Wirtschaft

Wadephuls Afrika-Reise: Deutschlands Suche nach neuen Chancen

Neue Märkte, kritische Rohstoffe und politische Allianzen: Deutschland setzt verstärkt auf Afrika. Außenminister Johann Wadephul verbindet seine Reise mit klaren Erwartungen an die Wirtschaft. Doch reichen Appelle an Unternehmen aus, um im internationalen Wettbewerb den Anschluss zu halten?
22.07.2026 09:57
Lesezeit: 3 min
Wadephuls Afrika-Reise: Deutschlands Suche nach neuen Chancen
Bundesaußenminister Johann Wadephul (links, CDU) mit einer Delegation aus deutschen Poltikern in Nigeria. (Foto: dpa) Foto: Soeren Stache

Wadephul in Nigeria: Warum Afrika wichtig ist

Es ist ein eher ungewöhnlicher Termin für Johann Wadephul: In der nigerianischen Wirtschaftsmetropole trifft der deutsche Außenminister Influencerinnen und Influencer. Darunter ein Musiker, ein Unternehmer aus der Kulturbranche, eine Filmemacherin. Berlinale, die Fashion Week in Berlin - das sind Dinge, die den jungen Frauen und Männern einfallen, wenn sie nach Deutschland gefragt werden.

Für Wadephul ist das eine Steilvorlage. Vom Kreativgeist der Influencer "können wir in Europa und in Deutschland viel lernen", sagt der Minister im Anschluss.

Auf seiner Reise nach Mauretanien, Nigeria und Südafrika wird Wadephul von Wirtschaftsvertretern begleitet. In Richtung Wirtschaft geht auch der Aufruf, den er mit seinem Treffen mit den jungen Kreativen verbindet: Die deutsche Wirtschaft müsse mehr Flexibilität bei Investitionen auf dem afrikanischen Kontinent zeigen. Wadephul macht Wirtschaftsaußenpolitik, auch in Afrika.

Afrika als Chancenkontinent, das ist für Wadephul ein zentraler Grund dafür, dass er schon zum dritten Mal in diesem Jahr in Afrika ist. Im Januar war er in Kenia und Äthiopien, im April in Marokko. Am Dienstagnachmittag sagt er mit Blick auf das Engagement der deutschen Unternehmer auf dem Kontinent: "Alle müssen sich bewegen. Alle müssen flexibler werden. Und das gilt auch für die deutsche Wirtschaft." Und fügt hinzu: "Wer heute nicht in Afrika präsent ist, der riskiert, entscheidende Chancen zu verpassen."

Vier Gründe, warum Afrika für die Bundesregierung und Wadephul wichtig ist

Die Suche nach neuen Märkten

Die Bundesregierung sucht vor dem Hintergrund der protektionistischen Handels- und Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump weltweit nach neuen Wirtschaftspartnern. Nigeria ist mit mehr als 240 Millionen Einwohnern Afrikas bevölkerungsreichster Staat, größer Binnenmarkt Afrikas und eine seiner größten Volkswirtschaften. Und mit einem niedrigen Durchschnittsalter ein vielversprechender Zukunftsmarkt.

Bereits jetzt ist das Land nach Südafrika zweitwichtigster Handelspartner Deutschlands in Subsahara-Afrika. Bislang sind etwa 80 deutsche Unternehmen in Nigeria vertreten, große Neuinvestitionen gab es zuletzt nicht.

Die Suche nach Rohstoffpartnerschaften

Auch um Deutschland unabhängiger von China bei der Versorgung mit den für die Zukunftstechnologien wichtigen sogenannten Seltenen Erden und kritischen Rohstoffen sowie bei der Energieversorgung zu machen, ist Wadephul auf der Suche nach neuen Partnern. Mauretanien, wo er am Montag war, bietet hier nach Einschätzung von Experten große Potenziale, auch bei erneuerbaren Energien und grünem Wasserstoff.

Der Energiebereich ist bisher auch Schwerpunkt der Wirtschaftsbeziehungen Deutschlands zu Nigeria. Nigeria ist Afrikas größter Ölproduzent und lebt zu einem großen Teil durch Einnahmen aus dem Export von Rohöl. Seit 2008 gibt es eine vom Auswärtigen Amt geführte deutsch-nigerianische Energiepartnerschaft, 2022 wurde in Abuja ein deutsch-nigerianisches Wasserstoffbüro eröffnet.

Doch auch China ist schon da: Peking ist wichtiger bilateraler Handelspartner für Nigeria - mit wachsenden Investitionen etwa in den Bereichen Infrastruktur, Bergbau, Mobilfunk und Rüstung.

Südafrika, das der Minister am Donnerstag besuchen will, ist mit knapp 600 deutschen Firmen und als bei weitem bedeutendster Handelspartner in Afrika "zentraler Ankerpunkt" (Wadephul) für die deutsche Wirtschaft. Aber auch hier sieht er besonders bei der Energiewirtschaft und im Rohstoffbereich große Chancen für mehr Wirtschaftszusammenarbeit.

Neue Migrationsbewegungen verhindern

Wadephul verspricht deutsche Investitionen in mehr Sicherheit und gegen Extremismus und Terrorismus. Ohne Hintergedanken ist dieser Ansatz nicht. In Westafrika und der Sahel-Region herrscht nach verschiedenen Militärputschen eine Dauerkrise.

Mit einer verstärkten Sicherheitszusammenarbeit mit Mauretanien und auch mit Nigeria versucht Deutschland, neue größere Flüchtlingsbewegungen in Richtung Europa zu verhindern. Denn auch nach Nigeria schwappt die Sahel-Krise und der Terrorismus über.

Die Suche nach neuen politischen Partnern

Mauretanien, Nigeria und Südafrika gelten der Bundesregierung als wichtige Partner beim Einsatz für internationale Krisenlösung und in multilateralen Organisationen wie den Vereinten Nationen - anders als die USA, die sich zum Beispiel aus verschiedenen UN-Organisationen zurückgezogen haben.

Nigeria gilt dagegen als politische Führungsmacht, die sich in multilaterale und regionale Foren einbringt. Auch deshalb will Wadephul in der Hauptstadt Abuja das Sekretariat der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Ecowas) besuchen.

Südafrika gilt schon lange als deutscher Schlüsselpartner in Afrika. Man habe eine gemeinsame demokratische Wertebasis, sagt Wadephul. "Als entschiedener Verfechter des Multilateralismus und als einziges afrikanisches G20-Mitglied" habe das Land besonderes Gewicht.

Afrika wird für Deutschland zum strategischen Schlüssel

Afrika entwickelt sich für Deutschland zunehmend zu einer strategischen Schlüsselregion. Wirtschaftliche Chancen, der Zugang zu kritischen Rohstoffen, Fragen der Energiesicherheit und geopolitische Interessen rücken den Kontinent stärker in den Mittelpunkt der Außenpolitik. Gleichzeitig wächst der internationale Wettbewerb, insbesondere mit China, das in vielen Ländern bereits erheblich investiert hat. Johann Wadephuls Reise unterstreicht den Anspruch der Bundesregierung, neue Partnerschaften aufzubauen und bestehende Beziehungen auszubauen. Ob daraus langfristig mehr Investitionen und wirtschaftlicher Erfolg entstehen, wird jedoch davon abhängen, wie schnell Politik und Unternehmen ihre Strategien an die veränderten globalen Rahmenbedingungen anpassen.

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