DAX-Kurs: Schwierige Börsenwoche – 25.000 Punkte bleiben im Fokus
Der DAX-Kurs dürfte sich auch in der neuen Woche in einem schwierigen Marktumfeld bewegen. Die Schwelle von 25.000 Punkten bleibe maßgeblich, schreibt Timo Emden, Chefmarktanalyst des Online-Brokers CapTrader. Je länger der deutsche Leitindex um diese Marke schwanke, desto größer werde ihre Bedeutung für Anleger.
Ein unerwartet schwacher US-Arbeitsmarktbericht verlieh dem DAX-Kurs zuletzt einen moderat positiven Anstoß. Nach Einschätzung der Landesbank Helaba dürften die Daten die Erwartungen an höhere US-Leitzinsen etwas abschwächen.
Steigende Anleiherenditen: Wann Aktien unter Druck geraten
"Für Kopfzerbrechen dürfte weiterhin die Entwicklung der Anleihemärkte dies- und jenseits des Atlantiks sorgen", sagte Emden. Für den DAX-Kurs aktuell seien derzeit Ölpreis und Anleiherenditen die maßgeblichen Einflussgrößen für die Börsen.
Steigende Anleiherenditen bedeuten für Aktienstratege Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg nicht grundsätzlich Gegenwind für Dividendenpapiere. Meistens signalisierten sie schließlich eine bessere Konjunktur und entsprechend günstigere Gewinnaussichten für Unternehmen. Unter diesen Bedingungen habe der breite US-Aktienindex S&P 500 sogar oftmals überdurchschnittliche Kursgewinne verzeichnet.
"Dies galt jedoch nur dann, wenn die Rendite zehnjähriger US-Treasuries unterhalb von 5 Prozent lag, was inzwischen nicht mehr der Fall ist", konkretisierte Experte Streich. "Überstieg sie dieses Niveau, ging der US-Markt zwar nicht gleich zwingend in die Knie, entwickelte sich jedoch nur noch unterdurchschnittlich." Zuletzt kletterte die Rendite für die zehnjährige Laufzeit deutlich über die 5-Prozent-Marke, stabilisierte sich anschließend jedoch wieder.
Anthropic-Börsengang könnte Technologieaktien neue Impulse geben
Der kräftige Renditeanstieg beschäftigt ebenso die europäischen Anleger, schreibt die DZ Bank in ihrem Wochenausblick. Er habe weltweit Druck auf die großen Aktienindizes ausgeübt. Der Nasdaq 100 habe sich dabei deutlich robuster entwickelt. Das von Technologiewerten geprägte Börsenbarometer zieht besonders großen Nutzen aus dem Megathema Künstliche Intelligenz (KI). Marktbeobachter sehen dessen Boom trotz zwischenzeitlicher Rückschläge weiter anhalten.
Eigenständige Hacking-Attacken durch Künstliche Intelligenz hatten zuletzt über mehrere Wochen Bedenken hinsichtlich potenzieller Technologierisiken verstärkt. Ein zeitnaher Börsengang von Anthropic könnte hingegen erneut positive Impulse setzen.
Wie Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtete, wolle der Anbieter der KI-Software Claude ab dem 9. November offiziell bei Investoren um Interesse an seinen Aktien werben. Ein Handelsstart der Anthropic-Aktien wäre damit noch vor dem US-Feiertag Thanksgiving am 26. November möglich. Wettbewerber OpenAI, der Entwickler von ChatGPT, hatte Mitte September angekündigt, seinen Börsengang nicht mehr im laufenden Jahr durchzuführen.
DAX-Ausblick: KI-Termine und Porsche im Fokus
Die Unternehmenstermine bleiben im DAX-Ausblick für die kommende Woche überschaubar. Eine Anlegerveranstaltung von Marvell Technology (ISIN: US5738741041) könnte am Dienstag den KI-Optimisten neue Argumente liefern. Seit Jahresbeginn hat sich der Aktienkurs des Halbleiterentwicklers bereits mehr als verdreifacht. Am Donnerstag veröffentlicht TSMC (ISIN: TW0002330008), der weltweit größte Halbleiter-Auftragsfertiger, seine Umsatzzahlen für die ersten neun Monate.
Für den DAX-Kurs aktuell rücken auch traditionellere Branchen mit ihren KI-Ambitionen in den Blick. So plant die Deutsche Telekom (ISIN: DE0005557508) ihren KI-Investorentag für Montag. Im DAX-Ausblick stehen beim Kapitalmarkttag der krisengeplagten VW-Sportwagentochter Porsche AG (ISIN: DE000PAG9113) am Mittwoch hingegen ganz andere Themen im Mittelpunkt.
DAX-Kurs aktuell zwischen Renditedruck und KI-Hoffnung
Die neue Börsenwoche verspricht wenig Klarheit: Anleiherenditen und Ölpreis bleiben entscheidend, während KI-Themen und Unternehmenstermine mögliche Impulse liefern. Die Marke von 25.000 Punkten bündelt dabei die Aufmerksamkeit. Für die Einordnung lohnt zusätzlich ein Blick auf die Indexberechnung: Laut Deutscher Börse wird der DAX üblicherweise als Performanceindex betrachtet, der Dividenden vollständig rechnerisch reinvestiert. Sein Stand bildet somit mehr als die reine Kursentwicklung seiner Unternehmen ab.
Daraus folgt für den Vergleich mit anderen Börsenbarometern: Die jeweilige Berechnungsmethode gehört zur Bewertung dazu. Ob neue Unternehmenssignale den aktuellen Renditedruck aufwiegen können, bleibt die zentrale offene Frage für die kommende Handelswoche.

