Finanzen

Rheinmetall-Aktie: Gewinn steigt trotz Umsatzdämpfer - was das für Anleger heißt

Trotz schwächerer Erlöse überrascht Rheinmetall mit steigenden Gewinnen und ehrgeizigen Plänen im Marine-Geschäft. Die Rheinmetall-Aktie nähert sich wieder wichtigen Kursmarken, doch Anleger fragen sich: Reichen starke Aufträge und Milliardenprojekte wirklich für neuen Rückenwind beim DAX-Wert?
07.05.2026 08:36
Aktualisiert: 07.05.2026 08:36
Lesezeit: 3 min

Rheinmetall-Aktie: Gewinn steigt, Marine-Geschäft rückt stärker in den Mittelpunkt

Die Rheinmetall-Aktie steht nach Vorlage neuer Quartalszahlen am Donnerstag im Fokus der Anleger. Der Düsseldorfer DAX-Wert hat im ersten Quartal den Gewinn deutlich gesteigert und zugleich seine Jahresprognose bestätigt. Damit versucht der Konzern, nach zuletzt schwächeren Reaktionen am Markt neues Vertrauen aufzubauen.

Wie aus den aktuellen Rheinmetall-Zahlen hervorgeht, stieg der Umsatz im ersten Quartal um 7,7 Prozent auf 1,94 Milliarden Euro. Analysten hatten allerdings mit rund 2,3 Milliarden Euro gerechnet. Auch beim operativen Ergebnis blieb der Konzern hinter den Markterwartungen zurück. Dieses legte zwar um 17 Prozent auf 224 Millionen Euro zu, erwartet worden waren jedoch 262 Millionen Euro. Die operative Marge verbesserte sich auf 11,6 Prozent nach 10,5 Prozent im Vorjahr.

Deutlich besser entwickelte sich dagegen der Nettogewinn. Nach Steuern verdiente Rheinmetall 130 Millionen Euro nach zuvor 107 Millionen Euro. Nach Anteilen Dritter lag der Gewinn bei 111 Millionen Euro nach 84 Millionen Euro im Vorjahr. Vor Steuern stieg das Ergebnis von 141 Millionen Euro auf 160 Millionen Euro. Für die Rheinmetall-Aktie sind diese Quartalszahlen deshalb wichtig, weil sie trotz verfehlter Umsatzerwartungen eine hohe Profitabilität zeigen. Die Rheinmetall-Bilanz signalisiert damit weiterhin robuste Geschäfte im Verteidigungsbereich.

Rheinmetall-Aktie aktuell zwischen Kursschwäche und Auftragsboom

An der Börse bewegte sich die Rheinmetall-Aktie am Mittwoch kaum und tendierte um die Marke von 1.430 Euro. Zuvor hatte sich der Rheinmetall-Aktienkurs bereits wieder in Richtung 1.450 bis 1.500 Euro vorgearbeitet. Marktbeobachter sehen den DAX-Wert charttechnisch zwar weiterhin in einem Abwärtstrend, gleichzeitig verweisen Analysten aber auf die starke operative Entwicklung des Konzerns. Die aktuellen Rheinmetall-Zahlen könnten nach Einschätzung von Beobachtern eine Neubewertung auslösen. Besonders die enorme Auftragslage stützt die Perspektiven des Unternehmens. Nach dem ersten Quartal verfügte Rheinmetall über Aufträge im Volumen von rund 73 Milliarden Euro nach 56 Milliarden Euro im Vorjahr.

Konzernchef Armin Papperger erwartet nun ein deutlich stärkeres zweites Quartal. "Insbesondere für das zweite Quartal 2026 erwarten wir ein stärkeres Wachstum beim Umsatz und beim Auftragseingang, wo wir mit großvolumigen Beauftragungen im Marine- sowie im Fahrzeugbereich rechnen", sagte Papperger. Für das Gesamtjahr bestätigte der DAX-Wert seine Prognose. Der Umsatz soll um 40 bis 45 Prozent auf 14,0 Milliarden bis 14,5 Milliarden Euro steigen. Die operative Marge soll auf rund 19 Prozent zulegen nach 18,5 Prozent im Vorjahr.

Im vorbörslichen Handel zeigt sich die Rheinmetall-Aktie aktuell stabil. Bei Tradegate tendierte das Papier des größten deutschen Rüstungskonzerns 40 Minuten vor Handelsstart an der Frankfurter Börse um 1.438 Euro - gegenüber dem Schlusskurs von Mittwoch ein leichtes Plus von 0,3 Prozent.

Marine-Sparte wird für Rheinmetall immer wichtiger

Neben den Rheinmetall-Quartalszahlen sorgt vor allem das Marine-Geschäft für Aufmerksamkeit. Der Konzern arbeitet derzeit daran, seine Position im Marinesektor massiv auszubauen. Erst kürzlich hatte Rheinmetall die Marine-Sparte der Lürssen-Werft übernommen. Nun hat Rheinmetall außerdem ein erstes unverbindliches Übernahmeangebot für die Werft German Naval Yards Kiel (GNYK) abgegeben und konkurriert dabei mit der Thyssenkrupp-Rüstungstochter TKMS. Vertreter des Konzerns sollen demnächst Einblick in die Bücher der Werft erhalten.

