McDonalds-Aktie wird plötzlich günstig: Doch ein Problem hält mich vom Kauf ab
Noch im Februar sah es so aus, als wäre McDonald’s genau die Art von Aktie, die man in Zeiten der Unsicherheit im Portfolio haben möchte. Das Unternehmen verfügt über eine starke Marke, stabile Cashflows und ein Geschäftsmodell, das seit Jahrzehnten fast jeden Wirtschaftszyklus erfolgreich überstanden hat.
Bis zum Herbst hatte sich das Bild verändert. Ende Februar kostete die Aktie 334,50 US-Dollar, Anfang Oktober waren es nur noch rund 232 US-Dollar.
Die zentrale Frage für Anleger lautet nicht, ob McDonald’s weiterhin Burger verkaufen kann. Die Frage ist vielmehr, ob das bislang außergewöhnlich widerstandsfähige Geschäftsmodell des Unternehmens weiterhin genauso profitabel funktionieren kann.
Burger helfen, die Miete zu bezahlen
Das Geschäftsmodell von McDonald’s brachte Harry Sonneborn, ein früherer Manager des Unternehmens, bereits vor Jahrzehnten treffend auf den Punkt. Seine Überlegung war einfach: Das eigentliche Geschäft von McDonald’s ist Immobilienbesitz. Burger werden verkauft, damit die Restaurantbetreiber genug Geld haben, um ihre Miete zu bezahlen.
Diese Logik gilt im Wesentlichen bis heute. Rund 95 Prozent der mehr als 46.000 McDonald’s-Restaurants werden von Franchisenehmern betrieben. Das Unternehmen kontrolliert einen großen Teil der Immobilien, in denen die Restaurants untergebracht sind, und erhält von den Franchisenehmern sowohl Lizenzgebühren als auch Mieteinnahmen.
Rund 90 Prozent der Restaurantmarge stammen aus dem Franchisegeschäft. Gerade dieses Modell hilft McDonald’s dabei, die operative Marge bei mehr als 45 Prozent zu halten.
Das System funktioniert hervorragend, solange genügend Geld durch die Restaurants fließt. Genau hier ist nun ein Problem entstanden.
Im ersten Quartal dieses Jahres stiegen die vergleichbaren weltweiten Umsätze von McDonald’s um 3,8 Prozent, im zweiten Quartal nur noch um 1,3 Prozent. In den USA legten die Umsätze lediglich um 0,8 Prozent zu, während die Zahl der Restaurantbesuche zurückging.
Besonders stark schwächte sich der Zustrom von Kunden mit niedrigeren Einkommen ab. Chris Kempczinski, Chef des US-Schnellrestaurantkonzerns McDonald’s, erklärte, dass die Zahl ihrer Besuche innerhalb von zwei Jahren um fast zehn Prozent gesunken sei.
Im September versprach das Unternehmen, seine Franchisenehmer im Laufe des kommenden Jahrzehnts mit insgesamt 8,5 Milliarden US-Dollar zu unterstützen. Das Geld soll für die Modernisierung von Restaurants, Verbesserungen im Betrieb und die Rückgewinnung von Kunden verwendet werden.
Wichtig ist, dass diese Summe nicht auf einmal, sondern über einen langen Zeitraum ausgegeben wird. Für Anleger ist der Plan dennoch ein bedeutendes Signal: McDonald’s muss Milliarden investieren, um ein System am Laufen zu halten, das bislang als ausgesprochen effizient galt.
McDonalds-Aktie: Anleger wollen kein gesünderes Menü
Das Problem von McDonald’s könnte nicht nur darin bestehen, dass Kunden weniger Geld zur Verfügung haben. Auch ihre Erwartungen an Fast Food verändern sich.
In den USA verbreitet sich die Nutzung von GLP-1-Medikamenten schnell. Gleichzeitig wächst das Interesse an kleineren Portionen, proteinreicherem Essen und leichteren Mahlzeiten. Im Jahr 2026 nutzten rund elf Prozent der erwachsenen US-Amerikaner GLP-1-Medikamente zur Gewichtsreduktion. Zwei Jahre zuvor waren es lediglich drei Prozent.
McDonald’s hat diesen Wandel bemerkt. Das Unternehmen erwägt, mehr proteinreiche Gerichte, unterschiedliche Portionsgrößen und eine flexiblere Auswahl bei Rindfleischgerichten anzubieten. Das Management erwähnte sogar eine Burger-Bowl als mögliche Variante.
Auf den ersten Blick mag das lediglich wie eine Aktualisierung der Speisekarte wirken. Für Anleger ist die Frage jedoch größer.
