Finanzen

Börsen überwiegend in Grün trotz Iran-Konflikt: Hoffnung auf Öffnung der Straße von Hormus

Ein möglicher Vorschlag Irans zur Öffnung der Straße von Hormus sorgt für Bewegung an den Märkten. Anleger in Deutschland reagieren mit vorsichtigem Optimismus. Auch in den USA zeigen sich die Aktienindizes überwiegend stabil, während geopolitische Risiken bestehen bleiben.
27.04.2026 15:50
Lesezeit: 7 min

Börsen reagieren auf Iran-Vorschlag zur Straße von Hormus

Die Aktienmärkte legten zum Wochenauftakt mehrheitlich zu, während der Dollar nachgab, nachdem Berichte über einen iranischen Vorschlag zur Wiederöffnung der Straße von Hormus bekannt wurden, schreibt das irische Wirtschaftsportal Business Post. Dies dämpfte die Sorge, dass Bemühungen zur Wiederaufnahme von Friedensgesprächen ins Stocken geraten könnten.

Der MSCI-Index für Asien-Pazifik stieg um 1,1 Prozent, während der Index für Schwellenländer ein Rekordniveau erreichte. Auslöser war ein Bericht von Axios über einen iranischen Vorschlag zur Beendigung des Krieges, der auch eine Verschiebung von Atomverhandlungen vorsieht. Besonders stark entwickelten sich asiatische Halbleiterwerte. Taiwan Semiconductor Manufacturing, das wertvollste Unternehmen Asiens, legte um 6 Prozent zu und erreichte ein Rekordhoch. Auch ein Index asiatischer Technologiewerte markierte ein Allzeithoch.

DAX-Kurs aktuell fester: Anleger mit Hoffnung auf Beendigung des Iran-Konflikts

Der deutsche DAX tendiert im montäglichen Börsenhandel ebenfalls fester: Parallel zum Handelsauftakt an den US-Börsen notiert der DAX-Kurs aktuell bei annähernd 24.230 Punkten - gegenüber dem Schlusskurs von Freitag ein leichtes Plus von 0,4 Prozent.

An den US-Börsen gibt es wenig Bewegung zum Start in den Montagshandel: Während sowohl der US-Leitindex Dow Jones Industrial als auch der breit S&P 500 um den Schlusskurs von Freitag pendeln, verliert der NASDAQ Composite bei 24.780 Punkten rund 0,2 Prozent.

Technologie treibt Märkte, Öl belastet Stimmung

Die positive Stimmung im asiatischen Technologiesektor übertrug sich jedoch nicht vollständig auf andere Regionen. Futures auf US- und europäische Aktienindizes gaben frühere Gewinne wieder ab. Belastend wirkte der Anstieg des Ölpreises. Brent-Rohöl verteuerte sich zeitweise um bis zu 2,1 Prozent auf 107,97 Dollar pro Barrel, nachdem es zuvor auf 106,19 Dollar gefallen war. Der Bloomberg-Dollar-Index sank um 0,1 Prozent.

„Jedes Mal, wenn es den Anschein eines Deals gibt, reagiert der Markt positiv, aber die Reaktionen werden schwächer, da Händler ermüden“, sagte Sean Keane, Chefstratege für Asien-Pazifik bei JB Drax Honore. „Die Aktienmärkte wollen steigen, und oft brauchen sie dafür nicht viel Anreiz.“ Die vorsichtige Zuversicht entstand, nachdem Gespräche über das Wochenende ins Stocken geraten waren. Präsident Donald Trump hatte eine geplante Reise seiner Gesandten abgesagt, während Teheran erklärte, nicht unter Druck verhandeln zu wollen.

Geopolitik trifft auf Geldpolitik und Berichtssaison

Trotz der jüngsten Erholung globaler Aktienmärkte bleibt die Lage angespannt. In dieser Woche stehen wichtige Entscheidungen der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank an, ebenso wie Quartalszahlen großer Technologiekonzerne. Der iranische Vorschlag wurde laut Axios über Vermittler in Pakistan gemacht. Er sieht eine Verlängerung der Waffenruhe vor, um eine dauerhafte Lösung zu ermöglichen. tomverhandlungen sollen erst nach Aufhebung einer US-Blockade der Straße von Hormus folgen.

