Politik

CDU gewinnt Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Das sind die Folgen für Berlin

Nach der Rheinland-Pfalz-Wahl beginnt die Phase der politischen Neuordnung. Parteien ringen um Deutungshoheit und Strategien, während erste Konsequenzen sichtbar werden. Doch welche Auswirkungen hat das Wahlergebnis wirklich – und drohen nun auch Verschiebungen auf Bundesebene?
23.03.2026 08:43
Lesezeit: 3 min

Machtwechsel nach der Rheinland-Pfalz-Wahl – Folgen für Berlin?

Nach der Rheinland-Pfalz-Wahl beraten und analysieren die Parteien heute die Resultate der Landtagswahl. Für die SPD mit Ministerpräsident und Spitzenkandidat Alexander Schweitzer bedeutete die Rheinland-Pfalz-Wahl eine äußerst schmerzhafte Niederlage. Die Sozialdemokraten regieren das Bundesland seit 35 Jahren und hatten bei einer Landtagswahl noch nie so schwach abgeschnitten. Künftig bleibt ihnen wohl nur die Junior-Rolle in der Landesregierung nach dieser Rheinland-Pfalz-Wahl.

Die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Gordon Schnieder ging aus der Rheinland-Pfalz-Wahl als klarer Sieger hervor. Die Christdemokraten können nach mehr als drei Jahrzehnten die Oppositionsrolle aller Voraussicht nach verlassen und streben ein Bündnis unter ihrer Führung mit den Sozialdemokraten an. "Wir werden in der demokratischen Mitte eine Koalition bilden. Ich habe mit den Extremisten von rechts nie zusammengearbeitet, werde das nicht tun", machte Schnieder noch am Wahlabend deutlich, dass er keine Grundlage für Gespräche oder sogar ein Bündnis mit der AfD sieht, die ihr Ergebnis mehr als verdoppeln konnte.

Bundesparteien analysieren Rheinland-Pfalz-Wahl in Berlin

Das Ergebnis der Rheinland-Pfalz-Wahl ist auch für die Bundes-SPD ein schwerer Rückschlag. Schon am Abend hatten die Sozialdemokraten um Schweitzer den Bundestrend ihrer Partei für die Niederlage bei der Landtagswahl mitverantwortlich gemacht. Das SPD-Präsidium analysiert in Berlin (9.00 Uhr) das Ergebnis der Rheinland-Pfalz-Wahl, dazu wird auch Schweitzer erwartet, der am Abend lange gebraucht hatte, um vor seinen Anhängern aufzutreten. Schweitzer schließt aus, Minister in einer künftigen Landesregierung unter Führung der CDU zu werden.

"Wir müssen auch in den nächsten Tagen in den Gremien sehr deutlich darüber reden, ob der Weg, den wir, Lars Klingbeil und ich, eingeschlagen haben, der richtige ist und ob wir ihn weiter fortsetzen", sagte die Co-Vorsitzende Bärbel Bas am Wahlabend. Verteidigungsminister Boris Pistorius wies Rufe nach einem kompletten Wechsel der SPD-Parteispitze zurück. Es brauche jetzt weder in der Partei noch in der Koalition eine Personaldiskussion. "Das wäre unverantwortlich und ich stehe dafür nicht zur Verfügung."

Analyse nennt Ursachen der Rheinland-Pfalz-Wahl

Eine Analyse der Forschungsgruppe Wahlen hat hingegen auch in Rheinland-Pfalz Ursachen für den Absturz der SPD im Zuge der Rheinland-Pfalz-Wahl identifiziert. "Verantwortlich für den SPD-Einbruch sind eine schwache Regierungsbilanz, gesunkenes Parteiansehen und sachpolitische Defizite", heißt es in ihrer Untersuchung des Ergebnisses.

Deutlich entspannter kann die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Schnieder das Resultat der Rheinland-Pfalz-Wahl bewerten. Auch die Bundesspitze der Partei um Friedrich Merz dürfte erleichtert sein – anders als in Baden-Württemberg ist es der Partei gelungen, den in Umfragen ermittelten Vorsprung ins Ziel zu bringen. Präsidium und Bundesvorstand der Partei tagen ebenfalls in Berlin (ab 9.00 Uhr).

CDU deutlich vor SPD bei Rheinland-Pfalz-Wahl

Die CDU war am Sonntag bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz klar stärkste Kraft geworden, das von vielen erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Parteien blieb aus. Nach dem vorläufigen Ergebnis des Landeswahlleiters kam die CDU auf 31,0 Prozent (plus 3,3 Punkte).

Die SPD verlor im Vergleich zur vorherigen Wahl 2021 knapp zehn Prozentpunkte und fiel auf 25,9 Prozent der Stimmen zurück. So schlecht war sie noch nie bei einer Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Schweitzer war erstmals als Spitzenkandidat für die SPD angetreten, er hatte das Amt als Ministerpräsident im Sommer 2024 von Malu Dreyer übernommen.

AfD als Gewinner der Rheinland-Pfalz-Wahl

Die AfD verzeichnete von allen Parteien die größten Zuwächse bei der Rheinland-Pfalz-Wahl. Sie konnte ihr Ergebnis (2021: 8,3 Prozent) mehr als verdoppeln und erreichte mit 19,5 Prozent ihren bisher besten Wert in einem westdeutschen Bundesland. "Wir werden jetzt eine starke Opposition sein. Wir haben 24 Abgeordnete, können deutlich mehr PS auf die Straße bringen. Und haben die Möglichkeit, Untersuchungsausschüsse einrichten, zum Beispiel zur Aufarbeitung der Corona-Politik der Landesregierung. Und das werden wir sicherlich tun", sagte der AfD-Landtagsfraktionschef und Spitzenkandidat Jan Bollinger.

Die bislang an der Ampel-Regierung in Mainz beteiligten Grünen erhielten 7,9 Prozent der Stimmen, bei der vorherigen Wahl waren es noch 9,3 Prozent gewesen. Der Landtag in Mainz wird künftig ein Vier-Parteien-Parlament sein, denn sowohl FDP (2,1 Prozent) als auch Freie Wähler (4,2 Prozent) verpassten den Wiedereinzug deutlich. Auch die Linke scheiterte mit 4,4 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde, sie wird weiterhin nicht im Landesparlament vertreten sein.

105 Sitze im Landtag nach Rheinland-Pfalz-Wahl

Die CDU stellt künftig 39 (plus 8), die SPD 32 Abgeordnete (minus 7). Die AfD kommt auf 24 Sitze (plus 15), die Grünen auf 10 (unverändert). Weil die CDU mehr Direktmandate gewann als ihr Abgeordnetensitze nach dem Ergebnis der Landesstimmen zustehen würden, wird es im neuen Landtag zwei Überhang- und zwei Ausgleichsmandate geben. Dadurch erhöht sich die Zahl der eigentlich vorgesehenen Abgeordneten von 101 auf 105.

Seit zehn Jahren regiert eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP das Land mit seinen gut vier Millionen Einwohnern. Nun läuft alles auf eine große Koalition unter Schnieder hinaus: Andere Bündnisse sind entweder rechnerisch oder – im Falle der AfD – politisch ausgeschlossen. CDU und SPD würden zusammen auf eine breite Mehrheit von 71 der 105 Mandate kommen.

Zur Wahl aufgerufen waren knapp drei Millionen Menschen in Rheinland-Pfalz. Die Wahlbeteiligung lag laut Landeswahlleiter bei 68,5 Prozent und damit höher als bei der von der Corona-Pandemie geprägten Wahl 2021 (64,3 Prozent).

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