Der Erfolg von McDonald’s beruhte jahrzehntelang auf einfachem, günstigem und sättigendem Essen. Wenn Verbraucher nun kleinere Portionen und mehr Protein bevorzugen, muss McDonald’s auch seine bislang erfolgreiche Formel anpassen.
Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Menschen auf Fast Food verzichten werden. Wahrscheinlicher ist, dass sie denselben Komfort in einer anderen Form wünschen.
Für die McDonalds-Aktie lautet die Frage deshalb, ob das Unternehmen schnell genug auf die sich verändernden Vorlieben der Verbraucher reagieren und gleichzeitig damit Geld verdienen kann.
Die Konkurrenz schläft nicht
Erschwert wird die Lage dadurch, dass nicht der gesamte Fast-Food-Sektor mit Problemen kämpft.
Burger King, das zu Restaurant Brands International gehört, steigerte seine vergleichbaren Umsätze im zweiten Quartal um 8,5 Prozent. Taco Bell, das zu Yum! Brands gehört, kam auf ein Plus von sieben Prozent. Zwar sind auch die Aktien dieser Unternehmen wie McDonald’s günstiger geworden, ihr Rückgang fiel jedoch deutlich geringer aus.
Einige Konkurrenten passen ebenfalls ihre Speisekarten an, bieten gesündere Optionen an und reagieren auf die durch GLP-1-Medikamente veränderten Ernährungsgewohnheiten. Es handelt sich also nicht nur um ein Problem der McDonalds-Aktie, sondern um eine neue Realität für die gesamte Branche.
McDonalds-Aktie: Schnäppchen oder Value-Falle?
Nach dem deutlichen Kursrückgang ist die Bewertung der McDonalds-Aktie wesentlich attraktiver geworden. Das Papier der Restaurantkette wird derzeit mit etwa dem 17,6-Fachen des für das kommende Jahr erwarteten Gewinns gehandelt. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre lag dieser Wert bei rund 25.
Die Free-Cashflow-Rendite beträgt 4,7 Prozent, die Dividendenrendite 3,3 Prozent. Im September erhöhte das Unternehmen seine Quartalsdividende auf 1,93 US-Dollar je Aktie. Es war bereits das 50. Jahr in Folge, in dem McDonald’s seine Dividende anhob.
Ein niedrigerer Aktienkurs bedeutet jedoch noch nicht automatisch, dass jetzt ein guter Zeitpunkt zum Kaufen gekommen ist. Die McDonalds-Aktie ist an der Börse nicht nur wegen der Angst der Anleger gefallen. Auch die Wachstumserwartungen für das Unternehmen sind bescheidener geworden.
Der Burger lockt mich vorerst nicht
Der nächste wichtige Termin ist der 28. Oktober, wenn McDonald’s seine Ergebnisse für das dritte Quartal veröffentlicht.
Ich werde vor allem auf die Umsätze in den USA und auf die Zahl der Restaurantbesucher achten. Gerade diese Kennzahlen dürften am besten zeigen, ob sich die derzeitige Schwäche langsam zurückbildet oder ob das Problem tiefer reicht.
Ich glaube nicht, dass die Menschen aufhören werden, Burger bei McDonald’s zu kaufen. Die Frage ist vielmehr, wie teuer es sein wird, die Kunden zurückzugewinnen, und wie viel Profitabilität dafür geopfert werden muss.
Gleichzeitig muss sich McDonald’s an Verbraucher anpassen, die kleinere Portionen, mehr Protein und gesündere Optionen wünschen. All das muss gelingen, ohne das bislang gut funktionierende Geschäftsmodell zu beschädigen.
Die McDonalds-Aktie ist deutlich günstiger geworden, aber ich drücke noch nicht auf den Kaufknopf. Ein niedrigerer Preis allein macht eine Aktie nicht zu einem guten Kauf. Und nur deshalb nach einem fallenden Messer zu greifen, weil es bereits stark gefallen ist, ergibt keinen Sinn.
Zuerst möchte ich sehen, dass Umsätze und Besucherzahlen wieder zu wachsen beginnen und McDonald’s sich an den veränderten Verbraucher anpassen kann, ohne dafür zu viel Profitabilität zu opfern. Wenn sich die Geschäftszahlen verbessern und die Bewertung vernünftig bleibt, wird die McDonalds-Aktie für mich deutlich interessanter.
Eine andere Frage ist allerdings, ob die Aktie dann auch der attraktivste Ort am Markt für mein Geld sein wird.




