Technologie

Solarausbau stockt: Weniger neue Photovoltaik auf deutschen Dächern – Ausbauziele in weiter Ferne

Der Solarausbau in Deutschland verliert spürbar an Tempo. Neue Zahlen zeigen deutliche Rückgänge bei Installationen auf Hausdächern und bei der Leistung. Gleichzeitig drohen politische Einschnitte. Steht die Energiewende vor einem strukturellen Problem?
27.01.2026 15:07
Lesezeit: 3 min
Solarausbau stockt: Weniger neue Photovoltaik auf deutschen Dächern – Ausbauziele in weiter Ferne
Eine Photovoltaik-Anlage: Solarausbau auf deutschen Dächern gerät ins Stocken (Foto: dpa). Foto: Fabian Sommer

Solarausbau stockt: Deutlich weniger neue Photovoltaik auf deutschen Hausdächern

Der Solarausbau auf deutschen Dächern gerät ins Stocken. 2025 wurden nur noch etwas mehr als halb so viele neue Anlagen installiert wie noch zwei Jahre zuvor, wie eine Hochrechnung des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) zeigt, die der dpa vorab vorliegt. "In einer derartigen Marktlage wäre eine weitere Verschlechterung der Rahmenbedingungen zwangsläufig Gift", warnt Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig und verweist auf den schwächelnden Solarausbau.

Gemeinsam mit zwölf weiteren Verbänden – vom Verbraucherzentrale Bundesverband bis zum Bundesverband Mittelständische Wirtschaft – warnt er daher vor deutlichen Einschnitten bei der Förderung, wie sie für 2026 derzeit diskutiert werden und den Solarausbau weiter bremsen könnten.

Konkret geht der BSW-Solar davon aus, dass 2025 rund 453.800 neue Dach-Solaranlagen im Heimsegment bis 30 Kilowatt Leistung ans Netz gingen. Grundlage sind Daten aus dem Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, ergänzt um erwartete Nachmeldungen. Die Zahl wirkt hoch, liegt aber um 29 Prozent unter dem Niveau von 2024. Schon damals war der Markt rückläufig. Verglichen mit den 793.800 Anlagen aus dem Jahr 2023 ergibt sich damit ein Einbruch um 43 Prozent innerhalb von zwei Jahren bei Solaranlagen auf deutschen Dächern.

Installierte Leistung geht deutlich zurück

Bei der neu installierten Leistung im Heimbereich fällt der Rückgang etwas geringer aus. Für 2025 rechnet der BSW-Solar mit 5,15 Gigawatt Maximalleistung (Gigawatt Peak). Gegenüber 2024 entspricht das einem Minus von 25 Prozent, im Vergleich zu 2023 sogar von gut 35 Prozent – ein weiteres Warnsignal für den Solarausbau.

Dabei ist dies nur ein Teil der neu errichteten Solarflächen. Insgesamt – also inklusive Freiflächenanlagen – erwartet der Verband 17,5 Gigawatt neu gebaute Leistung. Das liegt unter den rund 20 Gigawatt, die laut Körnig in den kommenden fünf Jahren durchschnittlich nötig wären, um die Ausbauziele aus dem EEG-Gesetz von 215 Gigawatt zu erreichen. Ende 2025 sind laut Verband etwa 118 Gigawatt installierte Maximalleistung vorhanden, davon 43,7 Gigawatt auf Dächern im Heimbereich, also bei Solaranlagen in Deutschland.

Wirtschaftsverbände warnen vor Förderkürzungen

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plant, neue kleine Solaranlagen künftig nicht mehr staatlich zu fördern, da sie sich für Verbraucher auch ohne Unterstützung rechneten. Eine Entscheidung dazu ist innerhalb der Koalition jedoch noch nicht gefallen.

Körnig widerspricht dieser Einschätzung ausdrücklich. Von einer Überförderung der Dachanlagen könne keine Rede sein, betont er. "Das belegt eine seit zwei Jahren rückgängige PV-Nachfrage in Deutschlands Eigenheimsiedlungen. Anstelle weiterer Fördereinschnitte braucht es politischen Rückenwind und verlässliche Rahmenbedingungen." Gerade für den Solarausbau und für Solaranlagen auf deutschen Dächern sei Planungssicherheit entscheidend.

