Finanzen

Goldpreis: Die Edelmetalle Gold und Silber zwischen Risiko und Nachfrage

Gold und Silber haben nach einer spekulativen Übertreibung korrigiert, bleiben jedoch durch geopolitische Risiken, Zentralbanknachfrage und industriellen Bedarf gestützt. Spricht diese Lage dafür, dass Edelmetalle trotz Rücksetzer strukturell an Bedeutung gewinnen?
11.02.2026 05:55
Aktualisiert: 11.02.2026 06:55
Lesezeit: 4 min
Goldpreis: Die Edelmetalle Gold und Silber zwischen Risiko und Nachfrage
Die Preise von Gold und Silber stehen nach dem Rücksetzer weiter unter dem Einfluss geopolitischer Unsicherheiten und industrieller Nachfrage (Foto: dpa) Foto: Sven Hoppe

Goldpreis: Edelmetalle bleiben trotz Korrektur gut unterstützt

Metalle wie Gold und Silber werden weiterhin von stabilen Treibern gestützt. Nach einer Phase spekulativer Übertreibung kam es zwar zu einer kräftigen Korrektur, doch die aktuelle Datenlage spricht eher für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung. Die Gründe für steigende Preise unterscheiden sich dabei je nach Art des Metalls.

Nach Einschätzung von Konrad Ogrodowicz, Fondsmanager bei Superfund TFI, dürfte die Hausse bei Edelmetallen anhalten. In einem Webinar von F Trust iWealth sagte er, Silber sollte sich in diesem Zyklus besser entwickeln als Gold. Die Veranstaltung fand rund eine Woche nach Beginn der jüngsten Korrektur statt.

Korrektur nach spekulativer Überdehnung

Silber verbilligte sich dabei um rund 40 Prozent und verzeichnete damit den stärksten Rückgang seit fünf Jahren. Gold gab um etwa 20 Prozent nach, ein Ausmaß, das mit den Korrekturen der Jahre 2003, 2006, 2021 und 2022 vergleichbar ist. Zugleich liegt der Goldpreis weiterhin um einen zweistelligen Prozentsatz über dem Niveau zu Jahresbeginn 2026.

Michał Kurpiel, Vizepräsident von F Trust iWealth, ordnet die Bewegung als Bereinigung ein. Für Anleger, die den Markt nicht täglich verfolgen, habe sich aus seiner Sicht wenig verändert. Bei Silber sei das Bild ähnlich, allerdings mit deutlich größerer Ausschlagsbreite.

Preisziele für den Zyklus bleiben hoch

Ogrodowicz erwartet, dass Silber in diesem Konjunkturzyklus in Richtung 160 USD steigen könnte, während er bei Gold Kurse um 7.300 USD für möglich hält. Maciej Kołodziejczyk, Manager von Investor Gold, sieht den Goldpreis noch 2026 in einer Spanne von 5.300 bis 6.300 USD. Er verweist dabei auf Prognosen von Goldman Sachs und JP Morgan.

Kołodziejczyk begründet seine Erwartung mit einer strukturell stärkeren Goldnachfrage seit 2023. Aus seiner Sicht spricht diese Entwicklung dafür, dass Gold 2026 und 2027 weiter zulegen dürfte. Er verweist dabei auf Nachfragebereiche, die das Preisniveau maßgeblich mitprägen.

Trump und das anhaltende Misstrauen gegenüber dem Dollar

Kołodziejczyk rechnet nicht mit einem Rückgang der Goldkäufe durch Zentralbanken. Hintergrund sei eine Vertrauenskrise gegenüber dem US-Dollar und darüber hinaus gegenüber amerikanischen Institutionen. Zudem führten niedrigere Zinsen dazu, dass sich die Haltekosten von Gold nicht verteuerten.

