Wirtschaft

Energiepreise im Fokus: Wie der Iran-Krieg die Weltwirtschaft belastet

Die militärische Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran erhöht weltweit die Nervosität an den Energiemärkten. Könnte ein längerer Konflikt im Nahen Osten durch steigende Energiepreise Inflation und schwächeres Wachstum auslösen?
Autor
avtor
11.03.2026 06:00
Lesezeit: 6 min
Energiepreise im Fokus: Wie der Iran-Krieg die Weltwirtschaft belastet
Die Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran erhöht die Risiken für steigende Energiepreise und könnte die Weltwirtschaft bei längerem Konflikt mit Inflation und schwächerem Wachstum belasten (Foto: dpa) Foto: Jens Büttner

Krieg im Nahen Osten erhöht Risiko eines globalen Wirtschaftsschocks

Wenn der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran nicht innerhalb weniger Wochen beendet wird, droht der Weltwirtschaft ein neuer wirtschaftlicher Schock. Ökonomen warnen, dass eine längere militärische Eskalation steigende Energiepreise, schwächere Konjunktur und neue Inflationsrisiken auslösen könnte.

Die wirtschaftlichen Folgen der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran zeigen sich bislang vor allem auf den Energiemärkten. Kurzfristig sei der Effekt vor allem finanzieller Natur und eng mit wachsender Unsicherheit verbunden, sagt Ruben Nizard, Analyst für politische Risiken beim französischen Kreditversicherer Coface.

Ein länger anhaltender Konflikt könne jedoch deutlich größere Folgen für Wachstum, Handel und Preisentwicklung haben. Ausgangspunkt der aktuellen Eskalation war eine militärische Operation vom 28. Februar.

Die USA und Israel griffen im Rahmen der US-Operation „Epic Rage“ iranische Ziele an, wobei Irans oberster religiöser Führer Ali Chamenei getötet wurde. Die iranische Reaktion folgte unmittelbar mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf US-Militärstützpunkte in Bahrain, Kuwait, Katar, Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Energiepreise steigen, bleiben aber unter früheren Spitzen

Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts zeigen sich bislang vor allem bei den Preisen für Öl und Gas. Zusätzlich sorgt die angespannte Sicherheitslage rund um die Straße von Hormus für Unsicherheit auf den Energiemärkten, da diese Route für den Transport großer Teile der weltweiten Energieexporte entscheidend ist.

Seit Beginn der militärischen Auseinandersetzungen ist der Ölpreis um rund 30 Prozent gestiegen. Am 4. März erreichte der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent kurzzeitig etwa 85 Dollar. Am Vormittag des 6. März lag der Preis bei knapp unter 84 Dollar pro Barrel und damit deutlich unter den Extremwerten aus dem Jahr 2022.

Damals war der Brentpreis infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine zeitweise bis auf 128 Dollar pro Barrel gestiegen. Die aktuellen Marktbewegungen bleiben daher bislang deutlich unter den Ausschlägen der damaligen Energiekrise, auch wenn die Nervosität an den Märkten inzwischen deutlich zunimmt.

Gaspreise reagieren stärker auf die Krise

Noch stärker reagierte der europäische Gasmarkt auf die geopolitischen Spannungen. Am niederländischen Handelsplatz TTF ist der Preis für Erdgas seit Beginn der militärischen Eskalation um rund 50 Prozent gestiegen, was die Sorge vor möglichen Versorgungsrisiken erneut verstärkt hat.

Terminkontrakte für Lieferungen im kommenden Monat näherten sich zuletzt der Marke von 60 Euro pro Megawattstunde. Am Vormittag des 6. März lag der Preis bei etwa 55 Euro pro Megawattstunde und damit ebenfalls deutlich über den Niveaus der vergangenen Monate.

Trotz dieses deutlichen Anstiegs bleibt der Preis jedoch weit unter den extremen Spitzen des Jahres 2022. Damals erreichten Gaspreise in Europa zeitweise rund 340 Euro pro Megawattstunde und lösten eine der schwersten Energiekrisen der vergangenen Jahrzehnte aus.

