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Renault Clio im Test: Fast nicht wiederzuerkennen, aber deutlich teurer

Der neue Clio ist größer, eleganter, technologisch fortschrittlicher und auch teurer als früher. In der bestausgestatteten Version „Esprit Alpine E-Tech 160“ kostet er fast 28.000 Euro.
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25.07.2026 11:00
Lesezeit: 5 min
Renault Clio im Test: Fast nicht wiederzuerkennen, aber deutlich teurer
Der neue Renault Clio ist im Test fast nicht wiederzuerkennen. (Foto: Marko Čopi)

Renault Clio: bis zur Unkenntlichkeit verändert

Clio ist für Renault viel mehr als nur ein weiteres Modell im Angebot. Es ist ein Auto, das die Marke geprägt hat, lange Jahre auch auf deutschen Straßen dominierte und in Millionen Exemplaren gebaut wurde. Seit 1990 wurden mehr als 17 Millionen Fahrzeuge verkauft. Damit wurde der Clio zum meistverkauften Renault aller Zeiten und zugleich zum bislang meistverkauften französischen Auto.

Doch die Autowelt verändert sich schnell. Kleine Autos sind nicht mehr billig, einfach und nur für den Stadtverkehr gedacht. Käufer erwarten von ihnen mehr Platz, mehr Technologie, mehr Komfort und auch mehr Vielseitigkeit. Genau deshalb wirkt der neue Clio fast wie ein Auto aus einer höheren Klasse.

Vom Stadtflitzer zur fast familiären Kombilimousine

Der neue Clio ist in fast alle Richtungen gewachsen. Er ist fast sieben Zentimeter länger und vier Zentimeter breiter. Auf der Straße wirkt er deshalb deutlich stabiler und selbstbewusster als zuvor. Das gilt besonders für die Version Esprit Alpine. Größere Felgen, sportlichere Stoßfänger, dunkle Details und ein deutlich markanteres Erscheinungsbild stehen ihm sehr gut.

Der Clio wirkt heute nicht mehr wie ein sympathisches Stadtauto, sondern wie ein verkleinerter größerer Renault. Die Front mit dem neuen Kühlergrill und der ausdrucksstärkeren Lichtsignatur ist deutlich mutiger als früher. Das Heck mit der flach stehenden Scheibe wirkt beinahe ein wenig coupéhaft. Der gesamte Auftritt ist reifer und selbstbewusster als bei früheren Generationen. Dadurch wirkt der Clio auf der Straße teurer, als er tatsächlich ist.

Der größte Sprung zeigt sich im Innenraum

Der größte Sprung findet vielleicht im Innenraum statt. Der Clio rückt heute deutlich näher an die größeren Renault-Modelle heran als früher. Die digitalen Bildschirme vor dem Fahrer und in der Mitte des Armaturenbretts wirken modern. Vor allem bleibt das OpenR-Link-System mit der Benutzeroberfläche von Google eines der besten Infotainment-Systeme in dieser Klasse.

Es arbeitet schnell, übersichtlich und ohne unnötige Verkomplizierung. Die Navigation mit Google Maps ist hervorragend, und die Sprachsteuerung ist endlich so brauchbar, dass der Fahrer sie tatsächlich nutzt. Wichtig ist auch, dass Renault der Mode vollständiger Digitalisierung nicht völlig erlegen ist. Die Klimaanlage hat weiterhin physische Tasten, was die tägliche Nutzung deutlich erleichtert.

Die Sitzposition hinter dem Lenkrad ist sehr gut. Man sitzt relativ niedrig, fast ein wenig sportlich, zugleich aber auch auf längeren Strecken ausreichend bequem. Die Sitze im Paket Esprit Alpine bieten guten Halt, ohne übertrieben sportlich zu sein.

Nur am Lenkrad bleibt eine Renault-Klassik mit mehreren Hebeln auf der rechten Seite erhalten. Getriebe, Radio und Scheibenwischer verlangen etwas Eingewöhnung, denn anfangs greift der Fahrer schnell zum falschen Hebel. Hat man sich daran gewöhnt, stören sie zwar nicht mehr, doch besonders intuitiv ist diese Lösung weiterhin nicht.

