Unternehmen

Edeka-Händler Feneberg insolvent: 3.000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Die Feneberg-Insolvenz trifft den Lebensmitteleinzelhandel im Süden unerwartet hart. Trotz geöffneter Märkte und gesicherter Löhne steht das Traditionsunternehmen vor tiefgreifenden Entscheidungen. Wie stabil ist das Geschäftsmodell wirklich, und welche Folgen drohen Mitarbeitern, Filialen und Partnern?
09.01.2026 17:30
Aktualisiert: 09.01.2026 17:30
Lesezeit: 2 min
Edeka-Händler Feneberg insolvent: 3.000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
Edeka-Händler Feneberg in der Krise (Foto: dpa).

Feneberg-Insolvenz erschüttert den Handel im Süden

Die Feneberg-Insolvenz erschüttert den süddeutschen Lebensmitteleinzelhandel. Die Supermarktkette Feneberg hat beim Amtsgericht Kempten ein Schutzschirmverfahren beantragt und damit offiziell Insolvenz angemeldet. Ziel ist es, das Unternehmen in Eigenverwaltung wirtschaftlich neu aufzustellen. Nach Angaben des Unternehmens bleiben alle Märkte geöffnet, der Geschäftsbetrieb läuft uneingeschränkt weiter und auch die Löhne der Beschäftigten sind gesichert. Die Feneberg-Insolvenz betrifft rund 3000 Mitarbeiter und mehr als 70 Filialen in Süddeutschland sowie im österreichischen Kleinwalsertal.

Das Allgäuer Familienunternehmen Feneberg Lebensmittel GmbH gehört zum Edeka-Verbund und zählt zu den größten selbstständigen Lebensmittelhändlern Deutschlands. Je nach Quelle betreibt das Unternehmen 70 bis rund 75 Filialen, vor allem im Allgäu, in Schwaben, Oberschwaben, Oberbayern und in der Bodenseeregion. Mit etwa 3000 Beschäftigten erwirtschaftete Feneberg zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen Euro, konkret einen Netto-Umsatz von 478 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2024/25. Die Feneberg-Insolvenz kommt dennoch nicht überraschend.

Warum Feneberg insolvent ist und was Kunden jetzt wissen müssen

Als Gründe für den Schritt nennt die Unternehmensführung anhaltende Verluste, hohe Pensionsverpflichtungen im zweistelligen Millionenbereich sowie strukturelle Defizite im Filialnetz. Hinzu kommen die Nachwirkungen der Insolvenz der früheren Tochter Allgäu Fresh Foods. Dort arbeiteten rund 450 Beschäftigte; die Metzgerei steht inzwischen kurz vor dem Abschluss ihres eigenen Schutzschirmverfahrens und gehört mehrheitlich der Kupfer-Gruppe. Auch diese Vorgeschichte belastet die aktuelle Feneberg-Insolvenz erheblich.

Chefin Amelie Feneberg wandte sich direkt an die Belegschaft. „Wir als Familie stehen voll hinter diesem Schritt. Er war für uns nicht leicht, aber in Anbetracht der Umstände unumgänglich.“ Der Edeka-Händler Feneberg hatte zuvor bereits Unterstützung aus dem Konzern erhalten, unter anderem in Form eines zweistelligen Millionendarlehens. Doch offenbar reichte diese Hilfe nicht aus, um die wirtschaftlichen Probleme dauerhaft zu lösen. Damit ist klar: Feneberg insolvent zu melden, war aus Sicht der Eigentümer der letzte Ausweg.

Das Schutzschirmverfahren bedeutet, dass die Geschäftsführung grundsätzlich im Amt bleibt, jedoch unter der Aufsicht eines gerichtlich bestellten Sachwalters agiert. Zum Sachwalter wurde Insolvenz-Profi Martin Hörmann bestellt. Unterstützt wird die Sanierung außerdem von Experten der Kanzlei Grub Brugger. Die operative Verantwortung liegt bei Stephan Leibold, der bereits zuvor als Sanierer bei einem Tochterunternehmen tätig war. Er sagt: „In den letzten Jahren wurde bei Feneberg vieles angestoßen, allerdings nicht alles konsequent zu Ende gebracht. Jetzt braucht es Klarheit, Mut und Umsetzung.“