„Die Nachricht entspricht den Markterwartungen, dass Iran und die USA letztlich eine Einigung erzielen werden“, sagte Yugo Tsuboi, Chefstratege bei Daiwa Securities. „Die Meldung kommt zu einem günstigen Zeitpunkt im Vorfeld der Hochphase der Berichtssaison.“ Auch Mark Cranfield von Bloomberg sieht positive Impulse: „Die asiatischen Aktienmärkte zeigen breite Gewinne nach dem Bericht über einen iranischen Vorschlag zur Öffnung der Straße von Hormus. Das dürfte sich in wenigen Stunden auch auf europäische Märkte übertragen.“

Kapitalmärkte im Spannungsfeld globaler Risiken

Parallel entwickelten sich auch die Anleihemärkte. US-Staatsanleihen gaben leicht nach, nachdem das Justizministerium seine Untersuchung gegen die US-Notenbank eingestellt hatte. Die Rendite zehnjähriger Anleihen stieg auf 4,32 Prozent. Der S&P 500 liegt seit Ende März fast 10 Prozent im Plus und steuert damit auf den stärksten Monatsanstieg seit Ende 2020 zu. Gleichzeitig richten Investoren ihren Blick auf mögliche Zinssenkungen.

„Investoren bleiben durch starke Unternehmensgewinne und den KI-Boom unterstützt, während sie die Lage zwischen den USA und Iran im Blick behalten“, sagte Francis Tan, Chefstratege für Asien bei Indosuez Wealth. In dieser Woche berichten große Technologiekonzerne wie Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta, gefolgt von Apple. Gemeinsam repräsentieren sie rund ein Viertel der Marktkapitalisierung des S&P 500.

„Es wird eine entscheidende Woche“, sagte Keith Lerner von Truist Advisory Services. Die Ergebnisse müssten „diese jüngste Marktbewegung bestätigen“. Die Entwicklung zeigt, wie stark geopolitische Ereignisse, Energiepreise und Geldpolitik miteinander verflochten sind. Für stark exportorientierte Volkswirtschaften ergeben sich daraus unmittelbare Auswirkungen auf Märkte, Investitionen und wirtschaftliche Stabilität.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Erholung bei Chip-Aktien stützt Nasdaq – Anleger warten auf Midterm-Ergebnisse
03.11.2026

Blick auf die Wall Street: Welche Dynamiken jetzt bei Tech-Riesen und Leitindizes die Richtung vorgeben.

DWN
Finanzen
Finanzen 21 Millionen Rentner: Gesetzliche Rente steigt 2027 um mehr als vier Prozent?
03.11.2026

Eine Erhöhung von mehr als vier Prozent steht voraussichtlich für Deutschlands Rentner an. Von 2028 an müssen sich Arbeitnehmer und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schaeffler-Aktie rutscht ab: Werke und Jobs werden Opfer der Sparmaßnahmen
03.11.2026

Die Krise in der deutschen Industrie setzt sich fort: Der fränkische Autozulieferer Schaeffler will vier deutsche Standorte schließen und...

DWN
Politik
Politik Analyse: Trumps Korruption und Kleptokratie haben ihn eingeholt
03.11.2026

Kurz vor den Zwischenwahlen rückt ein Thema überraschend an die Spitze der Sorgen amerikanischer Wähler: Korruption. Donald Trumps...

DWN
Finanzen
Finanzen Nationale Reserven: Goldkäufe der Notenbanken steigen deutlich
03.11.2026

Notenbanken haben ihre Goldkäufe im dritten Quartal deutlich ausgeweitet, während Anleger weniger Barren und Münzen kauften. Welche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lebensmittelhersteller Völpel insolvent: Hohe Energiekosten belasten Familienunternehmen
03.11.2026

Die Völpel GmbH aus Königsmoos in Bayern ist auf die Herstellung von Trockenkräutern, Tees, Trockengemüse und Kräutersalz...

DWN
Politik
Politik Ehemaliger US-Diplomat: Trumps Regierung wird von persönlichen Interessen angetrieben
03.11.2026

Der frühere US-Diplomat George Kent erwartet auch nach den Zwischenwahlen keinen Kurswechsel von Donald Trump. Er wirft der Regierung vor,...

DWN
Technologie
Technologie Energiefresser Rechenzentren: KI-Boom lässt Strombedarf drastisch steigen
03.11.2026

Schon 2026 verbrauchen deutsche Rechenzentren so viel Strom wie rund 6,5 Millionen Haushalte. Bis 2035 könnte der Bedarf nochmals stark...