Straße von Hormus als zentrales Risiko

Nach Einschätzung von Coface spiegelt der aktuelle Preisanstieg bislang vor allem einen geopolitischen Risikoaufschlag wider. Konkrete Lieferausfälle sind bisher nicht eingetreten, doch die Märkte reagieren empfindlich auf jede mögliche Bedrohung für wichtige Handelsrouten.

Sollten die Spannungen länger anhalten, könnte sich die Lage jedoch deutlich verschärfen. Besonders kritisch wäre eine nachhaltige Störung der Schifffahrt in der Straße von Hormus, die zu den wichtigsten Energierouten der Welt gehört.

Laut Coface könnte der Brentpreis in einem solchen Szenario wieder das Niveau von Anfang 2022 erreichen. Damals stieg der Ölpreis infolge des Ukrainekriegs zeitweise bis auf etwa 122 Dollar pro Barrel.

Hohe Ölreserven dämpfen bislang den Preisanstieg

Viele Marktbeobachter fragen sich, warum der Ölpreis bislang nicht deutlich über die Marke von 100 Dollar pro Barrel gestiegen ist. Einige Analysten hatten kurzfristig sogar einen Anstieg in eine Spanne zwischen 90 und 100 Dollar erwartet.

Ein wichtiger Grund liegt laut Coface darin, dass der Markt vor Beginn des Konflikts relativ gut versorgt war. Viele Staaten hatten im vergangenen Jahr ihre strategischen Ölreserven deutlich erhöht und damit zusätzliche Puffer aufgebaut.

Auch in der Europäischen Union existiert ein System verpflichtender Öl- und Gasreserven. China verfügt darüber hinaus über Vorräte, die den Energiebedarf des Landes für mehr als 120 Tage decken könnten, selbst wenn keine neuen Lieferungen eintreffen würden.

Gasreserven in Europa deutlich niedriger

Anders stellt sich die Situation auf dem europäischen Gasmarkt dar. Die Speicher in Europa sind derzeit deutlich weniger gefüllt als im gleichen Zeitraum der vergangenen Jahre, was die Märkte anfälliger für geopolitische Spannungen macht.

Anfang März lag die durchschnittliche Füllmenge der europäischen Gasspeicher bei etwa 30 Prozent. Im Vorjahr waren die Speicher zu diesem Zeitpunkt noch mehr als zur Hälfte gefüllt und boten damit deutlich größere Versorgungssicherheit.

In Deutschland beträgt die Auslastung laut Reuters aktuell rund 27 Prozent. Seit dem Jahr 2023 lag der durchschnittliche Füllstand zu diesem Zeitpunkt bei etwa 64 Prozent, was den Unterschied zur aktuellen Situation besonders deutlich macht.

Strategische Bedeutung der Straße von Hormus

Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten maritimen Transportwegen der Welt. Ein erheblicher Teil der globalen Energieexporte wird über diese Route abgewickelt, weshalb jede Störung dort unmittelbare Auswirkungen auf die Energiemärkte hat.

Rund 30 Prozent der weltweiten Transporte von Rohöl und Kondensaten passieren diese Meerenge. Hinzu kommen etwa 23 Prozent der Transporte von Gaskondensaten sowie rund 19 Prozent des weltweiten Handels mit Flüssigerdgas. Über diese Route werden zudem zahlreiche andere Rohstoffe transportiert. Dazu zählen Düngemittel, Industriemetalle, petrochemische Produkte sowie landwirtschaftliche Güter und mineralische Rohstoffe.

Asien könnte Europa Konkurrenz machen

Beim Öl gehen rund 80 Prozent der Tankerlieferungen aus der Straße von Hormus in Richtung asiatischer Märkte. Etwa ein Viertel dieser Lieferungen entfällt allein auf China, das damit einer der wichtigsten Abnehmer für Energie aus der Region ist.

Sollten asiatische Länder weniger Energie aus dem Nahen Osten erhalten, würden sie verstärkt alternative Lieferanten suchen. Dabei könnten sie auch auf jene Staaten zurückgreifen, die heute wichtige Energiequellen für Europa darstellen.

