Panorama

Romy-Mogelpackung: Romy-Kokos-Schokolade zur Mogelpackung des Monats gekürt

Ein moderner Auftritt, ein niedrigerer Verkaufspreis und angeblich gleichbleibender Genuss: Bei Romy scheint zunächst alles für die Käufer zu sprechen. Ein genauer Vergleich von Füllmenge, Grundpreis und Zutaten offenbart jedoch Veränderungen.
09.09.2026 09:07
Lesezeit: 2 min
Romy-Mogelpackung: Romy-Kokos-Schokolade zur Mogelpackung des Monats gekürt
Mogelpackung des Monats: Die Romy-Tafel schrumpft von 200 auf 150 Gramm. (Symbolbild: ChatGPT)

Romy-Mogelpackung: Weniger Schokolade trotz günstigeren Preises

Die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) hat die Romy-Mogelpackung zur Mogelpackung des Monats September gekürt. Für Käufer wirkt die neue Tafel zunächst günstiger. Doch hinter dem gesunkenen Verkaufspreis verbergen sich weniger Inhalt, ein höherer Grundpreis und Fragen zur beworbenen Rezeptur. Betroffen ist die Romy Milchschokolade mit Kokos-Kakao-Creme des Herstellers Hosta GmbH & Co. KG.

Seit Mai 2026 stellt Hosta das Produkt schrittweise um. Statt 200 Gramm enthält die Tafel nur noch 150 Gramm. Damit sinkt die Füllmenge um 25 Prozent. Zugleich wurde der Preis meist von 2,99 Euro auf 2,49 Euro reduziert. Wer allein auf den Endpreis achtet, könnte deshalb eine Ersparnis vermuten. Umgerechnet auf den Kilopreis ist die Kokos-Schokolade jedoch rund 11 Prozent teurer geworden. Genau diese Kombination macht die Romy-Mogelpackung aus Sicht der Verbraucherschützer problematisch.

Nahezu gleiche Verpackung erschwert den Vergleich

Das Format der quadratischen Hülle blieb nahezu unverändert, lediglich die Farbgebung wurde modernisiert. Auf der Vorderseite steht "Neuer Look, gleicher Genuss". Dass nun ein Viertel weniger enthalten ist, geht daraus nicht deutlich hervor. Die Verbraucherzentrale sieht in der kaum veränderten Größe einen Grund dafür, dass Kunden die Romy-Mogelpackung im Regal nicht ohne Weiteres erkennen.

Hosta erklärt in seiner Stellungnahme, dass "die kleinere Tafel stärker den heutigen Konsumgewohnheiten" entspreche. Die schlankere Variante solle besonders jüngere Verbraucher ansprechen, für die eine 200-Gramm-Packung beim Erstkauf eine zu große Hürde darstellen könne. Zudem verweist der Hersteller auf "(...) in den vergangenen Jahren erheblich gestiegene Rohstoffkosten ( ... ), auch wenn sich die Marktpreise inzwischen teilweise wieder entspannt haben".

Nach Unternehmensangaben erreichten die Weltmarktpreise für Kakao 2024 und 2025 Rekordstände und lagen zeitweise beim Vierfachen früherer Preisniveaus. Weil Kakao langfristig im Voraus beschafft werde, wirkten die damaligen Kosten weiter nach. Die VZHH hält die Erklärung dennoch für unzureichend. Rohkakao koste im Durchschnitt inzwischen wieder ungefähr so viel wie Ende 2023 und sei zwischenzeitlich deutlich günstiger gewesen.

Romy-Mogelpackung: Kritik an Zutaten und Rezepturwerbung

Hinzu kommt, dass bei der Romy-Schokolade ein Teil der Kakaobutter durch pflanzliche Fette wie Sheabutter ersetzt wird. Das war bereits bei der alten Variante der Fall und kann Kosten reduzieren. Die Kakaoverordnung erlaubt bestimmte pflanzliche Fette bis zu maximal fünf Prozent des Gesamtprodukts. Die Verbraucherzentrale betont: "Bei Schokolade ist dies in Deutschland allerdings sehr unüblich."