Mit Blick auf die verbleibenden drei Jahre der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump sei es aus seiner Sicht schwer anzunehmen, dass Absicherungspositionen im Goldmarkt abgebaut werden. Wer Gold als Schutz vor geopolitischen Risiken halte, werde diese Motive nicht kurzfristig aufgeben. Kołodziejczyk betont, dass Trumps politisches Profil kaum auf eine spürbare Entspannung des Risikoumfelds schließen lasse.

Goldpreisrally 2025 im historischen Vergleich

Kołodziejczyk stellt den Goldanstieg im Jahr 2025 um 67,4 Prozent in einen historischen Kontext. Es sei das beste Jahr für in US-Dollar bewertetes Gold seit 1979 gewesen, einem Jahr, das von der iranischen Revolution und dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan geprägt war.

Die Korrektur, die am letzten Tag im Januar 2026 einsetzte, führt er auf eine spekulative Verschiebung der Motive zurück. Viele Marktteilnehmer hätten Long-Positionen aufgebaut, weil der Goldpreis zuvor gestiegen war. Damit habe sich der Kurs zeitweise von dem Niveau entfernt, das durch fundamentale Faktoren plausibel gewesen sei.

Davos als Marke für den Stimmungswechsel

Kołodziejczyk nennt den 19. Januar als Datum, an dem sich der Preis besonders deutlich von den Fundamentaldaten gelöst habe, den Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos. Bis dahin sei der Preisanstieg stark durch geopolitische Risiken gestützt gewesen, ausgelöst durch die militärische Intervention der USA in Venezuela und verschärft durch Streit mit europäischen Verbündeten rund um Grönland.

Während Trumps Auftritt in Davos habe die Welt jedoch keine neuen Leitlinien der US-Außenpolitik erfahren. Zudem sei der Konflikt um Grönland eher entschärft worden. Entsprechend hätte man erwarten können, dass die im Goldpreis enthaltene geopolitische Risikoprämie sinkt. Stattdessen stieg der Kurs zunächst weiter.

Nach der Bereinigung spricht wenig für weitere Rückgänge

Nach der Anpassung sieht Kołodziejczyk keinen klaren Grund für anhaltend fallende Goldpreise. Kurzfristig sei ein Rücksetzer in Richtung 4.600 USD möglich. Entscheidend sei jedoch, dass die Nachfrage in den Marktsegmenten stabil bleibe, die das Preisniveau tragen.

Aus seiner Sicht spricht das dafür, dass Gold mittelfristig wieder zulegen kann, sobald sich die Positionierung am Markt normalisiert hat. Die Korrektur bewertet er als Bereinigung, nicht als Trendbruch.

Industriebedarf macht Silber besonders sensibel

Einen Rückgang der Silbernachfrage erwartet auch Ogrodowicz nicht. Er verweist auf den ausgeprägt industriellen Charakter des Metalls. Die Photovoltaikbranche verbrauchte 2021 rund 88,9 Millionen Unzen Silber. Für 2025 wird der Bedarf dieses Sektors auf 195,7 Millionen Unzen geschätzt.

Zwar sei der Silberverbrauch pro Solarmodul durch Effizienzgewinne gesunken, doch die Produktion von Modulen habe zugleich stark zugelegt. Deshalb steige die Nachfrage nach Silber aus dem Photovoltaiksektor in Summe weiter.

Batterietechnik könnte den Bedarf zusätzlich treiben

Ogrodowicz verweist zudem auf Entwicklungsarbeiten an einem neuen Batterietyp für Elektrofahrzeuge. Dieser soll deutlich leistungsfähiger sein als heutige Zellen, würde aber ein Vielfaches an Silber benötigen. Derzeit liege die Nachfrage der Elektromobilitätsbranche bei rund 25 Millionen Unzen Silber pro Jahr. Bei einer Umstellung auf die neuen Batterien könnte sie laut Ogrodowicz deutlich zunehmen.

