Politik

Bürgergeld: 1,4 Millionen Arbeitslose beziehen seit fünf Jahren Grundsicherung

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die im Bürgergeld festhängen, hat sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich erhöht. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit beleuchten, wer von den "erwerbsfähigen" Menschen über viele Jahre auf Hilfe angewiesen ist. Was helfen könnte, ist teilweise umstritten.
21.10.2026 07:23
Lesezeit: 2 min
Bürgergeld: 1,4 Millionen Arbeitslose beziehen seit fünf Jahren Grundsicherung
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen steigt wieder in Deutschland. (Foto: dpa) Foto: Jens Kalaene

Bürgergeld: 1,4 Millionen Arbeitslose beziehen seit fünf Jahren Grundsicherung

Rund 1,4 Millionen Menschen haben zuletzt mindestens fünf Jahre lang Grundsicherung bezogen - dies sind etwa zwei von fünf derer, die die staatliche Unterstützung beziehen. Den höchsten Anteil dieser Langzeitbezieherinnen und -bezieher an den Menschen mit Bürgergeld gab es Ende 2025 in Berlin (rund 45 Prozent) und Bremen (43 Prozent), wie eine Datenauswertung der Bundesagentur für Arbeit für die AfD im Bundestag zeigt, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Bürgergeld auf Kosten der Steuerzahler

Der AfD-Arbeitsmarktpolitiker René Springer sagte: "Es kann nicht sein, dass so viele Menschen auf Kosten der Steuerzahler Bürgergeld beziehen, obwohl sie arbeiten gehen könnten." Springer bekräftigte die AfD-Forderung nach einer Bürgerarbeit in gemeinnützigen Bereichen von 15 Wochenstunden für alle Erwerbsfähigen, die länger als sechs Monate Bürgergeld beziehen. Wer sich verweigert, soll demnach nur noch Sachleistungen oder als letzte Option gar keine Leistungen mehr erhalten.

Mit entsprechenden Anträgen hatte die AfD im Bundestag bei den anderen Fraktionen heftige Kritik hervorgerufen. Etwa der CSU-Sozialpolitiker Peter Aumer hielt dem das "Grundversprechen unseres Sozialsystems" entgegen - wer Hilfe brauche, müsse Hilfe bekommen.

Die Regierungskoalition hatte mit ihrer jüngsten Reform den Namen "Bürgergeld" gestrichen und strengere Regeln für die Grundsicherung eingeführt: Wer nicht mitwirkt, soll empfindliche Kürzungen hinnehmen müssen.

Seit 2024 wieder mehr Langzeitarbeitslose

Nach einer Phase sinkender Arbeitslosigkeit war die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland seit 2023 aufgrund einer wirtschaftlichen Schwächephase wieder gestiegen, seit 2024 auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen. Die lang positive Entwicklung am Arbeitsmarkt hatte zu einem Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit von 1,8 Millionen 2005 auf 700.000 im Jahr 2019 geführt, wie das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) feststellte. 2025 waren es mehr als eine Million Langzeitarbeitslose.

Im September gab es laut Bundesagentur für Arbeit insgesamt 3,7 Millionen erwerbsfähige Empfänger von Grundsicherung, 145.000 weniger als im Vorjahresmonat.

Nach den von der AfD angefragten Zahlen waren von den Menschen mit mindestens fünf Jahren Bürgergeld zuletzt 62,2 Prozent Deutsche und 37,8 Prozent Ausländer. 199.229 der Betroffenen waren erst unter 25 Jahre alt.

Häufig steckt niedrige Qualifikation dahinter

Bei den Langzeitbeziehenden der Leistungen liegen laut IAB "häufig Vermittlungshemmnisse wie eine niedrige formale Qualifikation oder gesundheitliche Einschränkungen" vor. Geförderte Beschäftigung könne ihre Perspektiven bis hin zu einem Job auf dem ersten Arbeitsmarkt steigern, allerdings müsse Unterstützung «passgenau und individualisiert» sein, so das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Beförderung: Warum Fleiß zur Karrierefalle werden kann
21.10.2026

Mehr leisten, länger bleiben, ständig einspringen: Viele Beschäftigte hoffen, sich damit die nächste Beförderung zu verdienen. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Volvo FH 500 Aero: 500 PS und trotzdem auf Sparkurs
21.10.2026

500 PS, 2.800 Newtonmeter Drehmoment und trotzdem auf Sparkurs: Der Volvo FH 500 Aero soll beweisen, dass schwere Lastwagen nicht...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Exporte nach Russland: Handel weit eingebrochen, aber nicht beendet
21.10.2026

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist der Handel zwischen Deutschland und Russland massiv zurückgegangen. Vor allem die Importe sind nahezu...

DWN
Politik
Politik Europäische Telekomriesen bereiten Gegenangriff auf Starlink vor
21.10.2026

Vier der größten europäischen Telekomkonzerne wollen bei satellitengestützten Mobilfunkdiensten enger zusammenarbeiten. Ziel ist es,...

DWN
Politik
Politik Frankreich steckt mitten im finanziellen Sturm: Kann daraus eine Schuldenkrise werden?
21.10.2026

Frankreich kämpft mit hohen Defiziten, steigenden Zinsen und politischer Unsicherheit. Erinnerungen an die europäische Schuldenkrise...

DWN
Politik
Politik Bürgergeld: 1,4 Millionen Arbeitslose beziehen seit fünf Jahren Grundsicherung
21.10.2026

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die im Bürgergeld festhängen, hat sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich erhöht. Die Zahlen der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Unternehmen mieten massiv Lagerflächen in der EU. Am meisten in Polen
21.10.2026

Chinesische Unternehmen bauen ihre Logistikpräsenz in Europa massiv aus. Besonders Polen entwickelt sich zum zentralen Knotenpunkt für...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Achterbahnfahrt bei KI- und Tech-Aktien am Dienstag
20.10.2026

Spannung an der Wall Street: Was hinter den jüngsten Kursbewegungen steckt und welche Werte jetzt überraschen.