US-Angriff auf Venezuela verändert die Weltordnung
Am Samstagmorgen mitteleuropäischer Zeit gingen die ersten Meldungen über Explosionen in Venezuela ein. Wenige Stunden später bestätigte Donald Trump auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social, dass es einen großangelegten US-Angriff auf Venezuela gegeben habe. Der Präsident verkündete zudem weitere eine aufsehenerregende Nachricht. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro und dessen Ehefrau Cilia Flores seien festgenommen und außer Landes gebracht worden. „Die USA haben erfolgreich einen groß angelegten Angriff auf Venezuela durchgeführt, und dessen Anführer Präsident Nicolás Maduro ist gemeinsam mit seiner Ehefrau gefasst und aus dem Land ausgeflogen worden“, schrieb Trump in seinem Beitrag.
Inzwischen wurde Maduro wegen Narko-Terrorismus und Kokainschmuggels angeklagt. Dies teilte US-Justizministerin Pam Bondi auf der Plattform X mit.
Militärischer Erfolg bestätigt Trumps Doktrin
Der Angriff sei ein „gigantischer Erfolg“ für Donald Trump. Diese Einschätzung äußert Mikkel Vedby Rasmussen, Professor für internationale Politik an der Universität Kopenhagen und Experte für bewaffnete Konflikte. Er erklärt, er sei selbst überrascht gewesen. Trump sei von einer Operation, die viele Beobachter zuvor als bloßes politisches Theater eingeschätzt hätten, zu einer Maßnahme übergegangen, mit der er sein Ziel tatsächlich erreicht habe.
Trump habe bereits zuvor erklärt, dass er Maduro aus dem Amt entfernen wolle. Aus diesem Grund habe die US-Regierung versucht, Venezuela unter Druck zu setzen, unter anderem durch Angriffe auf mutmaßliche Drogenschiffe. Dass es Trump nun gelungen sei, den venezolanischen Präsidenten festzunehmen, bestätige laut Rasmussen Trumps Überzeugung von einer entschlosseneren militärischen Vorgehensweise. Trump sei der Ansicht, dass frühere US-Präsidenten militärische Macht zu zögerlich und über lange Zeiträume eingesetzt hätten, ohne klare Ergebnisse zu erzielen. Stattdessen plädiere er für schnelles und hartes Vorgehen.
Eskalation eines lang schwelenden Konflikts
Der Angriff folgt auf mehrere Monate zunehmender Spannungen zwischen den USA und der venezolanischen Führung. Seit September haben die Vereinigten Staaten Angriffe auf mutmaßliche Drogenschiffe in internationalen Gewässern nahe Venezuela durchgeführt. Gleichzeitig verstärkte Washington seine militärische Präsenz in den umliegenden Seegebieten. Trump begründete diese Maßnahmen mit dem Kampf gegen den Drogenschmuggel. Die Bekämpfung illegaler Drogenimporte gehört seit Beginn seiner Amtszeit zu seinen zentralen politischen Projekten.
Darüber hinaus machte Trump wiederholt den venezolanischen Präsidenten für die Migration Hunderttausender Venezolaner in Richtung USA verantwortlich. Nach Einschätzung von Mikkel Vedby Rasmussen besteht weiterhin erhebliche Unsicherheit darüber, wie genau es den USA gelungen ist, Maduro und seine Ehefrau festzunehmen. Auf Grundlage der bislang bekannten Informationen hält er folgendes Szenario für wahrscheinlich.
US-Spezialkräfte seien offenbar auf einer Militärbasis eingesetzt worden, auf der sich Maduro sicher gefühlt habe. Von dort sei er außer Landes gebracht worden. Es handele sich um eine Art Militäroperation, die eines Tages vermutlich filmisch verarbeitet werde. Nach dem Interview wurde bekannt, dass sich Maduro und seine Ehefrau in ihrem Wohnsitz innerhalb der Militärbasis Fuerte Tiuna befanden, als sie in der Nacht zum Samstag festgenommen und außer Landes gebracht wurden. Dies berichtete das dänische Wirtschaftsportal Borsen unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AP.
Mehrere Staaten verurteilten den Angriff am Samstag. Andere erklärten, sie beobachteten die Lage aufmerksam. Venezuela befindet sich derzeit im Ausnahmezustand. Der Aufenthaltsort des Präsidentenpaares ist bislang nicht bekannt.
Gigantischer Erfolg oder gefährlicher Präzedenzfall
Der US-Angriff auf Venezuela markiert eine neue Phase amerikanischer Außen- und Militärpolitik. Die Festnahme eines amtierenden Staatschefs durch einen ausländischen Militärschlag stellt einen tiefen Eingriff in die internationale Ordnung dar. Zugleich sendet Washington ein Signal an andere autoritäre Regime. Militärische Macht wird unter Trump wieder als direktes politisches Instrument eingesetzt. Für Europa und andere westliche Verbündete wächst damit die Unsicherheit über die zukünftige Rolle internationaler Normen und multilateraler Regeln.


