Finanzen

Cerebras-Aktie: Nvidia-Konkurrent startet mit großem Knall an der Börse

Vor ein paar Tagen ging in den USA ein Chiphersteller an die Börse, der als einer der heißesten Nvidia-Konkurrenten gilt. Die Cerebras-Aktie war beim IPO 20-fach überzeichnet und legte am ersten Handelstag zeitweise fast 100 Prozent zu.
19.05.2026 13:27
Lesezeit: 4 min
Cerebras-Aktie: Nvidia-Konkurrent startet mit großem Knall an der Börse
Der Börsengang von Cerebras gilt als der bisher größte des Jahres. (Illustration: ChatGPT)

Nvidia-Konkurrent Cerebras-Aktie: Hype und ein gefährlich hoher Preis

Der Börsengang von Cerebras Systems, mit dem Ticker CBRS, weckte sofort Interesse. Das Unternehmen wird als direkter Konkurrent von Nvidia gehandelt, dessen Chips in bestimmten Bereichen sogar leistungsfähiger sein sollen, so das estnische Wirtschaftsportal Äripäev. Daraus ergibt sich für Anleger die Frage, ob ein Engagement in der Nvidia-Aktie neu bewertet oder zumindest stärker abgesichert werden sollte.

Beim IPO wurde Cerebras mit rund 55 Milliarden Dollar bewertet. Der Ausgabepreis lag am Ende bei 185 Dollar je Aktie. Ursprünglich war eine deutlich niedrigere Spanne von 110 bis 125 Dollar vorgesehen, doch aufgrund der starken Nachfrage wurde der Preis kräftig angehoben.

Die Nachfrage übertraf das Angebot um das 20-Fache. Entsprechend schoss die Aktie zu Handelsbeginn um fast 100 Prozent nach oben und überschritt zeitweise die Marke von 380 Dollar. Zum Handelsschluss gab sie einen Teil der frühen Gewinne wieder ab.

Es handelt sich bislang um den größten Börsengang des Jahres. Dieser Titel könnte allerdings bald weitergereicht werden, da auch Börsendebüts von SpaceX, Anthropic und OpenAI erwartet werden. Dennoch zeigt der starke Start von Cerebras, wie groß die Begeisterung rund um künstliche Intelligenz weiter ist.

Schnellere Chips als Nvidia

Der Grund, warum Cerebras als ernsthafter Rivale für Nvidia gilt, liegt in der Chiparchitektur. Das Unternehmen produziert deutlich größere Chips, die nach eigenen Angaben 15-mal schneller sind als Nvidia-Chips.

Im Detail hat Cerebras einen Chip entwickelt, der etwa die Größe eines Esstellers hat und als größter Chip der Welt gilt. Er soll rund 52-mal größer sein als Chips von Nvidia.

Während Nvidia mehrere Chips nutzt und diese in Rechenzentren miteinander verbindet, verfolgt Cerebras einen anderen Ansatz. Die Chips können nicht einfach in gewöhnliche Computer eingebaut werden. Das Unternehmen baut um sie herum eigene Systeme mit Wasserkühlung. Ein solches System soll einen ganzen Serverschrank mit Hunderten klassischen GPUs ersetzen.

Der wichtigste Unterschied liegt darin, dass bei Cerebras alles auf einer großen Siliziumplatte sitzt. Bei Nvidia werden unterschiedliche Chips in Servern verbunden. Das bedeutet, dass Informationen bei Nvidia von einem Chip zum anderen wandern müssen, was das System verlangsamt. Bei Cerebras läuft der Datenaustausch schneller. Dadurch könnte auch das Training von KI-Modellen weniger Strom verbrauchen.

Anschaulich wird der Unterschied beim Blick auf heutige KI-Anwendungen. Wenn man ChatGPT eine Frage stellt, beginnt das System nach kurzer Wartezeit Wort für Wort zu antworten. Das dauert mitunter spürbar. Bei einem großen Chip soll die Textgenerierung deutlich schneller ablaufen, ohne sichtbares Warten und Nachladen.

Das wäre ein wichtiger Schritt in eine neue Phase, in der künstliche Intelligenz stärker Teil des Alltags wird. Dafür muss die Technologie bequemer und schneller werden.

Nvidia kontrolliert den Markt

Der Nachteil von Cerebras liegt darin, dass der Markt fest in der Hand von Nvidia ist. Die Systeme von Cerebras sind nicht direkt mit Nvidias Infrastruktur und Software kompatibel. Unternehmen müssten daher Rechenzentren mit Cerebras-Chips praktisch von Grund auf neu aufbauen.

Trotz dieser Hürde hat Cerebras bereits einen Fuß in der Tür. Berichten zufolge gibt es Vereinbarungen mit OpenAI und Amazon. Mit OpenAI soll eine Vereinbarung über 20 Milliarden Dollar für drei Jahre geschlossen worden sein. OpenAI erhielt dabei rund zehn Prozent am Unternehmen und mietet Server mit Cerebras-Chips.

Große Namen sind also bereits beteiligt. Ohne OpenAI und Amazon hätte Cerebras bislang vor allem Kunden aus dem Nahen Osten vorzuweisen. Das Unternehmen steht bei Vertrieb und Markteroberung also noch am Anfang. Für Investoren der Nvidia-Aktie ist das vorerst ein Grund, nicht sofort nervös zu werden.

Milliardenumsatz bei Cerebras erwartet - und die Cerebras -Aktie?

Cerebras erzielte im vergangenen Jahr 510 Millionen Euro Umsatz und wuchs gegenüber dem Vorjahr um rund 76 Prozent. Für dieses Jahr wird ein Umsatz von einer Milliarde erwartet.

Offiziell meldete das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Gewinn von 240 Millionen Dollar. Analysten führen dies jedoch auf einen buchhalterischen Effekt zurück. Operativ liegt Cerebras demnach noch leicht im Minus.

Viele Bewertungskennzahlen gibt es direkt nach einem IPO noch nicht. Gemessen am Umsatz des vergangenen Jahres und der Marktbewertung am ersten Handelstag liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis jedoch bei über 100. Das ist sehr hoch. Sollte Cerebras in diesem Jahr tatsächlich eine Milliarde Umsatz erzielen, würde sich diese Kennzahl halbieren. Auch dann bliebe sie hoch, die Richtung wäre jedoch günstiger.

Das Unternehmen verfügt über Aufträge im Umfang von rund 24 Milliarden Dollar. Das gibt eine gewisse Sicherheit, dass Cerebras eine interessante Aktie für die Beobachtungsliste sein kann.

Cerebras-IPO: Jetzt Cerebras-Aktie kaufen?

Direkt nach dem IPO erscheint ein Einstieg bei der Cerebras-Aktie jedoch riskant. Der Preis wurde stark nach oben getrieben, und rund um die Aktie befindet sich viel spekulatives Kapital. Wenn sich die Lage beruhigt, könnte Cerebras aber als Nvidia-Konkurrent im Chipsektor interessant werden, entweder als neue Wachstumsaktie im Portfolio oder zur Reduzierung des Risikos rund um die Nvidia-Aktie.

Das heißt also, wenn neue Chiparchitekturen tatsächlich schneller und energieeffizienter werden, könnte das die Kosten für KI-Anwendungen senken und den Wettbewerb um digitale Souveränität verschärfen. Zugleich zeigt der Fall Cerebras natürlich auch, wie abhängig europäische Unternehmen weiterhin von US-Technologie und amerikanischen Kapitalmärkten bleiben.

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