Konflikt an der Straße von Hormus weitet sich auf die Weltmeere aus
Iran gibt an, zwei kommerzielle Frachtschiffe beschlagnahmt zu haben, nachdem zuvor drei Schiffe beschossen worden seien. Sollte sich dies bestätigen, wäre es die erste direkte iranische Beschlagnahmung seit Beginn des Konflikts.
Die Spannungen an der Straße von Hormus haben ein neues Hoch erreicht. Die USA und der Iran stehen sich in einem festgefahrenen Machtkonflikt gegenüber, bei dem es um die Kontrolle einer der wichtigsten Energierouten der Welt geht.
Am 24. April verschafften sich US-Streitkräfte Zugang zu einem Tanker mit iranischer Ölladung. Unter normalen Umständen passieren rund 20 Prozent des globalen Ölhandels sowie erhebliche Mengen Erdgas die enge Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Arabischen Meer.
Blockade trifft zentrale Energieflüsse
Der Schiffsverkehr ist inzwischen massiv eingeschränkt, da beide Seiten die Passage blockieren. Mehrere Schiffe haben versucht, die Sperren zu umgehen, was die Lage zusätzlich verschärft. Am 21. April gelang es nach Angaben von S&P Global Market Intelligence, 14 Schiffen mit iranischem Bezug, die Passage zu durchqueren.
Zugleich zwangen US-Streitkräfte insgesamt 31 Schiffe an der Straße von Hormus zur Umkehr, darunter überwiegend Öltanker. Als am 23. April drei kommerzielle Frachtschiffe ohne Verbindung zum Iran den Persischen Golf verlassen wollten, gerieten sie unter Beschuss iranischer Einheiten. Teheran erklärt nun, zwei dieser Schiffe unter Kontrolle zu haben.
Angriffe auf internationale Frachter
Iranische Staatsmedien berichten, die Revolutionsgarden hätten das Schiff Epaminondas beschossen, nachdem die Besatzung angeblich Warnungen ignoriert habe. Kurz darauf sei auch die Euphoria unter Beschuss geraten und gestoppt worden.
Wenig später meldete der Iran den Beschuss eines dritten Schiffes, des unter panamaischer Flagge fahrenden Containerschiffes MSC Francesca. Nach Angaben der Revolutionsgarden seien sowohl die MSC Francesca als auch die Epaminondas geentert und zur iranischen Küste gebracht worden, wo Ladung und Dokumente geprüft würden.
Beide Schiffe gehören laut BBC dem globalen Schifffahrtskonzern MSC. Das Außenministerium Panamas verurteilte die Vorfälle, während Griechenland bestätigte, dass ein griechisches Frachtschiff angegriffen worden sei, ohne eine iranische Kontrolle über das Schiff zu bestätigen.
Die von iranischen Staatsmedien veröffentlichte Videoaufnahme der angeblichen Übernahme der Schiffe wird von einem US-Marineanalysten gegenüber CNN als möglicherweise inszeniert bewertet. Unabhängig davon bestätigt die britische Seesicherheitsbehörde UKMTO mindestens zwei Angriffe auf Handelsschiffe.
USA setzen den Iran auf Seewegen unter Druck
Die jüngsten Vorfälle stehen im Zusammenhang mit der US-Operation Economic Fury. Washington versucht, mit einer Blockade iranischer Häfen den wirtschaftlichen Druck auf Teheran zu erhöhen und Zugeständnisse am Verhandlungstisch zu erzwingen.
Seit dem 13. April haben US-Streitkräfte nach eigenen Angaben 31 Schiffe zur Umkehr aufgefordert. Laut Reuters wurden zudem drei iranische Tanker im Indischen Ozean gestoppt, darunter ein Supertanker mit rund zwei Millionen Barrel Rohöl.
Darüber hinaus greifen die USA zu direkteren Maßnahmen. Am 20. April wurde das iranische Frachtschiff Touska, das aus China kam, beim Versuch, einen iranischen Hafen anzulaufen, beschossen und beschlagnahmt. Nach Angaben von Reuters transportierte das Schiff militärisches Material und gehörte zu einem sanktionierten Unternehmen.
In der Nacht zum 22. April stoppten US-Kräfte zudem den Tanker Tifani im Indopazifik nahe Sri Lanka, der der iranischen Schattenflotte zugerechnet wird. Am 24. April folgte die Enterung des staatenlosen Tankers M T Majestic im Indischen Ozean. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums war das Schiff mit iranischem Öl beladen.
Konflikt erfasst internationale Handelsrouten
Die Auseinandersetzung beschränkt sich damit nicht mehr auf die Straße von Hormus. Zunehmend geraten auch zentrale Handelsrouten im Indischen Ozean in den Einflussbereich militärischer Operationen. Für den globalen Energiehandel bedeutet dies wachsende Unsicherheit. Störungen entlang dieser Routen wirken sich unmittelbar auf Transportkosten, Versicherungsprämien und Lieferketten aus.
Für Deutschland als stark importabhängige Industrienation steigen damit die Risiken weiter. Höhere Energiepreise und unsichere Lieferwege könnten die wirtschaftliche Dynamik belasten und Unternehmen zu zusätzlichen Anpassungen in ihrer Beschaffungsstrategie zwingen.

