Deutsche Industrie: Produktion entwickelt sich besser als erwartet
Deutschland kommt mit der Rohstoffkrise bislang besser zurecht als erwartet. Darauf deuten die jüngsten Daten zur Bau- und Industrieproduktion hin. Für einen nachhaltigen Aufschwung der deutschen Wirtschaft reichen einzelne positive Monatswerte jedoch nicht aus. Dafür sind weitere Reformen notwendig. Das berichten unsere Kollegen von Puls Biznesu.
Im Mai stieg die Produktion im deutschen Baugewerbe gegenüber dem Vormonat um 0,9 Prozent. Auch die Industrie entwickelte sich besser als prognostiziert. Die Produktion im Produzierenden Gewerbe erhöhte sich im Vergleich zum April saison- und kalenderbereinigt um 0,9 Prozent. Allein in der Industrie ohne Energie und Bau lag das Plus bei 0,8 Prozent. Ökonomen hatten dagegen mit einem Rückgang gerechnet.
In den deutschen Unternehmen scheint damit vorsichtiger Optimismus zurückzukehren. Die besseren Produktionsdaten ergänzen die jüngste Aufhellung der Geschäftsstimmung. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juni auf 85,6 Punkte. Im Mai hatte er nach revidierten Angaben bei 85,0 Punkten gelegen. Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage positiver. Gleichzeitig blickten sie weniger skeptisch auf die kommenden Monate.
Die besser als erwartet ausgefallenen Ergebnisse lassen hoffen, dass sich die deutsche Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte stärker erholen könnte. Besonders die energieintensive Industrie könnte davon profitieren, wenn die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten weiter nachlassen und die Preise für Energie und andere Rohstoffe sinken.
Dem Baugewerbe sollen wiederum die von der Bundesregierung angekündigten Reformen helfen. Dazu zählen Maßnahmen, die den Wohnungsbau erleichtern und den Zugang zu Immobilienfinanzierungen verbessern sollen. Wirtschaftsvertreter fordern darüber hinaus weniger Bürokratie und schnellere Investitionen in Straßen, Schienen und andere öffentliche Infrastruktur. Viele Vorhaben kommen bislang nur langsam voran.
Die jüngsten Wirtschaftsdaten aus Deutschland, den USA und China zeigen allerdings ein gemischtes Bild.
Inflation in Deutschland: Sinkende Teuerung bringt Entlastung
Die besonders pessimistischen Prognosen für die deutsche Inflation haben sich im Juni nicht bestätigt. Die jährliche Inflationsrate sank nach vorläufigen Berechnungen auf 2,3 Prozent. Erwartet worden war teilweise ein Anstieg auf 2,5 Prozent. Damit lag die Teuerung so niedrig wie seit Februar nicht mehr. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel betrug allerdings weiterhin 2,5 Prozent.
Die geringere Inflation nimmt etwas Druck von Verbrauchern und Unternehmen. Gleichzeitig könnte sie den Handlungsdruck auf die Europäische Zentralbank reduzieren. Im gesamten Euroraum sank die jährliche Teuerungsrate im Juni von 3,2 auf 2,8 Prozent. Damit lag sie jedoch weiterhin deutlich über dem mittelfristigen Inflationsziel der EZB von zwei Prozent.
Weitere Zinserhöhungen im Laufe des Jahres bleiben deshalb möglich. Für die deutsche Wirtschaft wäre eine erneute Straffung der Geldpolitik mit Risiken verbunden. Höhere Finanzierungskosten könnten Investitionen, Bauprojekte und den privaten Konsum zusätzlich bremsen.
Welthandel wächst: USA und China setzen unterschiedliche Akzente
USA: Handelsdefizit steigt durch höhere Importe
Das US-Handelsdefizit weitete sich im Mai deutlich aus. Die Differenz zwischen Importen und Exporten stieg von 54,6 Milliarden Dollar im April auf 77,6 Milliarden Dollar im Mai. Umgerechnet entsprach dies rund 47,8 Milliarden Euro beziehungsweise 67,9 Milliarden Euro.
Die Exporte gingen um 3,2 Prozent zurück, während die Importe um 3,3 Prozent zulegten. Zu den Treibern der US-Importe gehörten unter anderem pharmazeutische Produkte und technische Ausrüstung für Rechenzentren. Der Ausbau von Cloud-Infrastruktur und künstlicher Intelligenz erhöht den Bedarf an Servern, Halbleitern, Netzwerktechnik und weiteren elektronischen Komponenten. Trotz steigender US-Energieexporte konnte dieser Effekt das wachsende Handelsdefizit nicht ausgleichen.
China: Exporte legen kräftig zu
Chinas Exporte stiegen im Mai auf Dollarbasis um 19,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die gesamten Ausfuhren erreichten nach Angaben der chinesischen Zollverwaltung rund 376,8 Milliarden Dollar. Gleichzeitig legten die Importe um 27,4 Prozent zu.
Die starke Auslandsnachfrage hilft China, die Folgen höherer Rohstoffkosten und der anhaltenden Immobilienkrise abzufedern. Besonders gefragt sind chinesische Elektroautos, Batterien, Photovoltaikanlagen sowie technische Produkte für Anwendungen der künstlichen Intelligenz. In den ersten fünf Monaten des Jahres erhöhten sich Chinas Ausfuhren elektromechanischer Produkte um 18,4 Prozent.
Chinesische Analysten erwarten, dass die weltweite Nachfrage nach Technologieprodukten weiter wächst. Dadurch könnte der Außenhandel einen Teil der Belastungen ausgleichen, die aus der Immobilienkrise und dem schwachen privaten Konsum im Inland entstehen.
Chinas Aufschwung bietet Chancen – und erhöht den Wettbewerbsdruck für Deutschland
Für Deutschland ist diese Entwicklung in zweifacher Hinsicht relevant. Deutsche Industrieunternehmen profitieren von einer Stabilisierung der Weltwirtschaft und einer steigenden Nachfrage nach Maschinen, Anlagen und hochwertigen Vorprodukten. Gleichzeitig verschärft der wachsende chinesische Export von Elektroautos, Batterien, Solartechnik und Industrieprodukten den Wettbewerb auf dem europäischen Markt.
Der beginnende Aufschwung der deutschen Industrie bleibt deshalb fragil. Entscheidend wird sein, ob Unternehmen ihre Investitionen steigern können und ob die Bundesregierung Genehmigungen, Infrastrukturprojekte und den Bürokratieabbau tatsächlich beschleunigt.