Zusätzlich berichten die Financial Times und ntv, dass Rheinmetall rund zwölf Milliarden Euro vom Bund für die Übernahme des Fregatten-Programms F126 fordert. Zusammen mit bereits bereitgestellten zwei Milliarden Euro würden die Gesamtkosten für die sechs Kriegsschiffe damit auf etwa 14 Milliarden Euro steigen. Die ursprünglich geplante Fertigung durch die niederländische Damen-Werft hatte sich wegen Finanzierungsschwierigkeiten verzögert. Nun soll die von Rheinmetall übernommene Werft NVL als Generalunternehmer einspringen. Laut Bericht enthält das Angebot eine Inflationsklausel sowie eine geplante Auslieferung des ersten Schiffes im Jahr 2032.

Für die Rheinmetall-Aktie bleibt damit neben den aktuellen Zahlen vor allem die Entwicklung im Marine-Geschäft entscheidend. Anleger beobachten genau, ob der DAX-Wert seine ambitionierten Wachstumsziele und die Erwartungen an die Rheinmetall-Bilanz erfüllen kann.

Rheinmetall-Aktie bleibt einer der spannendsten DAX-Werte

Die aktuellen Rheinmetall-Zahlen zeigen ein gemischtes Bild, das Anleger dennoch aufmerksam verfolgen. Zwar blieb der Umsatz hinter den Erwartungen zurück, gleichzeitig überzeugte der Konzern mit einer deutlich verbesserten Profitabilität und einer starken Auftragslage. Besonders das Marine-Geschäft könnte für die Rheinmetall-Aktie künftig noch wichtiger werden. Milliardenprojekte, mögliche Werftübernahmen und neue Großaufträge sorgen für zusätzliche Fantasie beim DAX-Wert. Entscheidend wird nun, ob Rheinmetall im zweiten Quartal tatsächlich das angekündigte stärkere Wachstum liefern kann. Gelingt dies, dürfte auch der Rheinmetall-Aktienkurs wieder stärker in Richtung der zuletzt diskutierten Höchststände rücken.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Online-Broker-Vergleich: Die besten Aktiendepots für Anleger – Tipps zur Anbieterauswahl

Ein Online-Broker-Vergleich beginnt beim Wertpapierdepot: Ein Depot ist die Eintrittskarte zur Börse, nur mit einem Depot können Anleger...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

DWN
Finanzen
Finanzen Geldvermögen: Haushalte so reich wie nie - Rekordsumme ungleich verteilt
29.09.2026

Das weltweite Geldvermögen erreicht laut Allianz ein Rekordhoch. Doch der Zuwachs kommt bei Milliarden Menschen nicht an. Die Unterschiede...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Funflation: Warum selbst der Spaß immer teurer wird
29.09.2026

Urlaub, Restaurant oder Hobby: Wer seine Freizeit genießen will, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Eine Analyse der Bank of America...

DWN
Politik
Politik Kippt der Länderfinanzausgleich? Union droht bei Linksregierung mit Geldentzug
29.09.2026

Nach dem Wahlsieg der Linkspartei in Berlin könnte diese bald die Regierung anführen. Die CDU- und CSU-geführten Bundesländer drohen...

DWN
Finanzen
Finanzen Reicher Westen, armer Osten: Enorme Vermögensungleichheit verschärft sich 2025
29.09.2026

Am 36. Jahrestag der Wiedervereinigung herrschen enorme Unterschiede bei der Vermögensverteilung: Alleine im Jahr 2025 entfielen 95...

DWN
Politik
Politik Deutschland vergreist: Kinderwunsch sinkt – das sind die Folgen
29.09.2026

In Deutschland sinkt nicht nur kontinuierlich die Geburtenrate, sondern erstmals seit vielen Jahren sogar auch der Wunsch nach eigenen...

DWN
Finanzen
Finanzen Lateinamerika-Aktien: Das Comeback, das kaum jemand auf dem Radar hat
29.09.2026

Jahrelang mieden Anleger Lateinamerika, nun schlägt die Region sogar den S&P 500. Rohstoffe, Banken und überraschend niedrige Bewertungen...

DWN
Politik
Politik Personalie Jens Spahn: Doch kein Comeback im Haushaltausschuss
29.09.2026

Der Skandal um die Leihmutterschaft kostete Jens Spahn seinen Posten an der Spitze der CDU‑Fraktion. Im Haushaltsausschuss wollte er...

DWN
Finanzen
Finanzen Ich habe zweimal in einem Jahr die Bank gewechselt: So viel habe ich gespart
29.09.2026

Im vergangenen Jahr habe ich zweimal die Bank gewechselt. Das brachte Ärger, Fehler und Verzögerungen, aber auch eine spürbare Ersparnis...