interesse» für Wohnungsbau aktivieren können. Dann würde dem Wohnungsbau bei Konflikten Vorrang zum Beispiel vor Denkmalschutz oder Naturschutz eingeräumt.

Eingeführt werden soll laut Gesetzentwurf aber auch das Vorkaufsrecht für die Kommunen, das «sozialen Missständen vorbeugen soll, die durch die räumliche Wirkung organisierter Kriminalität sowie rechts-, links- oder religiös motivierter extremistischer Bestrebungen entstehen». Das soll einer «Abwärtsentwicklung von Quartieren», einer Ballung krimineller Gruppen in bestimmten großstädtischen Gebieten und der Bildung sogenannter national befreiter Zonen, wie sie die rechtsextreme Szene beabsichtige, entgegenwirken.

Käuferinformationen vom Verfassungsschutz

Dem Entwurf zufolge sollen die Kommunen dieses Recht ausüben dürfen, wenn «Tatsachen die Annahme rechtfertigen», dass ein Käufer «die Verwirklichung» extremistischer Bestrebungen «nachdrücklich unterstützt». Zur Prüfung, ob ein solches Vorkaufsrecht besteht, sollen Städte und Gemeinden auch bei Polizei und Verfassungsschutz Informationen über den betreffenden Käufer einholen dürfen. Im Gesetzentwurf wird darauf hingewiesen, dass laut Rechtsprechung solche verfassungsfeindlichen Bestrebungen «über das bloße Vorhandensein einer politischen Meinung hinausgehen» müssen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutscher Mittelstand verzweifelt an Regierung: Warum Unternehmer frustriert sind
14.06.2026

Deutschlands mittelständische Unternehmen verlieren zunehmend das Vertrauen in die Lösungskompetenz der Bundesregierung. Wie eine falsche...

DWN
Technologie
Technologie Megatrends zeigen Europas gefährliche Zukunftslücke
14.06.2026

Technologie, Schulden, Demografie und Energie verändern die Weltwirtschaft schneller, als die Politik reagieren kann. Die Analyse der...

DWN
Politik
Politik Fünf politische Dauerbaustellen: Was aus großen Reformversprechen wurde
14.06.2026

Von Ehegattensplitting bis Familienstartzeit: Diese fünf Reformprojekte sollten Deutschland verändern. Heute prägen sie vor allem eines...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Er ist dabei, Maersk zu überholen – nun gibt CMA-Chef Saadé eine aufsehenerregende Prognose ab
14.06.2026

CMA-Chef Rodolphe Saadé sieht eine Weltwirtschaft auf Speed und warnt vor neuen Schocks im Welthandel. Seine Botschaft trifft auch Maersk,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Startups suchen Geldgeber: Wer finanziert Deutschlands Zukunft?
14.06.2026

Deutschland hat kein Startup-Problem, sondern ein Kapitalproblem. Während innovative Gründer neue Technologien entwickeln, fehlt häufig...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rebecca Harding im Interview: Konflikte haben die Funktionsweise der Weltwirtschaft unwiderruflich verändert
14.06.2026

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran im Nahen Osten hat gezeigt, was ein Wirtschaftskrieg ist und wie er funktioniert, erklärt Dr....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wandert die Industrie ab? Fakten statt Ideologie
13.06.2026

Die Industrie verschwindet nicht über Nacht. Gefährlicher ist, was leiser passiert: Investitionen entstehen anderswo, Produktlinien...

DWN
Finanzen
Finanzen Rechenzentren: Warum Energieaktien zur Nebenwette auf künstliche Intelligenz werden
13.06.2026

Der Energiesektor könnte zu einem der Gewinner beim Bau der Rechenzentren werden, die für künstliche Intelligenz benötigt werden.