Weitere Kritik an der Romy-Mogelpackung betrifft den Aufdruck "Unveränderte Rezeptur – gleicher Genuss wie immer". Laut VZHH unterscheiden sich alte und neue Angaben: Der Mindestkakaoanteil im Milchschokoladenanteil sank von 35 auf 31 Prozent. Der Kohlenhydratgehalt stieg von 47 auf 51 Gramm pro 100 Gramm, während Fett, Zucker, Eiweiß und Salz leicht zurückgingen. Außerdem wurde "Molkenerzeugnis" durch "Süßmolkenpulver" ersetzt. Für die Verbraucherschützer passt das nicht zur Aussage einer unveränderten Rezeptur.

Romy-Mogelpackung: Hersteller Hosta verweist auf Kommunikation

Hosta hält dagegen, die Umstellung offen angekündigt zu haben. Genannt werden ein Hinweis auf der Rückseite, ein QR-Code mit Erläuterungen auf der Markenwebsite, eine Pressemitteilung im April 2026 und Beiträge in sozialen Medien. Sollten sich die Rohstoffkosten mittelfristig stabilisieren, wolle das Unternehmen prüfen, wie dies an Kunden weitergegeben werden könne.

Das ändert das Urteil der VZHH nicht: Die Romy-Mogelpackung enthält deutlich weniger und ist gemessen am Grundpreis teurer. Gleichzeitig vermittelt die Gestaltung, beim Produkt habe sich wenig geändert. Der Monatstitel zeigt damit, weshalb sich bei der Romy-Schokolade der Blick auf Füllmenge, Grundpreis und Zutatenliste lohnt. Verbraucher können vergleichbare Fälle bei der VZHH melden; sie veröffentlicht solche Produkte und kürt eine Mogelpackung des Monats sowie eine des Jahres.

Für die Kokos-Schokolade bleibt entscheidend, dass der niedrigere Kassenpreis die Mehrkosten je Kilogramm verdeckt. Damit steht die Romy-Mogelpackung exemplarisch für eine schwer erkennbare Preiserhöhung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Der neue Anleger der DWN stellt sich vor

Wie können Sie ein Vermögen an der Börse aufbauen, wenn Sie weder Erfahrung bei der Aktienanalyse haben noch die Zeit für den...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Renditen von US-Staatsanleihen belasten die Wall Street
07.10.2026

Steigende Renditen und neue Zinsängste bringen die US-Märkte ins Wanken – erfahren Sie, welche Schwergewichte es besonders hart trifft.

DWN
Finanzen
Finanzen Beitragsbemessungsgrenzen 2027: Millionen Bürger müssen mehr vom Lohn abgeben
07.10.2026

Für Gutverdiener steigen kommendes Jahr die maßgeblichen Beitragsgrenzen in der Kranken- und Rentenversicherung. Besonders deutlich...

DWN
Finanzen
Finanzen Fiskalischer Spitzenreiter: Wie Deutschland seinen Bürgern am meisten abknöpft
07.10.2026

Eine Analyse zur Steuerbelastung in Europa zeigt für das Jahr 2026 eine bittere Wahrheit für deutsche Steuerzahler: Die Bundesrepublik...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wang Fengying von XPeng im Porträt: Eine Chinesin mit amerikanischer Erfolgsgeschichte
07.10.2026

Wang Fengying gehört zu den einflussreichsten Managerinnen der chinesischen Autoindustrie. Bei Great Wall Motor prägte sie Vertrieb,...

DWN
Immobilien
Immobilien Superreiche fliehen aus London: Luxusimmobilien stürzen ab
07.10.2026

Londons Luxusimmobilien verlieren dramatisch an Wert, in manchen Nobelvierteln beträgt das Minus mehr als 25 Prozent. Während die...

DWN
Politik
Politik Nach Landtagswahlen: Mehrheit hält Merz' Kanzlerschaft für gescheitert
07.10.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz kommt aus dem Umfragetief nicht heraus, die Mehrheit der Deutschen sieht keine Zukunft für ihn als Kanzler....

DWN
Politik
Politik Festanstellung adé: Verlängerte Befristungen für Arbeitsverträge geplant
07.10.2026

Die Koalition will die sachgrundlose Befristung für Arbeitnehmer verlängern. Eine Befristung des Arbeitsvertrages soll bald vier statt...