Filialnetz, Investoren und die Zukunft von Edeka-Feneberg

Für Kundinnen und Kunden soll die Feneberg-Insolvenz vorerst keine Auswirkungen haben. Das Unternehmen betont: „Die Kundinnen und Kunden können in allen Lebensmittelmärkten der Feneberg Lebensmittel GmbH wie gewohnt einkaufen: Alle Märkte bleiben geöffnet, das Sortiment ist vollständig verfügbar und der Geschäftsbetrieb läuft uneingeschränkt weiter.“ Auch Generalbevollmächtigter Jochen Sedlitz erklärt: „Das operative Kerngeschäft im Lebensmitteleinzelhandel läuft während des Verfahrens uneingeschränkt weiter.“

In der nächsten Phase steht jedoch eine Überprüfung und Neuordnung des Filialnetzes an. Bereits in der Vergangenheit hatte die Supermarktkette Feneberg rund zehn Märkte geschlossen, darunter mehrere Standorte in München und Oberbayern. Dauerhaft unwirtschaftliche Filialen sollen nun erneut kritisch bewertet werden. Schließungen sind möglich, ebenso die Übertragung einzelner Märkte oder Filialgruppen auf Investoren. Parallel läuft ein Investorenprozess, bei dem neue Gesellschafter gesucht werden. Damit könnte sich auch die Rolle von Edeka-Feneberg künftig verändern.

Die Sanierung soll im Laufe des Jahres 2026 abgeschlossen werden. Das Unternehmen spricht von einer umfassenden wirtschaftlichen und strukturellen Neuaufstellung. „Wir schaffen damit die Voraussetzungen, um Feneberg wirtschaftlich zu stabilisieren, zu modernisieren und in eine gesicherte Zukunft zu führen“, teilt das Unternehmen mit. Ob diese Strategie aufgeht, wird entscheidend dafür sein, wie die Feneberg-Insolvenz am Ende ausgeht – und wie viele Arbeitsplätze und Standorte tatsächlich erhalten bleiben.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue EU-Regeln und wie sie den europäischen Online-Unterhaltungsmarkt verändern

Die europäische Glücksspielbranche steht vor einer der größten Umbruchphasen ihrer Geschichte. Neue gesetzliche Regelungen innerhalb...

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Meilenstein in Den Haag: UN-Gericht bestätigt internationales Streikrecht
22.05.2026

Das höchste Gericht der Vereinten Nationen stärkt Beschäftigten weltweit den Rücken. In einem wegweisenden Rechtsgutachten stellte der...

DWN
Politik
Politik Drohnen-Vorfälle im Baltikum: Estland, Lettland und Litauen fordern Nato-Verstärkung
22.05.2026

Nach wiederholten Drohnen-Vorfällen in ihrem Luftraum fordern die baltischen Staaten ein entschlosseneres Eingreifen der Nato. Angesichts...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street feiert nach Nvidia-Zahlen Comeback, während Ölpreis wegen Iran-Hoffnungen nachgibt
21.05.2026

Ein turbulenter Handelstag voller unerwarteter Wendungen hält die Anleger in Atem und offenbart neue Chancen am Markt.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Düngemittelpreise explodieren und Brüssel liefert nur erste Hilfen
21.05.2026

Erst Energiekrise, dann Nahost-Krieg, jetzt die nächste Kostenwelle auf den Feldern. Europas Bauern sollen vor der kommenden Aussaat...

DWN
Politik
Politik Kreml signalisiert Gesprächsbereitschaft gegenüber Europa
21.05.2026

Russland zeigt sich nach Angaben des Kremls offen für direkte Gespräche mit europäischen Staaten. Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach von...

DWN
Panorama
Panorama Schuldspruch im Berufungsprozess: Air France und Airbus nach Absturz verurteilt
21.05.2026

Wende im Fall des Absturzes von Flug AF 447 im Jahr 2009 mit 228 Todesopfern: Ein Pariser Berufungsgericht hat Air France und Airbus der...

DWN
Politik
Politik EU-Asylwende: Abschiebezentren in Drittstaaten vor der Umsetzung
21.05.2026

Die Europäische Union steht vor einer grundlegenden Reform ihrer Abschiebepolitik. Die Verhandlungen über die neue, verschärfte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Krise der Autoindustrie: Eberspächer zieht die Reißleine in Deutschland
21.05.2026

Der Esslinger Autozulieferer Eberspächer kämpft mit Umsatzrückgängen und geopolitischen Spannungen. Als Reaktion auf die weltweite...