Wirtschaft

Consultingbranche: Warum Wachstum Berater immer teurer macht

Berater sind gefragter denn je, doch der Boom hat seinen Preis. Während Unternehmen immer stärker auf externe Expertise setzen, drücken hohe Personalkosten, technologische Umbrüche und der Kampf um Talente die Profitabilität der Consultingbranche spürbar nach unten.
24.01.2026 09:48
Lesezeit: 2 min
Consultingbranche: Warum Wachstum Berater immer teurer macht
Berater werden immer gefragter, doch ihre Profitabilität sinkt. Der harte Wettbewerb um Experten verändert die Consultingbranche grundlegend. (Foto: dpa) Foto: Ralf Hirschberger

Consultingbranche wächst schneller als der Arbeitsmarkt

Wenn Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer strategische Entscheidungen treffen oder neue Projekte starten, geschieht dies zunehmend mit externer Beratung an ihrer Seite. Entsprechend wächst auch die Bedeutung der Consultingbranche für Wirtschaft und Arbeitsmarkt. In den vergangenen zehn Jahren haben die Beratungsbranchen ihre Mitarbeiterzahl um gut 47 Prozent ausgeweitet. Heute stellen sie rund acht Prozent der gesamten privaten Beschäftigung. Im gleichen Zeitraum ist die Beschäftigung im privaten Sektor insgesamt lediglich um neunzehn Prozent gestiegen. Das berichten die Kollegen vom dänischen DWN-Partnerportal Børsen.

Trotz dieser wachsenden Nachfrage fällt es vielen Beratungsunternehmen jedoch schwer, den Boom in stabile Gewinne umzuwandeln. Das zeigt eine Analyse des dänischen Industrieverbands DI. Demnach ist das operative Ergebnis pro Mitarbeiter beim Medianunternehmen von 66.000 Kronen (umgerechnet 8.844 Euro) im Jahr 2021 auf 45.000 Kronen (umgerechnet 6.030 Euro) im Jahr 2024 gesunken.

Wettbewerb um Expertise belastet die Profitabilität

Nach Einschätzung des Industrieverbands liegt der Hauptgrund im intensiven Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte. „Es herrscht ein harter Kampf um die besten Mitarbeiter. Hinzu kommt, dass es sich häufig um hoch spezialisierte Expertise handelt, die entsprechend teuer ist“, sagt Dorthe Bjerregaard-Knudsen, Branchendirektorin für die Beratungsindustrien bei DI. Seit der Corona-Krise befindet sich die Wirtschaft in einem dauerhaften Krisenmodus. Lieferkettenstörungen, Handelskonflikte und ein sich rasant wandelndes geopolitisches Umfeld haben die Planbarkeit erheblich erschwert. Unternehmen sehen sich mit einer Vielzahl neuer Risiken konfrontiert, während verlässliche Zukunftsprognosen immer schwieriger werden.

Vor diesem Hintergrund greifen Firmen verstärkt auf externes Wissen zurück. Laut Bjerregaard-Knudsen besteht ein wachsender Bedarf, zeitlich befristet spezialisierte Kompetenzen einzukaufen, um aktuellen Herausforderungen einen Schritt voraus zu sein. Die Unsicherheit der Gegenwart zwinge Unternehmen dazu, ihre Entscheidungen auf eine möglichst solide Informationsbasis zu stützen. Besonders groß ist die Nachfrage nach Know-how in den Bereichen KI-Anwendungen, IT-Sicherheit und digitale Transformation. Das spiegelt sich auch in den Umsätzen wider. IT- und technologieorientierte Beratungen erzielen inzwischen höhere Erlöse als klassische Managementberater, Wirtschaftsprüfer oder Anwaltskanzleien.

Hohe Investitionen und Relevanz für Deutschland

Die zunehmende Komplexität der Märkte und der schnelle technologische Wandel betreffen jedoch nicht nur die Kunden der Consultingbranche, sondern auch die Beratungsunternehmen selbst. Um Unternehmen verlässlich beraten zu können, sind erhebliche Investitionen erforderlich, insbesondere in qualifiziertes Personal. Zwar wachsen die Umsätze deutlich, doch gleichzeitig steigen die Personalkosten stark an, was die Erträge pro Mitarbeiter unter Druck setzt. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede innerhalb der Branche. Größere Beratungshäuser konnten ihr operatives Ergebnis pro Mitarbeiter zuletzt steigern. Kleine und mittlere Unternehmen hingegen haben größere Schwierigkeiten, ihre Investitionen zu refinanzieren, obwohl diese notwendig sind, um technologisch und fachlich wettbewerbsfähig zu bleiben. Viele Beratungsfirmen setzen daher verstärkt auf internationale Strukturen und akquirieren Kunden außerhalb des Heimatmarktes. Ein Großteil des Umsatzwachstums der vergangenen Jahre wurde nicht mehr im Inland erzielt. Gleichzeitig profitiert die Gesamtwirtschaft von der Expansion der Consultingbranche. Die Bruttowertschöpfung des Sektors wuchs zwischen 2019 und 2024 durchschnittlich um 4,7 Prozent pro Jahr, während die gesamte Wirtschaft lediglich auf 2,2 Prozent kam.

Für Deutschland ist diese Entwicklung von direkter Bedeutung. Auch hier wächst die Consultingbrancheüberdurchschnittlich, insbesondere in den Bereichen KI-Strategien, Cyber-Sicherheit und digitale Restrukturierung. Der zunehmende Wettbewerb um hoch qualifizierte Talente dürfte daher auch deutsche Beratungsunternehmen weiter belasten, während ihre volkswirtschaftliche Bedeutung zugleich weiter steigt.

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