Mehr Platz, kleiner Kofferraum

Der längere Radstand macht sich auch beim Platzangebot bemerkbar. Hinten gibt es mehr Kniefreiheit als im früheren Clio. Vor allem wirkt der Innenraum weniger beengt. Der Kofferraum normaler Clio-Versionen fasst großzügige 391 Liter. Beim Hybrid sind es jedoch recht bescheidene 261 Liter, da die Batterie im Fahrzeugboden Platz wegnimmt.

Der interessanteste Teil des Autos bleibt der E-Tech-160-Antrieb. Renault geht bei Hybriden weiterhin einen etwas anderen Weg als die meisten Konkurrenten. Das System kombiniert einen 1,8-Liter-Saugbenziner mit vier Zylindern, zwei Elektromotoren und einer besonderen Getriebeeinheit ohne klassische Kupplung.

Der Antriebsstrang bietet 115 Kilowatt beziehungsweise 156 PS. Auf Tempo 100 beschleunigt der Clio in 8,3 Sekunden. Das reicht für flüssiges, auch dynamisches Fahren. Der elektrische Teil des Antriebs hilft sehr häufig beim Anfahren und im Stadtverkehr. Deshalb wirkt der Clio leichtfüßig, leise und angenehm entspannt.

Zugleich ist das neue Hybridsystem deutlich feiner abgestimmt als zuvor. Der Benzinmotor dreht sich zwar weiterhin gern in höhere Drehzahlbereiche, aber deutlich weniger störend als früher. Renault ist es vor allem gelungen, das Gefühl der Verbindung zwischen Druck aufs Gaspedal und Reaktion des Antriebs zu verbessern. Der Antriebsstrang wirkt natürlicher, flüssiger und weniger mechanisch als früher. Besonders im Stadtverkehr kann der Clio überraschend lange fast geräuschlos elektrisch fahren.

Am überzeugendsten im Alltag

Die größte Stärke des hybriden Clio bleibt weiterhin der Verbrauch. Im Test lag der Durchschnitt bei 4,3 Litern auf 100 Kilometer. Das ist für abwechslungsreiche Straßen und ziemlich dynamisches Fahren ein sehr gutes Ergebnis.

Der Clio gehörte schon früher zu den fahrerisch besseren Autos seiner Klasse. Das neue Modell überzeugt noch etwas mehr. Das Fahrwerk bleibt sehr ausgewogen. Es ist weich genug für schlechte Stadtstraßen und zugleich straff genug, damit das Auto in Kurven nicht unbeholfen oder zu weich wirkt.

Hinzu kommt eine schnellere Lenkung, die direkter und reaktionsfreudiger ist als zuvor. Der Clio ist zwar keine sportliche Kombilimousine, doch das Fahrwerk vermittelt das Gefühl, dass es auch einen deutlich stärkeren Motor problemlos verkraften könnte.

Gerade diese Kombination aus leichter Handhabung, Komfort und niedrigem Verbrauch ist einer der Hauptgründe, weshalb der Clio im Alltag so überzeugend wirkt. Auf der Autobahn ist er ausreichend leise, in der Stadt ausreichend wendig und auf Landstraßen fahrerisch deutlich interessanter, als man es von einem Auto dieser Klasse erwarten würde.

261

Liter beträgt das Kofferraumvolumen, das durch die Batterie im Boden reduziert wird.

156

PS beträgt die Systemleistung des Antriebsstrangs.

27.890

Euro kostet der getestete hybride Clio.

Auch der Preis ist völlig anders als früher

Der getestete Clio in der reichsten Ausstattungsvariante Esprit Alpine E-Tech 160 kostet 27.890 Euro und damit so viel wie ein Kompakt-SUV. Das ist wirklich viel, aber schwerlich eine Überraschung. Elektrifizierung, Sicherheitssysteme, Digitalisierung und teurere Produktion haben kleine Autos stark verteuert.

Deshalb ist der Clio heute kein kleiner günstiger Renault mehr, sondern ein ziemlich ernst zu nehmendes Auto, das auch auf Käufer größerer Kombilimousinen zielt.

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