Politik

Gelassenheit trotz Gerüchten: Baltikum sieht nach CIA-Moskau-Reise keine Angriffsgefahr

Ein unangekündigter Besuch von CIA-Direktor John Ratcliffe in Moskau heizte Spekulationen über eine angebliche Warnung vor russischen Attacken auf Nato-Staaten an. Während der Kreml die Berichte umgehend zurückwies, bewertet man die Sicherheitslage in den direkt angrenzenden baltischen Staaten deutlich entspannter.
27.08.2026 15:27
Lesezeit: 3 min
Gelassenheit trotz Gerüchten: Baltikum sieht nach CIA-Moskau-Reise keine Angriffsgefahr
Ein geheimer Besuch des CIA in Moskau bringt Entspannung in die geopolitische Lage (Foto: dpa). Foto: Patrick Pleul

Dementi aus Moskau und Entwarnung der baltischen Nachbarn

Nach der unangekündigten Reise von CIA-Chef John Ratcliffe nach Moskau kursierten weltweit Mutmaßungen über Hintergründe und Inhalte der Geheimdienstgespräche. US-Medien berichteten unter anderem, Ratcliffe habe vor Ort eine deutliche Warnung vor möglichen Angriffen auf Nato-Mitglieder ausgesprochen. Der Kreml wies diese Darstellung umgehend als abwegig zurück und warf dem Westen die Verbreitung von Falschinformationen vor. Gleichzeitig gaben sich die baltischen Nachbarstaaten Russlands unbeeindruckt und stufen das Risiko für einen solchen Angriff als äußerst gering ein.

Kreml weist westliche "Schauergeschichten" zurück

Berichte über mögliche russische Vorbereitungen für einen Angriff auf Nato-Verbündete sind im Kreml als «Schauergeschichten» zurückgewiesen worden. "Es versteht sich, dass diese nichts mit der Realität gemein haben", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow Journalisten. Zwar würde Moskau es vorziehen, seine Ziele mit friedlichen Mitteln zu erreichen. Doch werde die "Spezialoperation" - wie der Krieg gegen die Ukraine vom Kreml offiziell bezeichnet wird - fortgesetzt, um Russlands Interessen durchzusetzen und Sicherheit zu erreichen.

Der Kremlsprecher warf zugleich dem Westen ein aggressives Verhalten vor. "Diese Aggression geht eben von den europäischen Staaten aus", hob Peskow hervor. Gegenteilige Behauptungen seien nichts anderes als "gewöhnliche Zeitungsenten".

Vor dem russischen Einmarsch in die benachbarte Ukraine hatten Moskauer Vertreter ebenfalls westliche Medienberichte über die Kriegsvorbereitungen als "Schauermärchen" abgetan. In seinem Abwehrkampf wird das angegriffene Land dabei massiv von westlichen Staaten unterstützt.

Medien: CIA-Chef warnte in Moskau vor Angriff auf Nato

Medienberichten zufolge hatte CIA-Direktor John Ratcliffe zuvor Russland bei seinem Besuch in Moskau vor einem Angriff auf Nato-Verbündete gewarnt. Das berichteten das "Wall Street Journal" und das Magazin "Politico" unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen. Der Chef des US-Geheimdienstes hatte die russische Hauptstadt am Dienstag besucht. Über den Inhalt seiner Gespräche wurde allerdings nur wenig bekannt.

Der CIA-Chef habe Russland vor allem mit Blick auf die östlichen Nato-Partner im Baltikum vor einer Eskalation gewarnt, berichtete "Politico". Zudem habe er den Kreml dazu gedrängt, seine militärische und finanzielle Unterstützung für den Iran herunterzufahren.

Balten halten Risiko eines direkten russischen Angriffs für gering

Ratcliffes Besuch fand auch in den baltischen Staaten größere Beachtung - nicht nur, weil der CIA-Chef mutmaßlich über die lettische Hauptstadt Riga nach Moskau geflogen war. In Riga wollte jedoch niemand den Flug einer US-amerikanischen Militärtransportmaschine kommentieren. Die Route konnte über Flugverfolgungsportale nachvollzogen werden.

Mit Blick auf die Medienberichte zu möglichen Gesprächsinhalten betonten Regierungsvertreter in Estland, Lettland und Litauen, dass sich das Niveau und die Einschätzung der militärischen Bedrohung nicht verändert habe. "Das Risiko eines direkten russischen Angriffs ist derzeit gering", schrieb Lettlands Staatspräsident Edgars Rinkevics auf Facebook. "Sabotageakte, Cyberangriffe und hybride Operationen bleiben aber möglich." Ähnliche Äußerungen waren auch in Estland und Litauen zu vernehmen.

Moskaus Geheimdienstchef Naryschkin spricht von "Arbeitsformat"

Der Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes, Sergej Naryschkin, bestätigte sein Treffen mit Ratcliffe, machte aber keine Angaben zum Inhalt. Man habe Fragen erörtert, die in den Kompetenzbereich der Geheimdienste fallen, sagte Naryschkin nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen. Das Treffen sei ein "Arbeitsformat" gewesen und nichts Ungewöhnliches - er führe regelmäßig ähnliche Gespräche mit den Geheimdienstchefs anderer Länder, entweder persönlich oder online.

US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch Ratcliffes Aufenthalt in Russland in der US-Radiosendung des rechtspopulistischen Moderators Glenn Beck bestätigt. Er verneinte allerdings, dass die Reise im Kontext eines möglichen Vorgehens von Präsident Wladimir Putin gegen die Nato oder des Iran-Konflikts gestanden habe. Laut Trump sei Ratcliffes Besuch "eine Art Semi-Routine" gewesen. "Wir würden gern sehen, dass der Krieg mit der Ukraine endet."

Kreml: Kein Treffen mit Putin

Nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigt, dass Ratcliffe für Gespräche "zwischen den Geheimdiensten" nach Moskau gekommen war. Der Vertraute von Putin betonte allerdings, dass es kein Treffen des Kremlchefs mit Ratcliffe gegeben habe.

Für Ratcliffe dürfte es der erste Besuch als CIA-Chef in Moskau gewesen sein. Der letzte bekannte Besuch eines CIA-Chefs in Russland war 2021 die Reise des damaligen Direktors William Burns. Er traf sich auch mit Putin. Burns sollte damals im Auftrag von US-Präsident Joe Biden eine Eskalation im Ukraine-Konflikt verhindern. Allerdings begann Putin dann am 24. Februar 2022 seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

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