Rheinmetall-Aktie: Gewinn steigt, Marine-Geschäft rückt stärker in den Mittelpunkt
Die Rheinmetall-Aktie steht nach Vorlage neuer Quartalszahlen am Donnerstag im Fokus der Anleger. Der Düsseldorfer DAX-Wert hat im ersten Quartal den Gewinn deutlich gesteigert und zugleich seine Jahresprognose bestätigt. Damit versucht der Konzern, nach zuletzt schwächeren Reaktionen am Markt neues Vertrauen aufzubauen.
Wie aus den aktuellen Rheinmetall-Zahlen hervorgeht, stieg der Umsatz im ersten Quartal um 7,7 Prozent auf 1,94 Milliarden Euro. Analysten hatten allerdings mit rund 2,3 Milliarden Euro gerechnet. Auch beim operativen Ergebnis blieb der Konzern hinter den Markterwartungen zurück. Dieses legte zwar um 17 Prozent auf 224 Millionen Euro zu, erwartet worden waren jedoch 262 Millionen Euro. Die operative Marge verbesserte sich auf 11,6 Prozent nach 10,5 Prozent im Vorjahr.
Deutlich besser entwickelte sich dagegen der Nettogewinn. Nach Steuern verdiente Rheinmetall 130 Millionen Euro nach zuvor 107 Millionen Euro. Nach Anteilen Dritter lag der Gewinn bei 111 Millionen Euro nach 84 Millionen Euro im Vorjahr. Vor Steuern stieg das Ergebnis von 141 Millionen Euro auf 160 Millionen Euro. Für die Rheinmetall-Aktie sind diese Quartalszahlen deshalb wichtig, weil sie trotz verfehlter Umsatzerwartungen eine hohe Profitabilität zeigen. Die Rheinmetall-Bilanz signalisiert damit weiterhin robuste Geschäfte im Verteidigungsbereich.
Rheinmetall-Aktie aktuell zwischen Kursschwäche und Auftragsboom
An der Börse bewegte sich die Rheinmetall-Aktie am Mittwoch kaum und tendierte um die Marke von 1.430 Euro. Zuvor hatte sich der Rheinmetall-Aktienkurs bereits wieder in Richtung 1.450 bis 1.500 Euro vorgearbeitet. Marktbeobachter sehen den DAX-Wert charttechnisch zwar weiterhin in einem Abwärtstrend, gleichzeitig verweisen Analysten aber auf die starke operative Entwicklung des Konzerns. Die aktuellen Rheinmetall-Zahlen könnten nach Einschätzung von Beobachtern eine Neubewertung auslösen. Besonders die enorme Auftragslage stützt die Perspektiven des Unternehmens. Nach dem ersten Quartal verfügte Rheinmetall über Aufträge im Volumen von rund 73 Milliarden Euro nach 56 Milliarden Euro im Vorjahr.
Konzernchef Armin Papperger erwartet nun ein deutlich stärkeres zweites Quartal. "Insbesondere für das zweite Quartal 2026 erwarten wir ein stärkeres Wachstum beim Umsatz und beim Auftragseingang, wo wir mit großvolumigen Beauftragungen im Marine- sowie im Fahrzeugbereich rechnen", sagte Papperger. Für das Gesamtjahr bestätigte der DAX-Wert seine Prognose. Der Umsatz soll um 40 bis 45 Prozent auf 14,0 Milliarden bis 14,5 Milliarden Euro steigen. Die operative Marge soll auf rund 19 Prozent zulegen nach 18,5 Prozent im Vorjahr.
Im vorbörslichen Handel zeigt sich die Rheinmetall-Aktie aktuell stabil. Bei Tradegate tendierte das Papier des größten deutschen Rüstungskonzerns 40 Minuten vor Handelsstart an der Frankfurter Börse um 1.438 Euro - gegenüber dem Schlusskurs von Mittwoch ein leichtes Plus von 0,3 Prozent.
Marine-Sparte wird für Rheinmetall immer wichtiger
Neben den Rheinmetall-Quartalszahlen sorgt vor allem das Marine-Geschäft für Aufmerksamkeit. Der Konzern arbeitet derzeit daran, seine Position im Marinesektor massiv auszubauen. Erst kürzlich hatte Rheinmetall die Marine-Sparte der Lürssen-Werft übernommen. Nun hat Rheinmetall außerdem ein erstes unverbindliches Übernahmeangebot für die Werft German Naval Yards Kiel (GNYK) abgegeben und konkurriert dabei mit der Thyssenkrupp-Rüstungstochter TKMS. Vertreter des Konzerns sollen demnächst Einblick in die Bücher der Werft erhalten.
Zusätzlich berichten die Financial Times und ntv, dass Rheinmetall rund zwölf Milliarden Euro vom Bund für die Übernahme des Fregatten-Programms F126 fordert. Zusammen mit bereits bereitgestellten zwei Milliarden Euro würden die Gesamtkosten für die sechs Kriegsschiffe damit auf etwa 14 Milliarden Euro steigen. Die ursprünglich geplante Fertigung durch die niederländische Damen-Werft hatte sich wegen Finanzierungsschwierigkeiten verzögert. Nun soll die von Rheinmetall übernommene Werft NVL als Generalunternehmer einspringen. Laut Bericht enthält das Angebot eine Inflationsklausel sowie eine geplante Auslieferung des ersten Schiffes im Jahr 2032.
Für die Rheinmetall-Aktie bleibt damit neben den aktuellen Zahlen vor allem die Entwicklung im Marine-Geschäft entscheidend. Anleger beobachten genau, ob der DAX-Wert seine ambitionierten Wachstumsziele und die Erwartungen an die Rheinmetall-Bilanz erfüllen kann.
Rheinmetall-Aktie bleibt einer der spannendsten DAX-Werte
Die aktuellen Rheinmetall-Zahlen zeigen ein gemischtes Bild, das Anleger dennoch aufmerksam verfolgen. Zwar blieb der Umsatz hinter den Erwartungen zurück, gleichzeitig überzeugte der Konzern mit einer deutlich verbesserten Profitabilität und einer starken Auftragslage. Besonders das Marine-Geschäft könnte für die Rheinmetall-Aktie künftig noch wichtiger werden. Milliardenprojekte, mögliche Werftübernahmen und neue Großaufträge sorgen für zusätzliche Fantasie beim DAX-Wert. Entscheidend wird nun, ob Rheinmetall im zweiten Quartal tatsächlich das angekündigte stärkere Wachstum liefern kann. Gelingt dies, dürfte auch der Rheinmetall-Aktienkurs wieder stärker in Richtung der zuletzt diskutierten Höchststände rücken.


