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Lufthansa trotzt Öl-Schock und hält Gewinnziel

Steigende Ölpreise, Streiks und neue Risiken im Nahen Osten setzen die Lufthansa massiv unter Druck. Trotzdem überrascht der MDAX-Konzern mit besseren Zahlen und hält unbeirrt an seinem Gewinnziel fest.
07.05.2026 08:52
Lesezeit: 2 min
Lufthansa trotzt Öl-Schock und hält Gewinnziel
Lufthansa überrascht trotz Nahost-Krise mit starken Zahlen und hält an der Jahresprognose fest. (Foto: dpa) Foto: Boris Roessler

Lufthansa trotzt Nahost-Krise – Gewinnziel bleibt trotz steigender Ölpreise bestehen

Die Lufthansa Group hält trotz des Iran-Kriegs, steigender Kerosinkosten und anhaltender operativer Belastungen an ihrem Gewinnziel für 2026 fest. Der Konzern überraschte im ersten Quartal mit besseren Zahlen als erwartet – und sendet damit ein Signal der Stabilität an die Börse.

Für Europas Luftfahrtbranche kommt die Eskalation im Nahen Osten zur Unzeit. Seit Beginn der Kampfhandlungen im ölreichen Persischen Golf Ende Februar sind die Ölpreise deutlich gestiegen. Gerade für Fluggesellschaften ist das kritisch: Treibstoff gilt traditionell als größter Kostenblock.

Hinzu kommen operative Risiken. Flugrouten müssen wegen Sicherheitsbedenken angepasst oder gestrichen werden, Lufträume bleiben zeitweise gesperrt. Jede Umleitung verursacht zusätzliche Kosten und belastet die Margen.

Operativer Verlust fällt geringer aus als erwartet

Trotz dieses schwierigen Umfelds schnitt die Lufthansa im saisonal schwächsten Quartal besser ab als von Analysten erwartet. Der operative Verlust sank auf 612 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einer Verbesserung um 15 Prozent. Analysten hatten laut einer konzerninternen Umfrage mit einem Minus von 659 Millionen Euro gerechnet.

Der Umsatz erreichte 8,75 Milliarden Euro und lag damit auf dem erwarteten Niveau. Gleichzeitig markierte der Wert einen neuen Rekord für ein erstes Quartal. Da Airlines den Großteil ihrer Gewinne traditionell im Sommer erwirtschaften, gelten schwächere Jahresstarts in der Branche als üblich.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach dennoch von einer erheblichen Belastung durch die Krise im Mittleren Osten. "Allerdings sind wir resilient aufgestellt, um diese Auswirkungen abzufedern."

Lufthansa hält an Prognose für 2026 fest

Entscheidend für Anleger war jedoch vor allem der Ausblick – und der fiel überraschend optimistisch aus. Trotz höherer Kerosinkosten, Streiks und geopolitischer Unsicherheiten hält der Konzern an seiner Jahresprognose fest.

Das bereinigte EBIT soll weiterhin deutlich über dem Vorjahreswert von 1,96 Milliarden Euro liegen. Bereits 2025 hatte die Lufthansa knapp zwei Milliarden Euro Betriebsgewinn erzielt.

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt der Konzern auf mehrere Maßnahmen: höhere Ticketpreise, strengeres Kostenmanagement, Netzwerkoptimierungen und ein langsameres Kapazitätswachstum. Statt der ursprünglich geplanten vier Prozent soll das Angebot nur noch um maximal zwei Prozent wachsen.

Kurzfristig profitierte Lufthansa zudem von Problemen der Konkurrenz aus den Golfstaaten. Weil Airlines wie Emirates, Etihad Airways und Qatar Airways zeitweise Verbindungen einschränken mussten, verkaufte Lufthansa im März zusätzliche Flüge nach Asien und Afrika. Inzwischen haben die Wettbewerber ihr Angebot allerdings wieder weitgehend hochgefahren.

Kerosinkosten steigen um 1,7 Milliarden Euro

Die höheren Ölpreise schlagen dennoch massiv auf die Kosten durch. Trotz bestehender Absicherungen rechnet Lufthansa aktuell mit rund 1,7 Milliarden Euro zusätzlichen Kerosinkosten im Gesamtjahr.

Die steigenden Belastungen dürften sich auch für Passagiere bemerkbar machen. Höhere Ticketpreise gelten in der Branche inzwischen als wahrscheinlich.

Immerhin sieht das Management die Versorgung mit Treibstoff vorerst gesichert. "Derzeit sehen wir keine Engpässe", sagte Finanzchef Till Streichert. "Bis einschließlich Juni gehen wir davon aus, dass die Treibstoffversorgung an unseren Hubs gesichert ist."

Der Konzern bereitet sich dennoch auf mögliche Störungen vor.

Streiks und Cityline-Aus belasten zusätzlich

Neben den geopolitischen Risiken kämpft die Lufthansa auch mit hausgemachten Problemen. Streiks bei Piloten und Kabinenpersonal belasteten bereits das erste Quartal und führten unter anderem zur vorzeitigen Einstellung der Regionalfluglinie Cityline.

Die Arbeitskämpfe erhöhen nach Einschätzung von Analysten das Risiko weiterer operativer Störungen. Entsprechend gespalten fällt derzeit die Bewertung des Konzerns aus: Einige Experten loben die operative Robustheit, andere bleiben mit Blick auf Kostenrisiken und Wettbewerb vorsichtig.

Reiselust bleibt trotz Krisen hoch

Trotz aller Unsicherheiten sieht die Lufthansa weiterhin eine starke Nachfrage nach Flugreisen. "Die globale Nachfrage nach Flugreisen bleibt hoch und zeigt sich auch in Krisenzeiten robust", erklärte der Konzern. Für den Sommer erwartet das Management erneut eine starke Reisesaison.

Damit bleibt Lufthansa in einem schwierigen Spagat: Einerseits steigen die externen Belastungen durch Ölpreise, Sicherheitsrisiken und Arbeitskämpfe deutlich. Andererseits soll der Gewinn weiter wachsen. Ob höhere Ticketpreise, Effizienzprogramme und Netzoptimierungen ausreichen, hängt nun vor allem von der Nachfrage, der Entwicklung der Ölpreise und der Sicherheitslage im Nahen Osten ab.

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