Wirtschaft

Bundesbank-Prognose: Energiekrise drückt deutsches Wirtschaftswachstum

Der Konflikt im Nahen Osten belastet die deutsche Konjunktur spürbar. Die Bundesbank hat ihre Wachstumserwartungen nach unten korrigiert und warnt vor anhaltenden Problemen durch hohe Energiepreise. Neben einer sinkenden Kaufkraft drohen auch negative Folgen für die Inflation und den Arbeitsmarkt.
12.06.2026 13:38
Lesezeit: 2 min

Schwache Sommermonate erwartet – Erholung erst im Folgejahr

Die Deutsche Bundesbank prognostiziert infolge des Iran-Kriegs eine spürbare Abschwächung des Wirtschaftswachstums in Deutschland. Für das aktuelle Jahr gehen die Ökonomen nur noch von einem minimalen, kalenderbereinigten Zuwachs des realen Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent aus. Damit zeigt sich die Zentralbank noch etwas zurückhaltender als Ende des vergangenen Jahres, als für 2026 noch ein Plus von kalenderbereinigt 0,6 Prozent vorhergesagt worden war.

"Die stark gestiegenen Energiepreise dämpfen die Kaufkraft der privaten Haushalte und ihre Konsumausgaben", präzisierte die Notenbank in Frankfurt. Der plötzliche Preisschub im Energiesektor heize die Inflation weiter an, während die Betriebe zeitgleich unter neuen Problemen in den Lieferketten zu leiden hätten.

Eine schrittweise Belebung der wirtschaftlichen Aktivität wird in dem Bericht erst im Anschluss an die erwartungsgemäß schwache Sommerphase in Aussicht gestellt. Demnach könnte das Wachstum im nächsten Jahr auf 0,8 Prozent anziehen und im Jahr 2028 schließlich einen Wert von 1,4 Prozent erreichen. Dauerhafte Belastungsfaktoren für die heimische Wirtschaft bleiben laut Bundesbank jedoch der akute Mangel an qualifizierten Arbeitskräften sowie das dauerhaft hohe Niveau bei den Personal- und Energiekosten.

Prognosen reihenweise gesenkt

Mit ihrer gesenkten Prognose reiht sich die Bundesbank ein in den Chor pessimistischer Vorhersagen für die deutsche Wirtschaft. Sowohl die Bundesregierung als auch ihr Beratungsgremium, die «Wirtschaftsweisen», rechnen mit mageren 0,5 Prozent Wirtschaftswachstum in diesem Jahr. Schon 2025 war Deutschland mit einem Mini-Plus von 0,2 Prozent nur knapp am dritten Jahr ohne Wachstum in Folge vorbeigeschrammt.

Krieg treibt Inflation hoch

Höhere Kosten für Energie wie Öl und Gas treiben zudem die Inflation nach oben: Die Bundesbank rechnet dieses Jahr mit einer für europäische Vergleichszwecke harmonisierten Inflationsrate (HVPI) von 2,9 Prozent, die dann 2027 leicht auf 2,7 Prozent sinkt und erst 2028 spürbar auf 1,9 Prozent.

Auch für den Arbeitsmarkt erwartet die Bundesbank Folgen. Demnach dürfte die Beschäftigung in diesem Jahr zunächst leicht sinken und ab Mitte des kommenden Jahres wieder spürbar steigen. Ein Schrumpfen der Wirtschaft wird nach Einschätzung der Bundesbank durch höhere Staatsausgaben etwa für Infrastruktur mit den Milliarden-Sondervermögen verhindert.

Wegen der Wirtschaftskrise wächst der Druck auf die Bundesregierung, Reformen anzuschieben. Bis zur parlamentarischen Sommerpause im Juli will sie ein Reformpaket schnüren, das den Arbeitsmarkt, die Sozialversicherungen, die Einkommensteuer und den Bürokratieabbau umfasst.

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