Ein zentraler möglicher Ersatzlieferant sind die Vereinigten Staaten. Japan und Taiwan verhandeln bereits über zusätzliche Lieferungen von Flüssigerdgas aus den USA, um mögliche Versorgungsrisiken frühzeitig auszugleichen.

Begrenzte Reserven auf dem Ölmarkt

Der Iran produziert derzeit mehr als drei Millionen Barrel Öl pro Tag und exportiert rund zwei Millionen Barrel täglich. Der größte Teil dieser Lieferungen geht nach China, das damit einer der wichtigsten Abnehmer iranischer Energie ist.

Die Reservekapazitäten der Opec+-Staaten werden derzeit auf etwa vier bis fünf Millionen Barrel pro Tag geschätzt. Diese zusätzlichen Fördermöglichkeiten sind jedoch begrenzt und auf wenige Länder konzentriert.

Daher bleibt unklar, in welchem Umfang diese Reserven einen größeren Ausfall von Lieferungen tatsächlich ausgleichen könnten. Ein länger anhaltender Konflikt würde daher auch die Stabilität der globalen Ölversorgung infrage stellen.

Dauer des Konflikts entscheidet über wirtschaftliche Folgen

Die wirtschaftlichen Auswirkungen hängen entscheidend davon ab, wie lange die militärische Eskalation andauert. Die Finanzmärkte gehen derzeit offenbar noch davon aus, dass mögliche Störungen begrenzt bleiben könnten.

US-Präsident Donald Trump hatte zunächst erklärt, die militärische Operation könne etwa vier bis fünf Wochen dauern. Diese Einschätzung prägte zunächst auch die Erwartungen vieler Marktteilnehmer. Inzwischen räumte Trump jedoch ein, dass sich der Konflikt auch länger hinziehen könnte. Je länger die Auseinandersetzung andauert, desto stärker könnten die wirtschaftlichen Auswirkungen ausfallen.

Folgen für Inflation und Wachstum

Langfristig sehen die Analysten vor allem makroökonomische Risiken. Sollte der Ölpreis dauerhaft über der Marke von 100 Dollar pro Barrel liegen, könnte dies die weltweite Inflation erneut antreiben. Zentralbanken, die zuletzt über eine Lockerung ihrer Geldpolitik nachgedacht hatten, könnten gezwungen sein, ihre Strategie zu überdenken. Auch für die Europäische Zentralbank würde ein solcher Preisschock neue Herausforderungen schaffen.

Nach Schätzungen von Coface würde ein dauerhafter Anstieg des Brentpreises um 15 Dollar pro Barrel das globale Wirtschaftswachstum um etwa 0,2 Prozentpunkte verringern. Gleichzeitig könnte die Inflation weltweit um etwa 0,5 Prozentpunkte steigen.

Bedeutung für die deutsche Wirtschaft

Ein länger anhaltender Konflikt im Nahen Osten würde damit weit über die Energiemärkte hinaus wirken. Höhere Energiepreise, steigende Transportkosten und unsichere Handelsrouten könnten die Weltwirtschaft deutlich belasten.

Für Deutschland wäre eine solche Entwicklung besonders relevant. Die exportorientierte Industrie ist stark von stabilen Energiepreisen, funktionierenden Handelsrouten und verlässlichen Rohstofflieferungen abhängig.

Sollten Energiepreise deutlich steigen und wichtige Handelsrouten gestört werden, könnte dies die wirtschaftliche Erholung in Deutschland bremsen. Gleichzeitig würde ein neuer Inflationsdruck die wirtschaftspolitischen Spielräume zusätzlich einengen.

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Albina Kenda

Zum Autor:

Albina Kenda ist eine erfahrene Journalistin, die sich auf die Berichterstattung über Geldpolitik und EU-Themen für die slowenische Wirtschaftszeitung Casnik Finance spezialisiert hat. Sie arbeitet sich regelmäßig durch endlose Stapel von Berichten, Vorschlägen, Reden und Diskussionen, um so klar wie möglich darzustellen, wie internationale und insbesondere europäische Themen uns alle betreffen, auch wenn wir uns nicht dafür interessieren.

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