Politik

Keine Einheit mit Südkorea? Nordkorea streicht Wiedervereinigung aus Verfassung

Erstmals verzichtet Nordkorea in seiner Verfassung auf das Ziel der Einheit mit Südkorea. Experten interpretieren diesen Schritt höchst unterschiedlich.
07.05.2026 07:23
Lesezeit: 1 min
Keine Einheit mit Südkorea? Nordkorea streicht Wiedervereinigung aus Verfassung
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un rückt von dem jahrzehntelangen Ziel einer Wiedervereinigung mit Südkorea ab. (Foto: dpa) Foto: Uncredited

Nordkorea streicht Wiedervereinigung aus Verfassung

Nordkorea hat in einer überarbeiteten Verfassung sämtliche Bezüge zu einer Wiedervereinigung mit Südkorea gestrichen. Dies geht aus einem Dokument hervor, das Südkoreas amtliche Nachrichtenagentur Yonhap im Vereinigungsministerium in Seoul einsehen konnte.

Seit der Staatsgründung 1948 hatte es sich die nordkoreanische Regierung zum Ziel erklärt, auf eine politische Vereinigung mit dem Süden hinzuarbeiten. Erstmals rückte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un Ende 2023 rhetorisch von diesem Ziel ab, er erklärte Südkorea damals zum "Hauptfeind". Im Januar 2024 ließ die Regierung zudem das symbolische Denkmal für die Wiedervereinigung, ein 30 Meter hohes Monument im Süden der Hauptstadt Pjöngjang, abreißen.

Friedliche Koexistenz oder militärische Zuspitzung?

Das nun auch in die Verfassung gemeißelte Abrücken von einer Wiedervereinigung mit Südkorea wird von Experten unterschiedlich interpretiert. Der von Yonhap zitierte Politikwissenschaftler Lee Jung Chul von der Seouler Nationaluniversität meint, die neue Politik könne eine Grundlage für die "friedliche Koexistenz" beider koreanischer Staaten schaffen. Andere Experten sehen hingegen die Gefahr eines potenziell militärischen Konflikts zwischen den zwei Ländern gestiegen.

Seit dem Koreakrieg (1950-53) ist die koreanische Halbinsel geteilt in einen kommunistischen Norden und einen demokratischen Süden. Der Krieg endete zwar mit einem Waffenstillstand, doch bis heute haben beide Staaten keinen Friedensvertrag unterzeichnet.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Der Europäische Online-Glücksspielmarkt: Wachstum, Regulierung Und Konsolidierung 2026

Wenige Branchen wachsen in Europa derzeit so beständig wie das Online-Glücksspiel, und noch weniger tun das bei einem derart...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Kunstmarkt vor der Erbschaftswelle: Für Milliardenwerte fehlen plötzlich Käufer
16.08.2026

Kunst im Wert von rund 860 Milliarden Euro wechselt in den kommenden Jahren die Generation. Doch aus wertvollen Sammlungen können für...

DWN
Finanzen
Finanzen Adieu Frankreich, adieu Deutschland: Wohin Europas Reiche ziehen
16.08.2026

Politische Unsicherheit, hohe Steuern: Das sind die wichtigsten Gründe, warum Reiche die zwei stärksten Länder Europas verlassen. Wohin...

DWN
Panorama
Panorama Konsumflaute trifft Camping-Boom: Jetzt mobile Kaffeemaschinen kaufen und bares Geld sparen!
16.08.2026

Camping boomt, Reisen bleibt beliebt – doch gleichzeitig sitzt das Geld bei vielen Verbrauchern nicht mehr so locker. Genau in diesem...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft China-Schock 2.0 gefährdet Europas industrielle Stärke
15.08.2026

China war einst die Werkbank für Spielzeug, Textilien und billige Elektronik. Heute drängen chinesische Unternehmen bei Autos, Maschinen...

DWN
Technologie
Technologie Humanoide Roboter als nächste Technologiewelle und China lässt Europa weit hinter sich
15.08.2026

China dominiert den rasant wachsenden Markt für humanoide Roboter und verschafft europäischen Unternehmen Zugang zu günstiger...

DWN
Politik
Politik Reform UK: Rechtspopulist Farage wieder ins britische Parlament gewählt
15.08.2026

Showdown mit Müllritter: In einem selbst für britische Verhältnisse ungewöhnlichen Vorgang sichert sich Nigel Farage erneut einen Sitz...

DWN
Immobilien
Immobilien Schäden, Sanierung, Schönheitsfehler: Was muss ein Mieter zahlen, was ein Vermieter?
15.08.2026

Viele Mieter und Vermieter sind unsicher, wer bei Schäden oder Gebrauchsspuren in der Wohnung für die Kosten aufkommen muss. Wir...

DWN
Unternehmen
Unternehmen MG4 Urban im Test: Fast "Das Auto", nur aus China
15.08.2026

Als SAIC Motor das Modell MG4 vorstellte, wurde es sofort zu einem der begehrtesten in China gebauten Elektroautos. Autojournalisten...