In dieselbe Richtung zielt auch der Appell der Verbände: "Ohne einen attraktiven Förderrahmen dürfte sich der Photovoltaik-Zubau im Eigenheimsegment mehr als halbieren", warnen sie. Im Bereich der Mehrfamilienhäuser rechnen sie mit einer Stagnation "auf zu niedrigem Niveau". "Dies würde die Klimaziele gefährden und die Abhängigkeit von teuren fossilen Energieträgern verlängern." Konkret fordern sie daher, die Ausbauziele bei erneuerbaren Energien beizubehalten und bei der Förderung keine tiefgreifenden Einschnitte vorzunehmen, sondern lediglich nachzusteuern, um den Solarausbau zu stabilisieren.

Auch Balkonkraftwerke verlieren an Dynamik

Für die beliebten Balkonkraftwerke spielt staatliche Förderung zwar keine Rolle, doch auch hier zeigt sich 2025 eine Abschwächung. Nach extremen Wachstumsraten seit Beginn des Ukrainekrieges stagniert der Zubau. Für 2025 rechnet der BSW-Solar mit 436.100 neuen Anlagen. Das ist geringfügig weniger als 2024 und betrifft ebenfalls Solaranlagen in Deutschland.

Die Anlagen sind bei Verbrauchern gefragt, da sie günstig, einfach zu installieren und relativ schnell amortisiert sind, für die Energiewende haben sie jedoch nur begrenzte Bedeutung. Die inzwischen rund 1,2 Millionen existierenden Steckersolaranlagen kommen zusammen auf 1,2 Gigawatt Maximalleistung. Der Zubau im Jahr 2025 lag bei gut einem halben Gigawatt und kann den schwachen Solarausbau insgesamt nicht ausgleichen.

Solarausbau braucht neue Impulse

Der aktuelle Rückgang beim Solarausbau zeigt, wie sensibel der Markt auf politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen reagiert. Solaranlagen auf deutschen Dächern galten lange als tragende Säule der Energiewende, verlieren jedoch spürbar an Dynamik. Sinkende Installationszahlen, eine schwächere Nachfrage und die Diskussion um Förderkürzungen verstärken die Unsicherheit zusätzlich. Auch Solaranlagen in Deutschland außerhalb des klassischen Eigenheimsegments können diese Lücke bislang nicht schließen. Um die Ausbauziele zu erreichen und Planungssicherheit zu schaffen, braucht der Solarausbau verlässliche Rahmenbedingungen, gezielte Nachjustierungen bei der Förderung und klare politische Signale. Nur so kann das Vertrauen von Verbrauchern und Investoren nachhaltig gestärkt werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik EU und Ungarn: Spionageverdacht erschüttert Vertrauen in Europa
26.03.2026

Misstrauen breitet sich in der Europäischen Union aus und trifft einen ihrer eigenen Mitgliedstaaten. Der Verdacht, dass Ungarn...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienmarkt in Gefahr: Investoren warnen vor Eskalation im Iran-Konflikt
25.03.2026

Die Märkte geraten ins Wanken, während geopolitische Spannungen eskalieren. Investoren befürchten nach den Drohungen eines eskalierenden...

DWN
Politik
Politik Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
25.03.2026

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Durchbruch in der Chemie: Mehr Geld und Jobgarantie für 585.000 Beschäftigte
25.03.2026

Lohnplus trotz Krise: Die rund 585.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche erhalten künftig deutlich mehr Geld. Nach...

DWN
Politik
Politik Turbo für die Verteidigung: EU plant Millionen-Spritze für Militär-Innovationen
25.03.2026

Die EU-Kommission will die militärische Schlagkraft Europas durch schnellere Innovationszyklen sichern. Ein neues Förderinstrument namens...

DWN
Politik
Politik Digitale Gewalt: Was die Regierung jetzt plant
25.03.2026

Deepfakes, Überwachung, intime Bilder – digitale Gewalt nimmt zu, und der politische Druck wächst. Die Bundesregierung arbeitet an...

DWN
Politik
Politik Recht auf Reparatur: So sparen Sie künftig Geld bei Handy, Waschmaschine & Co.
25.03.2026

Schluss mit der Wegwerf-Kultur: Das neue „Recht auf Reparatur“ soll die Lebensdauer von Haushaltsgeräten und Smartphones deutlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BASF-Aktie: Mega-Werk in China eröffnet – Wachstumschance oder riskante Wette?
25.03.2026

Der Chemieriese BASF setzt voll auf Expansion: Mit der offiziellen Eröffnung des neuen Verbundstandorts in Zhanjiang nimmt der...