Politik

Grönland-Konflikt: Welche Rolle Deutschland und die Nato beim Machtkampf in der Arktis spielen

Der Grönland-Konflikt spitzt sich zu: Die Sicherheitsinteressen der USA und geopolitische Sorgen treffen im hohen Norden aufeinander. Wem dient eine neue Ordnung in der Arktis wirklich und welchen Einfluss haben Deutschland und die Nato auf US-Präsident Trump?
13.01.2026 08:50
Aktualisiert: 13.01.2026 08:50
Lesezeit: 3 min
Grönland-Konflikt: Welche Rolle Deutschland und die Nato beim Machtkampf in der Arktis spielen
Johann Wadephul (CDU), Bundesaußenminister, gibt am Montag ein Presse-Statement nach seinem Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio (Foto: dpa). Foto: Michael Kappeler

Deutschland und Nato werben für Lösung im Grönland-Konflikt

Deutschland und weitere Nato-Staaten setzen sich für eine gemeinsame sicherheitspolitische Lösung mit den USA in der Arktis und im Grönland-Konflikt ein – doch US-Präsident Donald Trump als stärkster Bündnispartner bleibt hart. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) erklärte nach einem Treffen mit seinem US-Amtskollegen Marco Rubio in Washington, er begrüße ausdrücklich, dass es in dieser Woche Gespräche zwischen der dänischen Regierung und der US-Regierung über Grönland geben werde. Er habe "keinen Zweifel, dass dies in einem freundschaftlichen und partnerschaftlichen Rahmen geschehen wird".

US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt bekräftigte am Montag erneut, Trump habe deutlich gemacht, die USA wollten Grönland kaufen, da er befürchte, dass es sonst am Ende von China oder Russland erworben oder sogar feindlich übernommen werden könnte. Dies wäre weder für die USA noch für Europa oder Grönland selbst von Vorteil, betonte sie. Es liege "nicht nur im besten Interesse der Vereinigten Staaten, sondern möglicherweise auch im besten Interesse Grönlands, Teil der Vereinigten Staaten zu werden", sagte sie.

Rubio will sich in dieser Woche mit seinem Amtskollegen Lars Løkke Rasmussen aus Dänemark treffen. Auch die grönländische Außenministerin Vivian Motzfeldt nimmt nach eigenen Angaben an dem Gespräch teil. Wann genau es stattfinden soll, wurde bislang nicht offiziell mitgeteilt. Mehrere US-Senatoren reisen laut dänischen Medien zudem zu Gesprächen mit dänischen und grönländischen Politikern nach Kopenhagen.

Wadephul: Kein Hinweis auf US-Militäraktion im Grönland-Konflikt

Der Bundesaußenminister machte nach dem Austausch mit Rubio deutlich, dass er nicht von einer US-Militäraktion zur Annexion Grönlands ausgeht. "Ich habe keinen Anhaltspunkt dafür, dass das ernsthaft erwogen wird", sagte Wadephul vor Journalisten. "Ich glaube, dass es ein gemeinsames Interesse gibt, dass wir uns um die Sicherheitsfragen, die im arktischen Raum auftreten, kümmern sollten und kümmern werden." Zugleich betonte er, bei Fragen, die Grönland und Dänemark beträfen, liege die Entscheidung bei Grönland und Dänemark selbst.

Merz: Sicherheit im Grönland-Konflikt gemeinsam mit USA stärken

Auch Kanzler Friedrich Merz (CDU) geht davon aus, dass sich die USA an einer verstärkten Nato-Präsenz rund um Grönland beteiligen werden. "Wir teilen die amerikanischen Besorgnisse, dass dieser Teil Dänemarks besser geschützt werden muss", sagte er während seines Indien-Besuchs. "Wir wollen einfach die Sicherheitslage für Grönland gemeinsam verbessern. Und ich gehe davon aus, dass die Amerikaner sich daran auch beteiligen." In welchem Umfang – "das werden die Gespräche der nächsten Tage und Wochen zeigen", so Merz.

Klingbeil: Grönland-Konflikt belastet transatlantisches Verhältnis

Vizekanzler Lars Klingbeil äußerte unterdessen "große Sorgen" mit Blick auf das transatlantische Verhältnis zu den USA. Die Bundesregierung wolle alle Möglichkeiten nutzen, um mit den Partnern im Dialog zu bleiben, betonte der SPD-Chef vor Gesprächen internationaler Finanzminister in Washington. "Aber wir sehen eben auch, dass die Diskussionen immer schwieriger werden, dass die Differenzen immer größer werden."

Trump: Nato-Initiativen ändern nichts am Grönland-Konflikt

Trump hatte zuvor klargestellt, dass ihn Vorstöße von Nato-Staaten für einen Ausbau der Bündnispräsenz in der Arktis nicht von seinem Anspruch auf Grönland abbringen. Dass Großbritannien und Deutschland darüber diskutierten, wie die Nato die Arktis besser absichern könne, ändere nichts an seiner Einschätzung, sagte er. Trump machte deutlich, dass es ihm um langfristigen Besitz von Grönland gehe. "Wir sprechen über Erwerb, nicht über eine Pacht."

Trump betont immer wieder, dass er die offiziell zum Nato-Partner Dänemark gehörende Insel unter US-Kontrolle bringen will – notfalls auch auf "die harte Art und Weise". Er verweist dabei auf die strategische Bedeutung der Insel, eine zuletzt angeblich starke Präsenz russischer und chinesischer Schiffe in der Region sowie auf die Bodenschätze Grönlands.

Nato sucht Ausweg aus dem Grönland-Konflikt

Nato-Generalsekretär Mark Rutte erklärte am Rande von Gesprächen in Kroatien, derzeit werde über weitere Schritte beraten, um die Arktis gemeinsam sicherer zu machen. Die Nato sei bereits im vergangenen Jahr auf Bitten der arktischen Bündnisstaaten USA, Kanada, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island aktiver geworden. Wie mögliche Maßnahmen konkret aussehen könnten, ließ Rutte offen.

Zuvor war bekannt geworden, dass mehrere Bündnisstaaten den Start eines neuen Überwachungseinsatzes mit dem Namen "Arctic Sentry" (deutsch etwa: Wächter der Arktis) unterstützen. Dieser soll den Amerikanern das Argument entziehen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region nicht ausreichend gewährleistet sei.

Klimawandel erhöht strategische Rolle im Grönland-Konflikt

Die größte Insel der Welt liegt zwischen den USA, Russland und Europa und ragt weit in den Polarkreis hinein. Durch den Klimawandel gewinnt die Arktis zunehmend an Bedeutung für zivile und militärische Schifffahrt. Zudem werden in Grönland Vorkommen wichtiger Mineralien, darunter seltene Erden, vermutet. Deren möglicher Abbau gilt aufgrund der klimatischen Bedingungen jedoch als äußerst schwierig.

Die USA verfügen bereits heute über weitreichende Rechte, die Insel zur eigenen Verteidigung zu nutzen. In Pituffik betreibt das US-Militär seit langem einen Stützpunkt für Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsmissionen.

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