Er betont, dass dies kein Basisszenario sei, sondern eine mögliche Nachfrageausweitung in den kommenden Jahren. Selbst ein Kilogramm Silber pro Fahrzeug wäre für Hersteller ein überschaubarer Posten, sofern die Batterien technologisch deutlich überlegen wären.

Short-Wetten bleiben ohne große Marktwirkung

Die Meldung, der chinesische Investor Bian Ximing habe eine Short-Position auf Silber im Wert von 300 Millionen USD aufgebaut, stuft Ogrodowicz als wenig marktbewegend ein. Dieses Volumen sei im globalen Silbermarkt zu klein, um nachhaltigen Preisdruck auszulösen. Aus seiner Sicht überwiegen weiterhin die Treiber auf der Nachfrageseite. Gerade der industrielle Bedarf könne Silber in diesem Zyklus stärker unterstützen als Gold.

Edelmetalle zwischen Anlageinteresse und Industriebedarf in Deutschland

Für Deutschland ist diese Entwicklung in mehrfacher Hinsicht relevant. Gold spielt weiterhin eine zentrale Rolle bei der Absicherung privater und institutioneller Vermögen in einem politisch angespannten Umfeld.

Gleichzeitig sind Photovoltaik, Energietechnik und Elektromobilität Schlüsselbranchen der deutschen Industrie, in denen Silber eine strategische Rolle einnimmt. Anhaltend hohe Preise könnten daher nicht nur Investitionsentscheidungen beeinflussen, sondern auch die Diskussion über Rohstoffsicherung und industrielle Abhängigkeiten weiter verschärfen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Cartier Tank oder Santos – welche ist zeitloser?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht: Design-Kenner sehen in der klar reduzierten Tank das zeitlosere Statement, während die vielseitigere...

 

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: US-Aktien schließen nach Tech-Rücksetzer im Minus
23.09.2026

Welche geopolitischen und wirtschaftlichen Faktoren die Wall Street zur Wochenmitte aus der Bahn warfen.

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Starker Dollar und Zinssorgen belasten Goldkurs
23.09.2026

Der Goldpreis fällt am Mittwoch deutlich. Ein stärkerer US-Dollar und die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed...

DWN
Politik
Politik Spritpreise: Deutschland plant den Deckel, Kroatien begrenzt schon heute
23.09.2026

Die Spritpreise steigen, und Europas Regierungen greifen immer stärker in den Markt ein. Deutschland senkt die Energiesteuer und plant...

DWN
Politik
Politik Protest gegen EU-Bürokratie: 13 EU-Staaten wollen Brüssel einbremsen
23.09.2026

Österreich macht gemeinsam mit zwölf weiteren EU-Staaten Druck auf Brüssel: Ein Jahr lang soll bei neuen EU-Gesetzen weitgehend auf die...

DWN
Politik
Politik Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt – BSW als Zünglein an der Waage?
23.09.2026

Die Atmosphäre sei gut, die Gespräche konstruktiv: In Sachsen-Anhalt tasten sich AfD und BSW langsam heran. Ein Patt im Landtag könnte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Henkel-Aktie unbeeindruckt: Grünes Licht für Stahl Parent-Übernahme
23.09.2026

Der Konsumgüterkonzern Henkel darf den niederländischen Spezialbeschichtungshersteller Stahl Parent für 2,1 Milliarden Euro übernehmen....

DWN
Politik
Politik Drohnenhersteller Stark Defence: Bundeswehr erhält bald Virtus-Kamikazedrohnen
23.09.2026

Der Drohnenhersteller Stark Defence steht bei einer Bundeswehr-Großbestellung von Kampfdrohnen in den Startlöchern: Die an...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes GLC im Test: Elektrisch ist er endlich so, wie er sein muss
23.09.2026

Der elektrische Mercedes GLC 400 4Matic bringt fast 500 PS, viel Komfort, hohe Ladeleistung und einen überraschend moderaten Verbrauch. Im...